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Bariton Željko Lučić : „Ich bin ein Rocker, Heavy Metal ist meine Musik“

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Dem Leben zugewandt: Der Sänger lächelt über die Genussfeindlichkeit mancher Kollegen Bild: F.A.Z. - Astis Krause

Željko Lučić ist auf den großen Musiktheaterbühnen dieser Welt zu Hause. Am Montagabend singt er in einer konzertanten Aufführung in der Alten Oper die Rolle des Zurg in Bizets „Die Perlenfischer“. Der Bariton über Frankfurt, private Vorlieben und das Leben als Opernstar.

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          Der Bariton ist auf den großen Musiktheaterbühnen dieser Welt zu Hause. Am Montagabend singt er in einer konzertanten Aufführung in der Alten Oper die Rolle des Zurg in Bizets „Die Perlenfischer“.

          Da wir hier unter Baritonen sind: Sind Tenöre eigentlich wirklich so dumm, wie man immer sagt?

          Glaube ich nicht. Aber es ist Fakt, dass sich Tenöre viel zu sehr schonen. Sie rauchen nicht, trinken am liebsten Tee und tragen einen weißen Schal.

          Sind Baritone dem Leben mehr zugewandt?

          Ja, die meisten von uns führen ein ganz normales Leben. Viele von uns rauchen, ich zum Beispiel auch. Ab und zu Alkohol ist eine normale Sache.

          Es fällt ja auf, dass Sänger früher oft sehr korpulent waren, gerade auch die Sängerinnen, während heute oft gertenschlanke Gestalten auf der Bühne stehen.

          Leider. Wie man aussieht, ist heute wichtig. Das ist alles Business geworden. Von Kunst ist wenig geblieben. Die Sänger gehen viel zu früh ins falsche Fach. Einige meiner Kollegen sind schon wieder von der Bildfläche verschwunden, die Karriere ist vorbei, bevor sie richtig angefangen hat. Die Stimme ist ruiniert.

          Liegt das neue Erscheinungsbild nicht auch daran, dass die Sänger heute stärker als Schauspieler gefragt sind?

          Das auch. Das ist heute Regietheater, nicht mehr Oper im Sinne der fünfziger und sechziger Jahre.

          Würden Sie am liebsten an der Rampe stehen und singen?

          Das ist auch langweilig. Manche sagen sogar, das sei kitschig. Aber was ist kitschig an einer schönen Stimme? Warum gehen die Leute denn in die Oper? Um die Kostüme und das Bühnenbild zu bewundern oder um die Musik und die Stimmen der Sänger zu hören?

          Heißt das, Sie sind ein bisschen unglücklich mit der heutigen Situation?

          Ja, sehr.

          Sie sollten ja mal an einer Oralsex-Szene in einer „Macbeth“-Inszenierung mitwirken. Da haben Sie sich aber offenbar geweigert?

          Ja, das war eine Schande.

          Was ist für Sie das Ideal einer Opernaufführung?

          Die Sänger sollten nicht daran gehindert werden, technisch sauber singen zu können, und gleichzeitig sollte es eine schlüssige Interpretation des Werks geben. Einen Namen muss ich hier nennen: den Regisseur Franco Zeffirelli. Ich habe viele DVDs zu Hause von seinen Inszenierungen. Ich kann nur sagen – perfekt. Die Sänger können singen. Natürlich müssen sie auch schauspielern, aber sie müssen nicht zu viel laufen oder springen. Und es gibt nicht so viele Lederhosen oder Sonnenbrillen.

          Nun empfinden viele Opernfreunde Zeffirelli als sehr konservativ. Das sei opulentes, pompöses Ausstattungstheater, wenn auch mit einer sorgfältigen Personenführung. Gibt es vielleicht Regisseure mit einer moderneren Auffassung, deren Arbeit Ihnen auch gefällt?

          Mir persönlich gefällt die Frankfurter Produktion von „Simon Boccanegra“, an der ich mitgewirkt habe. Christof Loy macht moderne Inszenierungen, aber alles bleibt innerhalb bestimmter Grenzen. Ich bin sehr klassisch, sehr traditionell orientiert.

          Sie halten auch nicht viel davon, wenn Ouvertüren inszeniert werden?

          Nein, überhaupt nicht.

          Wenn von Ihnen verlangt wird, an die Wand zu singen, sagen Sie dann, das mache ich nicht?

          Ich werde nie mit meinem Rücken zum Publikum singen.

          Je berühmter Sie werden, desto mehr können Sie wahrscheinlich auch den Regisseuren abschlagen?

          Am Anfang konnte ich nicht nein sagen. Aber ich habe Glück gehabt. Am Anfang habe ich in Axel Cortis „Traviata“ gesungen, einer sehr konservativen Inszenierung. Auch „Troubadour“ und „Bajazzo“ danach waren im Rahmen.

          Es gibt eine DVD von Adrian Nobles „Macbeth“-Inszenierung in New York, in der Sie die Titelrolle singen. Kommt das Ihren Vorstellungen eines gelungenen Opernabends nah?

          Ja, die Inszenierung gefällt mir gut. Das Bühnenbild ist fast leer, das Ganze ist sehr modern. Und doch ist die Geschichte da, die Musik, die Sänger. Und es ist Verdi. Braucht man mehr? Nein.

          Doch: Wagner.

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