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Bridges Kammerorchester : Musik kennt keine Grenzen

  • -Aktualisiert am

Musikalische Vielfalt: Das Bridges Kammerorchester, hier bei einem Auftritt im Mannheimer Capitol, vereint Musikerinnen und Musiker aus 14 Nationen. Bild: René van der Voorden

Das im Jahr 2019 gegründete Bridges Kammerorchester vereint Mitglieder und Klänge aus aller Welt. Nun hat das Ensemble sein erstes Album mit Hilfe eines Förderpartners aufgenommen.

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          Wenn über Monate hinweg keine Konzerte stattfinden, haben Musikerinnen und Musiker nur wenige Alternativen, öffentlich präsent zu bleiben. Viele verlagern ihre Live-Aktivitäten ins Internet, andere nehmen Stücke auf, um sie als Stream oder CD herauszubringen. „Die Pandemiebeschränkungen hatten auch unsere Planung komplett umgeworfen“, erinnert sich Johanna-Leonore Dahlhoff, künstlerische Leiterin des Bridges Kammerorchesters: „Um trotzdem mit einem konkreten Ziel weiterzuproben, beschlossen wir im Frühsommer 2020, eine CD aufzunehmen.“

          Nun macht es einen Unterschied, ob man als Einzelkünstler im heimischen Wohnzimmer Stücke einspielt, als Quartett ein Tonstudio bucht oder ein Ensemble von 28 Personen Musik aufzeichnen möchte. Zunächst musste also ein passender Raum von entsprechender Größe für das Kammerorchester gefunden werden, zumal unter Beachtung der Abstandsregeln. Gut klingen sollte der Aufnahmeort natürlich auch, schließlich gilt es, rein akustische Töne teils filigraner Instrumente einzufangen: Harfe und Zithern, europäische und asiatische Geigen, persische und orientalische Lauten, spanische und südamerikanische Gitarren. Außerdem Flöten, Blech- und Holzbläser, dynamische Rahmen- und Röhrentrommeln, indische Tabla und Schlagzeug.

          Kein Album ohne Hilfe des hr

          Außerdem war allen bewusst, dass die aufwendige Produktion von „Identigration“ ohne Förderpartner nicht zu realisieren wäre. Zwar erhält das Kammerorchester seit seiner Gründung im Spätsommer 2019 finanzielle Unterstützung, doch sind einige dieser Mittel, etwa jene des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, an Konzerte gebunden. Folglich klopfte das Orchester für die CD beim Hessischen Rundfunk an, der die Initiative „Bridges – Musik verbindet“ schon seit ihrem ersten großen Konzert im April 2016 unterstützt. Zudem wurde eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne gestartet. „Ohne die Hilfe des hr hätten wir das Album wohl nicht machen können“, sagt Dahlhoff sichtlich glücklich. Da der Sendesaal zu dieser Zeit renoviert wurde, stellte der Sender kostenlos einen Übertragungswagen und weiteres Equipment, etwa jede Menge Kopfhörer, zur Verfügung. Zudem übernahm er das Honorar des Tonmeisters Robin Bös, der schon früher mit Bridges gearbeitet hatte. Bös hatte auch die Idee, die Aufnahmen in der Preungesheimer Festeburgkirche durchzuführen.

          Der Albumtitel „Identigration“ leitet sich einerseits von dem gleichnamigen, in vielen Facetten schillernden Stück ab, das der Jazz-Saxophonist Peter Klohmann für Bridges geschrieben hat. Das Kunstwort beschreibt darüber hinaus den grundsätzlichen Charakter der Initiative, die Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichsten Kulturkreisen zusammenbringt. Im Kammerorchester reicht die geographische Spanne von Kolumbien über Osteuropa und den Nahen Osten bis zu Iran und der Mongolei. Insgesamt umfasst das Ensemble 14 Nationalitäten. „Auf den ersten Blick erscheint es kompliziert, wenn ein Individuum mit seiner persönlichen Geschichte auf eine heterogene und zu großen Teilen anders sozialisierte Gruppe trifft“, sinniert Johanna-Leonore Dahlhoff: „Unsere Erfahrung zeigt aber, dass solche Begegnungen besonders fruchtbar sind. Weil ich als Einzelne viel Neues erfahren und dadurch meinen Horizont substantiell erweitern kann.“ Als musikalisches Beispiel nennt die in europäischer Klassik ausgebildete Flötistin jene Vierteltöne, die für westliche Ohren ungewohnt oder gar „schräg“ klingen, während sie in orientalisch geprägten Musikkulturen ganz selbstverständlich sind.

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