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Ausstellung : „Körperwelten“ erleben Besucheransturm in Frankfurt

  • Aktualisiert am

Gunther von Hagens mit einem Plastinat Bild: AP

„Körperwelten“-Macher von Hagens sieht sich wiederholten Vorwürfen gegenüber, er habe in seiner Anlage in China auch Hinrichtungsopfer präpariert. Gleichwohl verzeichnet die Leichen-Ausstellung in Frankfurt einen starken Zulauf.

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          Ungeachtet der abermals vorgetragenen Vorwürfe gegen „Körperwelten“-Erfinder Gunther von Hagens ist die Leichen-Schau in Frankfurt nach Angaben der Veranstalter sehr gut angelaufen. In den ersten drei Tagen seien 10.931 Besucher in die Naxoshalle im Stadtteil Fechenheim gekommen, teilten die Organisatoren am Montag mit. Nur in Berlin habe es am ersten Wochenende mehr Besucher gegeben.

          Derweil berichtet das Magazin „Der Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe, von Hagens habe in seiner Anlage im nordwestchinesischen Dalian auch Hinrichtungsopfer präpariert. Der Erfinder der umstrittenen Ausstellung „Körperwelten“, Gunther von Hagens, will sich am Donnerstag erstmals öffentlich zu den neuen Vorwürfen an seinen Praktiken äußern. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt werde von Hagens Stellung zu dem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ beziehen, er präpariere in China fabrikmäßig teilweise illegal beschaffte Leichen. Das kündigte am Montag in Heidelberg eine Sprecherin an.

          Magazin: Leichen mit Einschußloch im Kopf

          „Da die Vorwürfe sehr schwerwiegend und vielfältig sind, benötigen wir für eine fundierte Stellungnahme auch entsprechend Zeit“, sagte eine Sprecherin des Heidelberger „Instituts für Plastination“. Ursprünglich war eine Stellungnahme bereits an diesem Dienstag angekündigt worden.

          In dem „Spiegel“-Bericht hieß es, bei einer Inventur in seiner Anlage im nordwestchinesischen Dalian am 12. November 2003 seien 647 Leichen gezählt worden. Dokumentierte Verletzungen belegten, daß unter den Toten auch chinesische Hinrichtungsopfer seien.
          Manche Leichen in „Von Hagens Plastination Ltd.“ wiesen ein „Einschußloch im Kopf“ auf, berichtete das Magazin. Bei anderen heiße es „Bauchdecke kreuzweise aufgeschnitten“ - laut „Spiegel“ ein Hinweis darauf, daß dem Toten alle Organe entnommen wurden, was in China bei Opfern von Todesurteilen üblich sei. In China gibt es mehr Hinrichtungen als in allen anderen Ländern zusammen.

          Die Heidelberger Oberstaatsanwältin Elke O'Donoghue sagte am Montag, es werde geprüft, ob in der Sache ein Ermittlungsverfahren gegen von Hagens eingeleitet wird. Zuerst müsse aber geklärt werden, ob in China ein Strafbestand vorliege. Es sei internationale Rechtshilfe angefordert worden. In Deutschland wäre es der Tatbestand Störung der Totenruhe.

          Staatsanwaltschaft betragt Strafbefehl wegen Titel-Mißbrauch

          Die Heidelberger Staatsanwaltschaft hat unterdessen den Erlaß eines Strafbefehls gegen von Hagens wegen Mißbrauchs von Titeln mit einer Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen beantragt. Dem Präparator wird zur Last gelegt, zwischen Februar 2002 und August 2003 Schriftstücke mit „Prof.“ oder „Professor“ Dr. Gunther von Hagens unterzeichnet zu haben. Von Hagens sei aber nicht berechtigt, den akademischen Grad eines Professors ohne Hinweis auf dessen Herkunft zu führen.

          Die Universität Heidelberg hatte Anfang September Strafanzeige gestellt, weil von Hagens schriftlich und in Anzeigen mit einem in China erworbenen Professoren-Titel werbe, ohne die Herkunft seines Titels kenntlich zu machen. Der Erfinder der umstrittenen Leichenschau hatte dazu erklärt, die Medizinische Universität Dalian in China habe ihm den Titel aus freien Stücken verliehen. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium habe bereits 2001 gebilligt, daß er den Titel führe.

          Die „Körperwelten“-Ausstellung läuft weltweit seit 1996. Nach Veranstalterangaben haben mehr als 13 Millionen Menschen die Schau gesehen.

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