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700 Jahre nach seinem Tod : Ausstellungen? Dante lesen!

  • -Aktualisiert am

Gut 700 Jahre alt: die „Göttliche Komödie“ von Dante Bild: Wonge Bergmann

Nach Beethoven, Hölderlin und Hegel, in deren Gedenkfeierlichkeiten die Pandemie hineinfuhr, beginnen dieser Tage zwölf Monate rund um den Autoren der „Göttlichen Komödie“. Ausstellungen? Empfohlen sei: Dante lesen!

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          Ein Jahr im Jenseits. Nach Beethoven, Hölderlin und Hegel, in deren Gedenkfeierlichkeiten die Pandemie hineinfuhr wie das Schicksalsmotiv in Beethovens Fünfter, beginnen dieser Tage zwölf Monate rund um Dante, der vor 700 Jahren starb, kurz nach der Vollendung seiner „Göttlichen Komödie“. Sie beginnen nicht nur in Italien, wo der Reigen der einstweilen nur virtuell zugänglichen Ausstellungen, die in zahlreichen Städten an den Dichter erinnern, dieser Tage in den Uffizien eröffnet wurde, sondern auch im Herzen des Dante-Lesers.

          Der sich noch genau daran erinnert, wann und wo er ihm zum ersten Mal begegnet ist. Zwischen den Zeilen von T. S. Eliots „The Waste Land“, an dessen Versen das Englisch des damals 15 Jahre alten Gymnasiasten aus dem schleswig-holsteinischen Neumünster sich die Zähne ausbiss. Noch schlechter stand es um sein Italienisch, das für den weiteren Umgang mit Eliots verborgenen und offensichtlichen Dante-Zitaten ganz hilfreich gewesen wäre. Aber etwas nicht zu verstehen ist kein Grund, es nicht zu lieben. Im Gegenteil. Der Leser stand vor Dante wie der neun Jahre alte Dichter vor der gleichaltrigen Beatrice in der Begegnung zweier Kinder, aus der zuerst das „Neue Leben“ und später die „Komödie“ wurde: „Die Seligkeit erfolgt durchs Schauen.“ („Paradies“, 28. Gesang).

          Weg der Seele zur Wahrheit

          Seitdem ist Dante ihm immer wieder begegnet. In Tania Blixens „Straßen rund um Pisa“, der ersten der Erzählungen der „Seven Gothic Tales“, mit denen sie nach dem Scheitern in Afrika unter dem Namen Isak Dinesen schriftstellerisch debütierte: „Ich möchte, dass du dich aus Furcht und Scham befreist und nicht mehr redest wie ein Mensch, der träumt.“ In den Übersetzungen der „Komödie“ durch Dorothy Sayers, die nach dem Verfassen von lauter Krimis den Weg der Seele zur Wahrheit ins Englische übertrug und mit bis heute lesenswerten Erläuterungen versah.

          In den Erinnerungen Anna Achmatowas und Nadeschda Mandelstams, die davon berichten, wie Osip Mandelstam und Achmatowa in den Jahren des stalinistischen Terrors nichts blieb außer dem Zitieren der Verse, in denen Dante sein Wiedersehen mit Beatrice auf dem Gipfel des Fegefeuers beschreibt. In Mandelstams „Gespräch über Dante“. Ausstellungen? Dante lesen!

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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