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Ausstellung zu Georg Heck : Starke Kompositionen

Eine Wiederentdeckung: Das Museum Giersch der Frankfurter Goethe-Universität zeigt eine Retrospektive auf das Werk des Frankfurter Malers Georg Heck.

          2 Min.

          Als Georg Heck malte, war das Ringen um die Form noch an der künstlerischen Tagesordnung. Dass sein Werk zwischen expressionistischem „O Mensch“-Pathos, nervösen Visionen und abstrakt-sachlichen Konstruktionen changiert, ist dennoch erstaunlich. Gerade auch sein Spätwerk zeugt von einem unbedingten ästhetischen Willen, einer großen gestalterischen Kraft, einer Fähigkeit, sich auf neue Herausforderungen einzulassen. Was es mit dem OEuvre aus den letzten Jahren seines Lehrers Max Beckmann verbindet, der ebenfalls noch einmal ungewohnte Wege ging und sich dabei nicht, wie das so oft der Fall ist, im Ungefähren verlor oder frühere Werkphasen in verdünnter Manier wiederholte.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Museum Giersch der Frankfurter Goethe-Universität zeigt von heute an eine Retrospektive auf das Werk Hecks. Sie stellt damit einen Maler und Graphiker vor, der viele überraschen wird mit seiner Haltung. Sie machte es ihm unmöglich stehenzubleiben. Er war stets auf der Suche nach dem richtigen Ausdruck und blieb offen für die Entwicklungen der Weltkunst, die zu ignorieren ihm nicht in den Sinn kam.

          An der Abstraktion als Weltsprache schien er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht vorbeizukommen. Den expressiven Gestus verlor er freilich nicht, wenn es etwa um Grußkarten, Exlibris oder Plakate ging. Bei diesen Gelegenheitsarbeiten benutzte er gerne eine zackig-eckige Typographie, die an Filmplakate aus den zwanziger Jahren erinnert. Bei seinen Aufträgen für öffentliche Gebäude bediente er sich dagegen in der jungen Bundesrepublik einer zurückhaltenden Zeichensprache, die auf exakt komponierten Flächen und Linien beruhten. Wie etwa sein Wandschmuck für das Hallenbad in Frankfurt-Höchst von 1955.

          Albträume und Liebessonaten

          Heck, 1897 in Sachsenhausen geboren, hatte es nicht leicht: Er wurde früh Waise, 1921 verlor er bei einem Arbeitsunfall ein Auge, im Nationalsozialismus galt er als entarteter Künstler, Geldsorgen plagten ihn und seine Frau auch in den Wirtschaftswunderjahren Westdeutschlands. Mit dem Kunstbetrieb konnte er sich nie anfreunden, er zog sich, wenn es ihm zu laut wurde, lieber zurück. Kompromisse lagen ihm fern. Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung war gewiss Max Beckmann, der ihm an der Städelschule wesentliche Impulse gab.

          Dass er einen Teil seiner Sehkraft und damit die räumliche Wahrnehmung verloren hatte, scheint Heck geradezu bestärkt zu haben, sich als Künstler zu etablieren. Im „Dritten Reich“ an der weiteren Karriere gehindert zu werden, dürfte Heck als weitaus schwerwiegender empfunden haben als sein Handicap. Wie bei vielen aus seiner Generation führte die Verfemung zu einem Abbruch der Entwicklung, zur Isolation. Durch die Ausbombung 1944 verlor er den Großteil seiner Arbeiten. Erhalten sind etwa jeweils „Eine Vision“ betitelte Federzeichnungen aus dem Jahr 1940, in denen der Künstler schemengleich unheilvolle Szenen skizziert, die unmittelbar aus der Region der Albträume entsprungen sind. Dagegen nimmt sich die „Liebessonate“, sieben Linolschnitte von 1948, nachgerade humoristisch-harmlos aus: die Geschichte einer Untreue und einer neuen Liebe.

          In seinen Arbeiten aus den zwanziger Jahren ist der Einfluss Beckmanns unverkennbar, symbolistische Tendenzen verrät das 1929 entstandene, später von unbekannter, aber wohlwollender Hand auf 1936 nachdatierte Wandbild für das Casino im I.G.-Farben-Haus, das die damaligen Machthaber, obwohl es durch die Jahreszahl scheinbar legitimiert wurde, überstreichen ließen. Es wurde erst 2006 freigelegt. Ob es um Holzschnitte oder gegenstandslose Farbkompositionen, um Landschaftdarstellungen von pointillistischer Anmutung oder geometrische Ziermuster geht: verblüffend ist die Festigkeit und Geschlossenheit seiner Bildfindungen über alle Stile und Jahrzehnte hinweg.

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