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Ausstellung : Genußscheine

„Made in Frankfurt“ ist der Titel der Schau im Museum Giersch über die Geschichte des Portikus und die Gegenwart der Städelschule, in der musealisiert wird, was immer so wenig museal daherkam.

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          Er war einst die Morgengabe für Kasper König, den Frankfurts früherer Kulturdezernent Hilmar Hoffmann als Rektor der Städelschule nach Frankfurt holte: Der „Portikus“ avancierte schon nach kurzer Zeit zu einer der wichtigsten Ausstellungshallen für aktuelle Kunst. So klein der von den Frankfurter Architekten Marie-Theres Deutsch und Klaus Dreißigacker hinter den Überresten der ehemaligen Stadtbibliothek errichtete Container auch war, so stark war doch die Wirkung der eng mit der Städelschule verknüpften Institution auf die internationale Kunstwelt.

          Michael Hierholzer
          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Ob in London oder New York - der Portikus, so genannt nach dem Säulenportikus, der einzig von dem im Krieg zerstörten Gebäude übriggeblieben war, mehrte den Ruhm der Stadt als Zentrum des Zeitgenössischen. Nun steht der Wiederaufbau der alten Stadtbibliothek unmittelbar vor der Vollendung, und der Portikus zeigt seit 2003 im Ausweichsquartier im Erdgeschoß des Leinwandhauses gegenüber dem Dom seine Ausstellungen. Im Frühjahr 2006 wird die Einrichtung in ihr neues Domizil auf der Maininsel ziehen, in ein Haus, das Christoph Mäckler entworfen hat und dessen Bauherr die Stiftung Giersch ist. Da lag es nah, die Geschichte der Kunsthalle im Museum Giersch am Museumsufer zu dokumentieren. Und bei dieser Gelegenheit auf die Bedeutung hinzuweisen, die der Portikus auch unter dem Städelschulrektor Daniel Birnbaum für die Frankfurter Kunsthochschule hat.

          „Made in Frankfurt“ ist der Titel der Schau, in der musealisiert wird, was immer so wenig museal daherkam. Denn der Portikus war und ist nicht nur eine Galerie für das Avancierte, sondern auch ein Ort, an dem sich trifft, was getrost als der Kern der Frankfurter Kunstszene bezeichnet werden kann. Hier begegnen sich Städelschüler und renommierte Künstler, Kunstvermittler und Kritiker. Die Ausstellungssituation war immer eine besondere: Auf wenig Raum entfalteten manche Arbeiten eine Atmosphäre, die in größeren Hallen kaum herzustellen gewesen wäre.

          Der konzentrierte Blick auf eine bestimmte künstlerische Position, die mitunter hermetische Anmutung der Arbeiten lassen sich in der jetzt präsentierten summarischen Zusammenschau schwerlich wiederbeleben. Was freilich sichtbar wird, sind die unendliche Differenzierung der Gegenwartskunst, die Vielfalt der Formensprachen innerhalb einer allemal vom Gedanken beflügelten Spätmoderne. Editionen sind zu sehen, aber auch ein paar Unikate von Portikus-Künstlern. So finden sich in diesem Überblick etwa ein Möbelstück von Richard Artschwager oder eine Serie von Zeichnungen Daniel Burens.

          Noch einmal ausgestellt werden auch die „Genußscheine“, mit denen der Portikus im Jahr 2000 auf die anhaltende Finanzkrise der Stadt reagierte. 100 Künstler, die seit 1987 hier mit Ausstellungen vertreten waren, schufen jeweils zehn Arbeiten auf Papier, die pro Stück für 1000 Mark der Reihe nach an die Besteller verkauft wurden. Diese wußten also nicht, welchen Genußschein sie erhalten würden. 650 Exemplare wurden damals abgesetzt. Jetzt soll der Rest an die Kunstfreunde gebracht werden, wobei sich jeder nunmehr aussuchen kann, was er haben will: 20 Sätze a zehn Genußscheine sind für je 5000 Euro zu haben, zudem gibt es einen kompletten Satz aller 100 Kleinwerke für 50000 Euro.

          Plakate und Kataloge erinnern an denkwürdige Kunstereignisse, sei es die Vorführung von Matthew Barneys Film „Cremaster5“, die schwierige Begehung von Gregor Schneiders Installation „totes Haus ur“ oder die jüngst von Yoko Ono inszenierte Performance zur Schau „Dream Universe“. Außerdem werden im Museum Giersch Werke von vier Städelschülern gezeigt: Jeder reagiert auf seine Weise auf Impulse, wie sie von den Portikus-Ausstellungen gegeben werden.

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