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Bratscherin Kasakawa : Ein Fenster offen lassen

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Das ist eine lange Geschichte. Im Jahr 2005 bin ich nach Genf gekommen. Ich hatte da gerade auf Bratsche gewechselt und das erste Jahr nur Technik geübt und Französisch gelernt. Im Jahr 2007 gab es dann ein Bratschenfestival in Japan. Als Dozent hat Garth Knox dort neue Stücke vorgestellt. Ich hatte gerade mit einem Kollegen das Bratschen-Duo „Viola, Viola“ von George Benjamin gespielt. Das war eine große Herausforderung für mich. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung von zeitgenössischer Musik. In Tokio habe ich mit Knox gesprochen, und er hat mir gesagt, dass er  „Viola, Viola“ im Sommer in Amsterdam auswendig spielen werde. Ich dachte, wie kann man so ein komplexes Stück auswendig spielen? Das wollte ich unbedingt hören und bin nach Amsterdam gegangen. Dort habe ich Knox gehört, aber auch Benjamins Oper „Into the Little Hill“ mit dem Ensemble Modern. Ein solches Ensemble hatte ich noch nie gehört. Das klang so phantastisch, alle waren so konzentriert. Ich dachte, es wäre toll, in einem solchen Ensemble arbeiten zu können. Ein Jahr später hat mir meine Lehrerin gesagt, Knox suche für seine schwangere Partnerin Ersatz für zwei Konzerte mit „Viola, Viola“. Meine Lehrerin sagte, natürlich machst du das. Im Januar 2008 kam dann die Anfrage, mit Knox und dem Ensemble Modern zu spielen. Ich dachte, vor einem halben Jahr habe ich sie zum ersten Mal gehört, und jetzt kommt schon so eine Anfrage. Dann, im Januar und Februar 2009, kamen plötzlich noch mehr Anfragen, mit dem Ensemble zu spielen. Ich habe da noch studiert, aber ich war so froh darüber. Für das Ensemble war das schon meine Probezeit, nur wusste ich nichts davon. Im März 2009 haben sie gesagt, hast du Lust, ins Ensemble zu kommen? Ich fragte, soll ich ein Probespiel machen? Sie sagten, nein, wir wissen schon, wie du spielst.

Seit 2010 sind Sie also fest beim Ensemble Modern?

Ja, damals unterrichtete ich aber noch in Genf, ich war Assistentin von Nobuko und konnte nicht sofort nach Deutschland umziehen. Ich brauchte noch Zeit und konnte auch noch kein Deutsch. Aber was ich noch sagen wollte: Es wird oft gesagt, dass moderne Musik etwas völlig anderes ist, etwas Besonderes. Ich habe das nie so empfunden, keinen Punkt gesetzt und gesagt, jetzt beschäftige ich mich mit neuer Musik. Ich mache einfach weiter Musik.

Klassik und zeitgenössische Musik macht für Sie keinen Unterschied?

Ja, genau. Es ist wie klassische Musik oder romantische Musik. Zeitgenössische Musik ist nur stilistisch anders und deswegen auch nichts Besonderes.

Gibt es ein modernes Stück, von dem Sie sagen würden, das ist so phantastisch, selbst wenn man sich nicht für zeitgenössische Musik interessiert oder normalerweise keinen Zugang zu ihr findet, wird man damit zu ihr bekehrt?

Ja, die Stücke von Benedict Mason, „Chaplin Opera“ etwa. Mason hat es zu einem Stummfilm komponiert. Es besteht nur aus Zitaten und ist sehr komplex gebaut. Das macht so viel Spaß, es sich anzuhören und anzusehen. Da gibt es alte Musik, Volksmusik, neue Musik. Alles.

Frau Kasakawa, sind Sie glücklich in Deutschland und in Frankfurt?

Ja, ich wohne in Offenbach. Ich muss ehrlich sagen, dass ich in dieser schweren Corona-Zeit in Deutschland bleiben und unsere kreative Arbeit weiterentwickeln konnte, dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

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