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Bad Hersfeld : Die Festspiele nach Wedels Abschied

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„Der Prozess“: Marianne Sägebrecht als Haushälterin Gruber steht als Einzige dem verhafteten Josef K., dargestellt von Ronny Miersch, seelisch bei. Bild: Imago

Die Sex-Affäre des ehemaligen Intendanten Dieter Wedel ist in Bad Hersfeld kein Thema mehr. Die Festival-Stadt setzt ihre Hoffnungen auf den Nachfolger Joern Hinkel. Der hat große Ambitionen.

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          Wo ist Wedel? Manch einer der Festgäste bei der Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele vor zwei Wochen mag sich diese Frage gestellt haben. Immerhin war Regisseur Dieter Wedel bis zu seinem Rücktritt als Intendant der Festspiele im Januar 2018 der Star in Bad Hersfeld. Zu Fall gebracht haben ihn Vorwürfe von Schauspielerinnen, er habe sie während seiner Fernseh-Karriere sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt. Die Affäre ist noch nicht beendet. Zwar sind die meisten Fälle verjährt. Einer aber könnte verhandelt werden, denn die Schauspielerin Jany Tempel war, als sich die Attacke Wedels zugetragen haben soll, noch nicht 23 Jahre alt, weshalb die Verjährungsfrist in ihrem Fall nicht gilt. Wedel, der sich nach Mallorca zurückgezogen hat, könnte in absehbarer Zeit vor Gericht erscheinen müssen, die Staatsanwaltschaft ermittelt jedenfalls weiter in dieser Angelegenheit.

          Man mag von Wedel als Mann und Mensch halten, was man will. Doch niemand kann ihm absprechen, dass er als Intendant den Bad Hersfelder Festspielen einen Schub gegeben hat, der sie innerhalb von zwei Jahren wieder zu einem Top-Theaterfestival in Deutschland machte. Der Fernsehregisseur, der mit Mehrteilern wie „Der große Bellheim“ oder „Der Schattenmann“ berühmt geworden ist und sich als Intendant der Nibelungenfestspiele in Worms auch als Theatermann einen Namen gemacht hat, brachte mit großen Darstellern aus Film und Fernsehen Glanz in die Stiftsruine in Bad Hersfeld, überzeugte zudem das Land Hessen und den Bund davon, zusätzliche Mittel in das traditionsreiche Festival zu stecken, warb Sponsorengelder ein, gewann darüber hinaus neue Besucherschichten und sorgte für Wirbel in der Presse und im Rundfunk.

          Tatsächlich haben in der Folge die hessische Landesregierung und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Bad Hersfelder Festspiele zu einem ihrer kulturellen Leuchtturmprojekte erkoren. Was Salzburg für Österreich ist und die Bayreuther Festspiele für Bayern sind, sollen die Festspiele in Hersfeld für Hessen werden – ein Muss für alle Bühnenfreunde, das wichtigste Theaterfestival im Lande. Bouffier hat nicht nur für eine Verdoppelung der Landeszuschüsse auf rund 600.000 Euro gesorgt, er stellt sich auch als Schirmherr zur Verfügung und nimmt sich zudem die Zeit, als Landesvater die Festspiele zu eröffnen.

          Beginn des Niedergangs

          Unterdessen ist die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth der Bitte ihres Parteifreundes Bouffier gefolgt, den Vorsitz bei den „Freunden der Bad Hersfelder Festspiele“ zu übernehmen. Nicht auszuschließen ist, dass Bouffier auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Festspiele ans Herz gelegt hat, denn die ließ vor einiger Zeit den Bundeszuschuss auf 300.000 Euro verdoppeln, anstatt ihn, wie eigentlich geplant war, auslaufen zu lassen.

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