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Ausstellung „Sound of Disney“ : Hörst du das Lichtbild?

Kunst im Urwald: Wenn Walt Disney die Dinge in Bewegung bringt, gehört Musik dazu. Bild: © Disney Enterprises Inc.

„The Sound of Disney“ im Frankfurter Filmmuseum erinnert an die Tonwelten des Mäuse-Hauses. Es ist ein großer Verdienst, dass diesen eine Ausstellung gewidmet wurde.

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          Auf Deutsch klingt doch alles gleich viel weniger cool. „Die ganze Welt ist frohgelaunt, der Dschungel swingt im Disco-Sound“, heißt es leicht betulich auf dem deutschen Filmplakat zur Wiederaufführung des „Dschungelbuchs“ im Jahr 1979. Ursprünglich war der letzte noch zu Lebzeiten Walt Disneys begonnene Zeichentrickfilm zwölf Jahre zuvor in die Kinos gekommen, kurz nach dem Tod des Künstlers. Bis heute gehört er zu seinen beliebtesten, nicht zuletzt weil die allmähliche Verwandlung seiner Filme in Musicals, die sich schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatte beobachten lassen, hier so rundum gelungen ausfiel wie nie zuvor.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und selten danach. Bis heute gehören Solonummern und Ensembles, die mit Ohrwurmmelodien und einprägsamen Versen die Handlung vorantreiben und die Charakterzeichnung vertiefen, zum Erlebnis eines Disney-Zeichentrickfilms. Niemals aber waren sie so unvergesslich wie bei Balu, Baghira, Kaa, Mogli und King Louie im Urwald.

          Dabei sind die Songs nicht nur in diesem Film lediglich die besonnten Gipfel über der weiten Landschaft einer Tonspur, die sich aus Dialogen und Orchesteruntermalung ebenso zusammensetzt wie aus den von der Handlung erforderten Alltagsgeräuschen. Und den Soundeffekten, die das Trickhafte am Trickfilm, die überraschende, übertriebene Pointe, punktgenau begleiten. Dass die Lokomotive des Zirkuszugs sich 1940 in „Dumbo“ vor lauter Diensteifer und Arbeitseinsatz so lustig zusammenzieht, wird erst durch den Ton richtig schön.

          Kunstvoll ausgetüftelte Seite von Disney

          Es ist das Verdienst der Ausstellung „The Sound of Disney 1928 bis 1967“ im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum, an diese kunstvoll ausgetüftelte Seite der von Walt Disney intendierten Gesamtkunstwerke zu erinnern, die vom Fan vor der Leinwand oder über dem Bildschirm des elektronischen Endgeräts allzu oft vernachlässigt wird. „Hör ich das Licht?“, heißt es schon 1865 in Wagners „Tristan und Isolde“, und zu der Antwort, die dem deutschen Komponisten Jahrzehnte später die kalifornische Filmindustrie gab, zählen an vorderster Stelle Disneys audiovisuelle Rundumerlebnisse, die nicht erst im Musikfilm „Fantasia“ (1940) dazu auffordern, Licht, Farbe und Klang gemeinsam wahrzunehmen. Heute wird die Schau, die schon im Mai hätte beginnen sollen, eröffnet; von morgen an erinnert sie die Besucher am Schaumainkai daran, dass, wenn die Dinge in Bewegung geraten, die Musik den Taumel ruhig verstärken sollte.

          Wie letztlich undenkbar Disneys Zeichentrickfilme ohne Ton sind, zeigt sich 1928 gleich im ersten Micky-Maus-Tonfilm, „Steamboat Willie“, in dem Micky als Matrose auf einem Raddampfer an der Dampfpfeife zieht, hämisch über Missgeschicke seines Bosses lacht und mit Hilfe der bei einem Zwischenstopp rasch an Bord gesprungenen Minnie Musik auf einer Gitarre, einer Ziege, den Zähnen einer Kuh und den Zitzen einer säugenden Muttersau macht. Die gut sieben Minuten machen klar – diese neue anarchische Kunst fühlt sich, anders als der Spielfilm, nicht an irgendwelche Grenzen des Darstellbaren gebunden, sie hält alles für denkbar, probiert alles aus.

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