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„Batschkapp“ : Und rockt und rockt und rockt

Zum Jubiläum gibt es was auf die Ohren Bild: Marcus Kaufhold

Als alternatives Projekt der Frankfurter Sponti-Szene wurde sie gegründet. Inzwischen ist die „Batschkapp“ 30 Jahre alt, ein professioneller Konzertbetrieb und einer der besten Live-Clubs der Republik.

          2 Min.

          Diesmal wird wenigstens gefeiert. Vor fünf Jahren hatten Ralf Scheffler und seine Truppe keine Lust. Und keine Zeit. Und überhaupt - 25 Jahre „Batschkapp“, das hörte sich irgendwie zu sehr nach Silberhochzeit an. Spießig, etabliert, bürgerlich. Also wurde das Jubiläum einfach ignoriert und weiter Programm gemacht. Allein schon die Liste jener Musiker, die seither in der kleinen Halle in Eschersheim auf der Bühne gestanden haben, würde anderen Club-Betreibern die Tränen in die Augen treiben - von einem Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre ganz zu schweigen:

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Joe Jackson, Lou Reed, Motörhead, Red Hot Chili Peppers, natürlich die Rodgau Monotones, die Toten Hosen - man könnte ganze Seiten füllen mit den Namen der Sänger und Gruppen, die aus dem einstigen Alternativprojekt einen der bekanntesten Live-Clubs der Republik gemacht haben. Selbst Robbie Williams hat 1997 in Eschersheim auf der Bühne gestanden. Inzwischen ist der Brite zum Superstar avanciert - aber seine beiden Konzerte am Hockenheimring in diesem Sommer hat trotzdem das „Batschkapp“-Team organisiert. Denn aus dem einstigen Kollektiv ist längst ein professionell geführter Konzertbetrieb geworden, der auch als Veranstalter erfolgreich ist.

          Kreischende Gitarren und laute Drums

          Vielleicht weil im November 1976, als die „Kapp“ als autonomes Kulturzentrum gegründet wurde, niemand im Traum daran gedacht hätte, was aus der Bruchbude an der S-Bahn-Linie einmal werden würde, wird der Dreißigste jetzt sogar in drei Akten gefeiert. Am Donnerstag abend brach der erste davon über die von außen so unscheinbare, mit Graffiti beschmierte Halle herein: Mit einem kleinen Festival feierten die Herrschaften von der Metall-Fraktion ihre Lieblingsbühne: Tankard, Rebellion, Doppelbock, Lightmare, Everfest und ein paar andere Bands begeisterten das Publikum mit kreischenden Gitarren und lauten Drums. Der Chef stand dabei und freute sich über den Krach.

          Tanzeinlage zum guten alten Rock n' Roll
          Tanzeinlage zum guten alten Rock n' Roll : Bild: F.A.Z. - Foto Wonge Bergmann

          Ralf Scheffler ist es letztlich zu verdanken, daß es die „Kapp“ überhaupt noch gibt. Mehrmals stand das Projekt am Abgrund: Streit, Randale und finanzielle Katastrophen sorgten unter anderem dafür, daß 1982 ein Benefizkonzert mit BAP und Ideal in der Offenbacher Stadthalle veranstaltet werden mußte, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Mit dem eingenommenen Geld wurde das Gebäude an der Maybachstraße für „600 braune Riesen“ gekauft und eine ordentliche Buchhaltung eingeführt - danach ging es nur noch bergauf. Heute sind in der „Batschkapp“ und im 1993 gegründeten Ableger „Nachtleben“ an der Konstablerwache alle möglichen Szenen zu Hause: Punk, Rock, Grunge, Hip-Hop, Britpop, Blues, New Wave, Hardcore.

          Neben international bekannten Gruppen treten immer wieder auch Nachwuchsmusiker auf, es gibt regelmäßig Bandwettbewerbe und Auftrittsmöglichkeiten für unbekannte Künstler. Das Wort von der „Mutter aller Konzerthallen“ ist überstrapaziert, richtig ist es im Prinzip nach wie vor. Die „Batschkapp“ ist für die Stadt wie für die gesamte Region - und vielleicht sogar darüber hinaus - eine Keimzelle alternativer, progressiver Jugendkultur gewesen. Und von Ermüdungserscheinungen ist auch 30 Jahre nach dem Beginn bisher nichts zu spüren.

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