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Bildhauer Hans Steibrenner : Jede hat ihren eigenen Charakter

Gegenüber von Steinbrenners früherem Garten stehen nun gut 90 Arbeiten des 2008 verstorbenen Bildhauers. Bild:

Gearbeitet hat der Frankfurter Bildhauer Hans Steinbrenner in einem Gartenatelier. Seine Frau Anne hat ganz in dessen Nähe zwei Jahre nach dem Tod des Künstlers einen Skulpturengarten mit Werken Steinbrenners eingerichtet.

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          Als wir das letzte Mal hier waren, lag Frühling in der Luft. Wir waren mit dem Fahrrad gekommen und zunächst zwei Stunden quer durch Frankfurt gefahren, ohne genauen Plan, aber doch auf den Spuren eines bildhauerischen Werks, das so prominent vertreten ist im öffentlichen Raum der Stadt und in der ganzen Region wie wohl kein zweites eines zeitgenössischen Künstlers.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vom Städelgarten führte unser Weg zum Römer und über die Sandgasse bis zum Merianplatz, wo vor 30 Jahren Hans Steinbrenners stählerner Brunnen seinen festen Platz gefunden hat; am Hessischen Rundfunk vorbei und durch den Grüneburgpark, wo die Schriftstele aus afrikanischem Hartholz an das „Neue Palais“ Amschel Mayer-Rothschilds erinnert und über die Nordweststadt bis endlich nach Praunheim, wo der Künstler bis zu seinem Tod gelebt und gearbeitet hat.

          Gehauen aus Basalt, Sandstein oder Muschelkalk, Eiche, Pappel oder Ulme

          So hätten wir noch stundenlang in die Pedale treten können, immer weiter von Stein zu Stele, von Block zu Bronze und von „Figur“ zu „Figur“, wie Steinbrenner (1928–2008) seine Skulpturen stets lapidar betitelte, seit er – nach klassisch figurativen, erkennbar von Lehmbruck beeindruckten Anfängen und einer maßgeblich von Arp inspirierten biomorphen Phase – in den frühen sechziger Jahren zu einer abstrakten, aus kubischen Elementen gefügten Formsprache gefunden hatte. Und mit jeder Begegnung näherten wir uns dem Wesen seiner Kunst ein Stückchen mehr.

          Und doch musste schon damals jeder Weg zwangsläufig an der Nidda und im Stadtteil Praunheim enden, dort also, wo Steinbrenner aufgewachsen ist und vor der Natur zu zeichnen begann, wo er sein Atelier hatte und den von den Eltern ererbten Garten, in dem immer ein gutes Dutzend Skulpturen herumstanden. Gehauen aus Basalt, Sandstein oder Muschelkalk, Eiche, Pappel oder Ulme, still und selbstverständlich sich im Dialog mit der Natur behauptend, als seien sie schon immer hier gewesen.

          Doch den Garten, wie wir ihn kannten, gibt es so nicht mehr

          Vier Jahre ist das her, dass der Künstler uns durch seinen Garten führte. Und alles ist anders. Zwar führt uns unser Weg geradeso wie damals quer durch die Stadt und an der Bronze in der Sandgasse und am Garten des Karmeliterklosters vorbei in den Grüneburgpark und weiter nach Nordwesten.

          Doch den Garten, wie wir ihn kannten, gibt es so nicht mehr. Unter den kahlen winterlichen Obstbäumen, den weit ausladenden Ästen des geliebten Nussbaums liegt Steinbrenners Arkadien seltsam verlassen. Und leer. Mag sein, das hat schon seine Richtigkeit, zwei Jahre nach dem Tod des Künstlers. Melancholisch aber stimmt es einen trotzdem, selbst wenn man nur ein-, zweimal dort gewesen ist. Der Weg freilich, er lohnt sich noch immer. Und für die Liebhaber von Steinbrenners so streng und still den „Versöhnungsversuch vom Ganzen und seiner Teile“ (Steinbrenner) mit jedem Stein und jedem Holz fortschreibenden Werk vielleicht noch umso mehr.

          90 Arbeiten

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