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Ausstellung „Ersatzkunst“ : Tanz Tango mit dem toten Schwein

Spielerisch, versiert und nach Jahren erstmals wieder aufgebaut: „Tapete auf Tapete (Tapetenhaus)“, 1978, von Stephan Keller Bild: Horst Ziegenfusz

Vor beinahe 50 Jahren haben junge Frankfurter Künstler Off-Orte geschaffen. Vollrad Kutscher hat die „Ersatzkunst“ aufbewahrt. Nun strahlt sie in der Ausstellungshalle Schulstraße.

          3 Min.

          Die Kaugummis sind das Einzige, was wirklich gar nicht mehr frisch aussieht. Als Vollrad Kutschers „Schlundmurgeln“, Mini-Porträtskulpturen aus Bubble Gum, noch neu waren, 1975, hatten sie die pastellfarbene Buntheit ausgekauter Kaugummis. Sie sind die Überbleibsel seiner Performance „Kaugummireden“, mehrfach wiederholt bis in die Neunzigerjahre. Heute sind die Werke matte Klümpchen in unterschiedlichen Erdtönen. Der Rest strahlt aus, was er war, vor 40, 50 Jahren: gegenwärtig. Auf eine erfrischende Weise unprätentiös. Und sehr lustig. Woran liegt das? Vielleicht an dem, was Kutscher erzählt, wenn er durch die Ausstellung geht. Beruf? „Das Geld kam von Jobs. Die Kunst war heilig“, sagt er und grinst. Kategorien von Erfolg, Profession oder Sicherheit haben die paar Handvoll junger Künstler, die damals in Frankfurt befreundet waren, sich entfreundeten, gemeinsame Sache machten, nicht interessiert.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Und Frankfurt, zumindest der offizielle Kunstbetrieb der damaligen Zeit, sich nicht für sie. Frankfurt war damals unwirtlich, hart, ein schwieriges Pflaster. Orte für junge Kunst: Fehlanzeige. Er sei auch geblieben, sagt Kutscher, heute 76 Jahre alt und seit damals Frankfurter Künstler, weil er sich gedacht habe: „Wenn man hier Kunst macht und überlebt, dann wird das eine ganz andere Kunst als anderswo.“

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