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Buchhandel in der Krise : Beschenken

  • -Aktualisiert am

Sie stapeln sich: Immer weniger Kunden kaufen ihre Bücher im Einzelhandel. Bild: dpa

Auch der Buchhandel leidet unter der Corona-Pandemie. Die Tage vor Weihnachten bieten gute Gelegenheit, um Freunden und der Branche eine Freude zu bereiten. Also ran ans Beschenken.

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          In Österreich sind die Buchhandlungen jetzt wieder zu. Und in Deutschland sind neben allerlei ermutigenden Prognosen zur Online-Seite des Einzelhandels allerlei entmutigte zur sinkenden Besucherfrequenz in den Innenstädten zu hören. Und was mache ich? Lese kein brandneues Buch, dessen Kauf einer tapfer schuftenden Buchhändlerin, einem jeden Euro mehrmals umdrehenden Verlag und einem darbenden Autor nennenswerte Einträge brächte.

          Stattdessen habe ich eine kleine englische Ausgabe von „Sense and Sensibility“ aus dem Regal genommen, die mein Vater 1963 in Schottland kaufte, als er zwischen Wehrdienst, Geschichtsstudium und Eintritt in die Bundeswehr ein Jahr lang Assistant Teacher im Glenalmond College war. Mit den vielen Bänden, die er von dort heimbrachte, meist handliche Edwardianische Alltagsausgaben englischer Klassiker, in Leder gebunden, sehr hübsch aufgemacht und illustriert, die Taschenbücher ihrer Zeit, heute luxuriös anmutend, gekauft in kleinen ländlichen Antiquariaten und bei Aufenthalten in Edinburgh, bin ich aufgewachsen. Und greife immer wieder gerne auf sie zurück.

          Da müssen derzeit also andere ran, um dem deutschen Buchhandel etwas Gutes zu tun. Zum Beispiel mit Hilfe der Idee der Vorsteherin des Börsenvereins, die sie vor ein paar Tagen auf Facebook verkündete, ehe zu vermelden war, dass die Frankfurter Buchmesse durch pandemiebedingte Einnahmeverluste Stellen werde abbauen müssen. Bis Weihnachten schenkt Karin Schmidt-Friderichs jeden Tag einer Freundin oder einem Freund ein Buch. Das hat mehrere Vorteile: Der Empfänger freut sich, die Branche verdient, und das Weihnachtsgeschäft beschränkt sich nicht nur auf die letzten Tage vor dem Fest. Also ran ans Beschenken.

          Am besten, Sie beginnen mit Austens Romanen. Es gibt bestimmt jemanden, der über „Stolz und Vorurteil“ noch nicht hinausgelangt ist. Der „Sense and Sensibility“ noch nicht gelesen hat. Oder „Emma“, „Persuasion“, „Mansfield Park“ und „Northanger Abbey“. Mit alldem verdient allerdings nur Penguin. Oder auf Deutsch Reclam – die Übersetzungen von Ursula und Christian Grawe sind nicht makellos, aber die besten. Wenn Sie also mit dem Verschenken englischer Vergangenheit fertig sind, wenden sie sich lebenden Autoren und anderen Verlagen zu. Noch 36 Tage bis Weihnachten.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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