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Ausstellung : Zwischen den Zeilen

Xenia Lesniewskis Ausstellung „Hardcore“ im 1822-Forum der Frankfurter Sparkasse strotzt vor Slogans. Aber aus den wuchernden Texten entsteht eine klare Form. Und auf alle Fragen, die sich dem einen oder anderen Betrachter stellen mögen, hat Lesniewski eine erstaunlich selbstbewusste zeichnerische Antwort formuliert.

          Auf einmal war es wieder da. Dabei hatte man jahrelang kaum einen Gedanken daran verschwendet. Ausgerechnet jetzt, in der Kunstausstellung, stellte es sich wieder ein: das Jugendzentrumsgefühl. Der zarte Duft von Wut, Aufruhr und Verzweiflung, von grellen Farben, Sex und Beats. Und unaufhörlich quollen kleine Nebelschwaden aus dem Trockeneismaschinchen für den Hobbykeller. Kein gutes Zeichen, mochte man denken. Indes, so zeigt sich beim Besuch im 1822-Forum der Frankfurter Sparkasse, Xenia Lesniewskis Schau „Hardcore“ ist mehr als eine pubertäre und mit dem Brechen angeblicher Tabus kokettierende Inszenierung à la Meese. Zwar wimmelt es auch hier nur so vor Slogans, Fragen, Zweifeln und Geständnissen.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch das obsessive Werk der 1985 geborenen Künstlerin, die an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studiert, ist nicht bildgewordener Ausdruck einer Pose, sondern offenbart aufrichtige künstlerische Haltung. Eine Haltung, die trotz der wändefüllenden Wucht der Inszenierung kraftvoll und klar strukturiert ist.

          Selbstbewusste Antwort

          „Hardcore“, das sind zunächst einmal wild und scheinbar regellos über figurative Elemente hinwegwuchernde Textfragmente. Spontane Einfälle und Aufgeschnapptes, Tagebuchgedankenwelt und zeichnerische Skizzen, die Lesniewski mit Acryl und Bleistift auf Papiere setzt und immer wieder variiert. „Vor allem Todesangst“, „Panik“ oder ein lapidares „Das Telefon klingelt“ entziffert man mit Mühe. Gleich daneben die vorweggenommenen Kommentare des fassungslosen oder überforderten Betrachters: „Denken Sie sich so was aus?“ Die vielfache Überlagerung und das unentwegte, aus dem künstlerischen Prozess heraus entwickelte Überschreiben der Stimmen und Notate schafft unterdessen nicht nur einen mit Bedacht komponierten, in die Tiefe führenden Bildaufbau, sondern buchstäblich jenen Raum zwischen den Zeilen, den es braucht, um die Innenwelt der Künstlerin für die eigenen Projektionen, Ängste und Phantasien zu öffnen. Dies geschieht keineswegs nur über die kaum zu fixierenden Inhalte, sondern vielmehr über die künstlerische Form. Das gilt für die Filme Lesniewskis gleichermaßen.

          In den Papierarbeiten und Wandarbeiten stellt vor allem Sprache das Bildvokabular dar und bestimmt die auf den ersten Blick abstrakt anmutende Form. In der zum Wettbewerb nach Oberhausen eingeladenen „Supersensibel Produktion“ namens „Egodyston“ bestimmen hingegen vornehmlich Farbe, Sound und Figur die traumartigen Sequenzen, rhythmisieren sie und halten sie zusammen. Auf alle Fragen aber, die sich dem einen oder anderen Betrachter stellen mögen, hat Lesniewski eine angesichts ihrer in der Schau vielfach formulierten Selbstzweifel erstaunlich selbstbewusste zeichnerische Antwort formuliert: „Schauen Sie sich doch an, was ich mache, dann brauchen Sie auch keine doofen Fragen stellen.“ Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Am meisten berührt das Werk der jungen Künstlerin gerade dort, wo Fragen irritierend offenbleiben.

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