https://www.faz.net/-gzg-a222m

Ausstellung „Sound of Disney“ : Hörst du das Lichtbild?

Als Micky am Steuer des Raddampfers vor sich hin pfeift, hatte Disney zusammen mit seinem Bruder Roy in Kansas City und Los Angeles schon seit einigen Jahren Zeichentrickfilme angefertigt. Einige der in den frühen zwanziger Jahren entstandenen und nur selten zu sehenden „Laugh-o-Grams“ werden als Teil des umfangreichen Begleitprogramms der Ausstellung zu ihrem Abschluss am 10. Januar im Kino des Filmmuseums gezeigt.

Das Problem der Ausstellung

Schon im Mai 1928 war der allererste Micky-Film angelaufen, noch ohne Ton, der erst ein Jahr zuvor begonnen hatte, den Stummfilm abzulösen. Schnell fingen aber auch Disneys Figuren an, miteinander zu reden wie die Menschen im Tonfilm, schon bald darauf brachen sie von Zeit zu Zeit auch in Gesang aus. „Die drei kleinen Schweinchen“ tun 1933 beides, ihr Song „Wer hat Angst vor dem bösen Wolf“ liegt in einer Vitrine der Frankfurter Schau. In den Jahren nach „Steamboat Willie“ entstanden 100 Micky-Kurzfilme und 75 Filme der Reihe „Silly Symphonies“. Als Krönung der Ausstellung sind einige dieser überaus musikhaltigen Filme am 12. Januar, zwei Tage nach ihrem Ende, in der Alten Oper mit Live-Orchesterbegleitung zu sehen.

Poster, Zeichnungen, animierte Figuren und Bildhintergründe führen in der dritten Etage des Filmmuseums durch die Klassiker der ersten Disney-Jahrzehnte. Fünf herrliche Entwürfe zu „Pinocchio“ aus der Disney-Sammlung des Filminstituts zeigen mit ihrer Suche nach der perfekten Linie für diverse Affekte der kleinen Holzpuppe auf berührende Weise das Wunder ihrer Belebung innerhalb der Filmhandlung und auf dem Papier. Die weitaus meisten Exponate aber kommen aus dem Münchner Stadtmuseum, das 1963 eine Sammlung von Produktionsmaterialien erhielt, die das Studio vier Jahre zuvor auf Werbetour um die Welt geschickt hatte. Zu den Münchner Leihgaben gehören 15 prachtvolle Hintergrundbilder zu „Dornröschen“, die daran erinnern, dass das Material, mit dem die Schau ihr Thema umkreist, eher zu sehen als zu hören ist. Zeichenpapier gibt keine Geräusche von sich, und die seinerzeit tätigen Studiomusiker, Sänger, Komponisten und Tontechniker kann man nicht wiederbeleben und in Glaskästen setzen, um ihnen bei der Arbeit an der Tonspur zuzuhören.

Das Problem, das die Ausstellung hat, versucht sie mit Hilfe von vier Hörstationen zu lösen, die vertiefenden Einblick in Stimmen, Geräusche, Musik und Synchronisation bei Disney bieten. Sie muss man aber auch finden und bedienen. Eine Ausstellung für die gesamte Familie, wie Filminstituts-Direktorin Ellen Harrington sagte, ist „The Sound of Disney“ daher nur mit Vor- oder Nachbereitung am DVD-Player. Oder auf Disney Plus. Irgendwo müssen die mehr als 60 Millionen Abonnenten, die der Streamingdienst Anfang dieser Woche zählte, ja sitzen. Und während der Corona-Lockdown der Walt Disney Company und ihren Vergnügungsparks im zweiten Quartal einen Verlust von umgerechnet vier Milliarden Euro eingetragen hat, stimmt es, was Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, im Filmmuseum sagte: „Kultur prägt die Seele.“ Wer Balu und die anderen Tiere im Urwald hat singen hören, weiß, was sie meint.

The Sound of Disney

Die Ausstellung ist im Deutschen Filminstitut und im Filmmuseum am Schaumainkai 41 in Frankfurt bis 10. Januar zu betrachten. Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, weitere Informationen unter www.dff.film.

Weitere Themen

Gute Tropfen, kleine Snacks

FAZ Plus Artikel: Lokaltermin : Gute Tropfen, kleine Snacks

Auch das wird in den Wochen des Lockdowns fehlen: Die Weinbar „Urban & Anders“ setzt im Frankfurter Amüsierviertel Alt-Sachsenhausen einen entspannt-erwachsenen Akzent. Ausgesprochen moderate Preise und eine gute Weinauswahl überzeugen den Gast.

Topmeldungen

Corona-Debatte im Bundestag : Merkel und der Preis des Menschenlebens

Von Merkel über Lindner bis zur AfD zog sich eine Frage durch die Debatte im Bundestag: Was gilt ein Menschenleben? Die überzeugendste Antwort gab Ralph Brinkhaus: Wir sind keine Diktatur.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.