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Ausstellung : Durch die Blume

Seltsame Wesen im Garten: „Flowers” von Masayuki Koorida (vorne) und Peter Lindenbergs „Kapuzinerkresse”. Bild: Kunstforum

Die Ausstellung „Garten – natürlich künstlich“ im Hof des Klosters Seligenstadt zeigt Kunst, die sich oft in die Landschaft einfügt, als sei sie schon immer dort gewesen.

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          Unter das Plätschern mischt sich begeistertes Geschrei. Mit nackten Füssen und hochgekrempelten Hosen waten ein paar Kinder im gestauten Mühlgraben des Seligenstädter Klosterhofs, dessen Wasser ihnen nun nicht mehr nur bis zu den Knöcheln, sondern bis zu den Knien reicht. Den Badespaß haben sie einer Sandsteinskulptur von Andreas Rohrbach zu verdanken, die sich dort so unauffällig einfügt, als sei sie schon immer an diesem Platz gewesen.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie gehört zu den faszinierendsten Exponaten der vom Kunstforum Seligenstadt organisierten Ausstellung „Garten – natürlich künstlich“. Passgenau hat der ehemalige Städelschüler drei Blöcke aus Miltenberger Sandstein in den Wassergraben gesetzt und in der Mitte frei gehauen. Ein Block am Ende staut das durchfließende Wasser auf und lässt einen kleinen Wasserfall entstehen. Die Innenwände der Quader hat der Bildhauer mit Strukturen versehen, die an vom Wasser bewegte Pflanzen erinnern.

          Eine traumhafte, surreale Welt

          Andere Werke treten spektakulärer auf. Besonders die beiden „Flowers“ aus schwarzem, auf Hochglanz polierten Granit des japanischen Künstlers Masayuki Koorida fallen auf: Die futuristischen, mehrere Kugeln miteinander verbindenden hüfthohen Skulpturen in Amöbenform fanden schon bei den „Blickachsen“ in Bad Homburg vorigen Sommer viele Bewunderer. Auch die britische Bildhauerin Laura Ford kennt man aus Bad Homburg. Waren dort im Schlosspark ihre „Lumpensammler“ zu sehen – in Fetzen gehüllte Füchse, Dachse und Igel als Obdachlose – wird in Seligenstadt ihr schwarzer „Bird“ präsentiert. Als Fabelwesen zwischen Mensch und Tier, mit schmalen Kinderbeinen und dem Körper eines Vogels, könnte er einem Märchen entsprungen sein. Oder ist das in einem Vogelkörper gefangene menschliche Wesen ein Bild für ein Kind in Not? In Laura Fords Werk finden sich jedenfalls öfter verwandelte, von Zwängen und Ängsten gepeinigte Kinder.

          In Seligenstadt hat man den bronzenen Vogel neben das Taubenhaus gestellt. Andere Exponate fügen sich subtiler in die Landschaft, deren Naturformen sie auf teils komische, teils spielerische Weise nachahmen und verfremden, wie die zarten, künstlichen Blumen von „trash/treasure“ aus Köln. Obwohl sie lediglich aus Plastikbechern, Strohhalmen und bunten Löffeln zusammengesteckt sind, breiten sie sich wie ein echter Blumenteppich unter einer Linde aus. Dass sie aus Abfallmaterialien bestehen, aus Gegenständen, die sonst oft achtlos weggeschmissen werden und noch dazu schlecht verrotten, daran denkt man erst, wenn man die dazugehörige Bilderserie „Durch die Blume“ in der Galerie des Kunstforums im Alten Haus sieht. Dort ist es eindeutig Plastikmüll, in dem sich lachende Frauen räkeln.

          Auch die sechs Meter hohe, sich sanft im Wind wiegende „Kapuzinerkresse“ aus Metall des Berliner Künstlers Peter Lindenberg könnte beinahe auf der Wiese des Klosterhofs gewachsen sein, wäre sie eben nicht so groß: Neben ihr fühlt sich der Besucher in eine traumhafte, surreale Welt versetzt, in der er wie ein Zwerg zwischen Riesenpflanzen wandelt. Abbilder von Bäumen erschafft Stefan Pietryga aus Potsdam, oftmals in leuchtendem Blau setzen sie sich als Kunstobjekte von ihrer natürlichen Umgebung ab. In Seligenstadt hat er aber eine goldene Pappel aus Lindenholz auf einen Eichensockel gesetzt: In der Sichtachse zu den vergoldeten Spitzen der Kirchtürme setzt er der Natur damit ein weiteres, weit leuchtendes Denkmal.

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