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Ausstellung zu Albert Schweitzer : „In der Anziehungskraft Goethescher Sonne“

Besuch aus Afrika: Albert Schweitzer (Zweiter von links) 1928 vor dem Frankfurter Goethehaus Bild: Goethe-Museum Frankfurt

Vor 80 Jahren erhielt Albert Schweitzer den Frankfurter Goethepreis. Das Goethe-Museum erinnert an Schweitzers Wertschätzung des Dichters und seiner Stadt.

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          Sonne und Mond herrschen über das Goethe-Museum Frankfurt. Gerade sind die Abbilder der beiden Wandelsterne im Aufsatz der astronomischen Uhr des Goethehauses restauriert worden, nun erinnert eine Ausstellung im Arkadensaal des Museums daran, dass man es in Deutschland lange liebte, Goethe als Gestirn zu verehren, das dem Geist Licht spendet. Im Jahr 1928 gab Albert Schweitzer dieser Haltung bei der Überreichung des Goethepreises der Stadt Frankfurt Ausdruck. Die „verehrten Herren“ vom Kuratorium des Preises, so Schweitzer in seiner Dankesrede für die Verleihung der Auszeichnung, seien „verantwortlich für den astronomischen Vorgang, dass ich armseliges Möndlein heute vor der gewaltigen Sonnenscheibe Goethes vorübergehe“.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Albert Schweitzers Goethepreis als Mondfinsternis – das dürften die Gäste der Preisverleihung ganz anders gesehen haben, ebenso wie die Frankfurter, die den Arzt des Urwaldhospitals von Lambarene im August 1949 bei seinem Besuch zu Goethes 200. Geburtstag begeistert empfingen. Dabei war Schweitzer zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, den erhielt er erst 1952. Seinem Heimatland galt Schweitzer jedoch schon seit der Zwischenkriegszeit als verlässliche moralische Instanz. Schließlich hatte der studierte Philosoph und Theologe Gott nicht nur durch sein vorzügliches Orgelspiel loben wollen, sondern auch durch gute Taten. 1913 hatte er deshalb nach einem medizinischen Zweitstudium das Spital im afrikanischen Dschungel gegründet, in dem noch heute acht Ärzte und 60 Mitarbeiter jedes Jahr mehrere tausend Patienten behandeln. Aus diesem Grund standen auf der Verleihungsurkunde des Goethepreises die Worte „Dem Menschenfreunde“.

          Schweitzer ist Frankfurter Ehrenbürger

          Da Schweitzer in Frankfurt 1951 auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt und 1959 zum Frankfurter Ehrenbürger ernannt wurde, gibt es Anlass genug, sich mit seinen langjährigen Beziehungen zur Stadt zu beschäftigen – vom ersten Orgelkonzert im Jahr 1911 bis zur Solidarisierung mit dem Frankfurter Ausschuss „Kampf dem Atomtod“ in den späten fünfziger Jahren. Zum 80. Jahrestag der Verleihung des Goethepreises zeigt das in Frankfurt ansässige Deutsche Albert-Schweitzer-Zentrum jetzt im Arkadensaal des Goethe-Museums eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung, die an die Bedeutung Goethes und des Freien Deutschen Hochstifts für Schweitzer erinnert.

          Schon als Student in Straßburg hatte der 1875 geborene Schweitzer sich mit Goethe beschäftigt. Seine Vorstellung, der Mensch solle zugleich „Mensch der Verinnerlichung“ und „Mensch der Tat“ sein, entwickelte er über Werken wie „Dichtung und Wahrheit“, dem „Wilhelm Meister“ und dem „Faust“. 1928 konnte Schweitzer seinen Zuhörern daher versichern, „dieses arme Gestirnlein“ habe „sich selber schon in der Anziehungskraft Goethescher Sonne gravitierend erfasst“. Für seine Zeitgenossen jedoch funkelte Schweitzers Stern ebenso hell wie der Goethes.

          Goethe als Trost

          Die Urkunde zur Verleihung des Goethepreises feierte die „faustischen Wandlungen“ seines Lebens aus diesem Grund als „Beispiel leidenschaftlicher Hingabe an die Ziele menschlicher Gültigkeit und Erhebung“. Schweitzer selbst sah das Faustische in einer 1932 in Frankfurt gehaltenen Rede zum Goethe-Gedenkjahr skeptischer. „Überhaupt, was ist das, was in dieser grausigen Zeit vor sich geht, anderes als eine gigantische Wiederholung des Faustdramas auf der Bühne der Welt?“ Trotzdem spendete Goethe ihm Trost. „Den einzelnen sagt er: Gebt das Ideal persönlichen Menschentums nicht preis. Bleibt Menschen mit eigener Seele!“ Wie das Werk des Dichters dem Arzt bei der Umsetzung dieser Maxime in Wort und Tat half, lässt sich jetzt im Goethe-Museum studieren.

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