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Bauhausmöbel : Freischwinger von Freigeistern

Lichtgestalt: In der Ausstellung werden Bauhaus-Entwürfe wie die legendäre Wagenfeldlampe gezeigt. Bild: Michael Kretzer

Möbelschau im Landesmuseum Mainz: Zum Bauhaus-Jubiläum werden Alltagsgegenstände präsentiert, die manch einer auch bereits von zu Hause kennt. Die Exponate haben nichts von ihrem Reiz verloren.

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          Die Verwirklichung der in allen Teilen steckenden Idee, gut gemachte und ansprechend gestaltete Produkte en masse für „den einfacher Arbeiter“ herzustellen, ist letztlich am Preis gescheitert. Was Jahre später einem schwedischen Möbelhaus gelingen sollte, nämlich Möbel und Geschirr wie am Fließband unters Volk zu bringen, fiel den Bauhäuslern zu ihrer Zeit noch schwer. Doch obwohl sich das Geschäft mit den schönen Dingen, die in ihren Werkstätten erdacht, erprobt und entwickelt wurden, als oftmals schwierig erwies, ist den freigeistigen Lehrern und ihren vielen namenlos gebliebenen Schülern Bleibendes gelungen: Mit der am Ende nur 14 Jahre bestehenden Kunstgewerbeschule haben sie Gestaltungs- und Designmaßstäbe gesetzt, die bis heute – also 100 Jahre nach der Bauhaus-Gründung – Gültigkeit besitzen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Weshalb das Landesmuseum Mainz die Architekten, Gestalter, Künstler und Macher von damals, die zunächst in Weimar, später dann in Dessau sowie zuletzt in Berlin tätig waren, zum Jubiläum mit der Sonderausstellung „Bauhaus – Form und Reform“ ehrt, die am Sonntag offiziell eröffnet wird. Beim Gang durch den Schauraum dürfte manch einem Besucher der Gedanke „Das habe ich doch auch“ durch den Kopf schießen, sagte Kuratorin Eva Brachert gestern bei einem Vorabrundgang mit Medienvertretern.

          Ein Kind der Weimarer Zeit: Etwa 150 formschöne Exponate lassen sich in Mainz bewundern. Bilderstrecke

          Tatsächlich wirkt vieles, was gezeigt wird, vertraut: Teetassen aus feuerfestem Glas etwa, die in der Nachkriegszeit unter anderem von Schott in Mainz produziert wurden; Radio-Phono-Kombinationen aus Kunststoff, wie sie in den sechziger Jahren üblich waren; und immer wieder Stühle. In all diesen Dingen stecken zweifelsfrei Bauhaus-Elemente, die den Nationalsozialismus überlebt haben. Obwohl sich jene, die seinerzeit gemeinsam mit Walter Gropius für neue Gestaltungsformen, zugleich aber auch für ein neues Denken warben, 1933 nur durch Selbstauflösung ihrer Schule vor Repressalien schützen konnten.

          Ein Kind der Weimarer Zeit

          Letztlich sei die Bauhaus-Bewegung ein Kind der Weimarer Zeit gewesen, sagte Brachert, die für die Mainzer Sonderschau auf etwa 150 zumeist formschöne Exponate zugreifen durfte: vom Dreieckstischchen über Türklinken bis hin zu Wanduhren und Pendelleuchten. Ein großer Teil der Objekte stamme von privaten Leihgebern wie dem Sammler Sebastian Jacobi, der allein 36 Ausstellungsstücke beigesteuert habe, erklärte Museumsdirektorin Birgit Heide. Weshalb der Bauhaus-Experte denn auch für Extra-Führungen im Begleitprogramm sorgen will, das zudem Familienangebote und „After Work“-Veranstaltungen im Haus Große Bleiche 49–51 vorsieht.

          Klassiker wie die „Ameise“ genannten Stühle „3101“ respektive „3107“ des dänischen Architekten und Gestalters Arne Jacobsen gehörten Anfang der siebziger Jahre übrigens zur Grundausstattung des damals neuen Mainzer Rathauses, das in den nächsten Jahren saniert werden soll. Die Bauhaus-Bezüge nach Rheinland-Pfalz, etwa zum Bopparder Möbelunternehmen Thonet, sind gleichfalls Gegenstand der Schau, in der deshalb auch das meistverkaufte Meisterwerk, der Stuhl „Nummer 14“ aus dem Hause Thonet, nicht fehlen darf. Denn bei aller Liebe zum Bauhaus geht es den Ausstellungsmachern nicht zuletzt darum, anhand etlicher Alltagsgegenstände den langsamen Wandel weg vom klassischen Handwerksbetrieb hin zur Industrieproduktion nachzuzeichnen und sichtbar zu machen. Weshalb sich letztlich sogar die drei aus heutiger Sicht eher unansehnlichen, cremefarbenen Kunststoffvorratsdosen aus den sechziger Jahren ihren Platz in der Design-Schau verdient haben.

          Bauhausausstellung

          Näheres zur Ausstellung „bauhaus – form und reform“, die im Landesmuseum Mainz noch bis Mitte Januar 2020 zu sehen ist, findet sich im Internet unter www.landesmuseum-mainz.de.

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