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Historie der Frauenmode : Was Kleider erzählen

Hochgeschlossen und bodennah: Mode für Frauen von früher - zu sehen im Historischen Museum Frankfurt Bild: Horst Ziegenfusz

Das Historische Museum zeigt in einer prachtvollen Ausstellung, wie Körper, Kleid und Gesellschaft zusammenhängen. Im Stadtlabor wird unterdessen Neues gesammelt.

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          Der Mund-Nasen-Schutz Marke Eigenbau hätte Chancen, als unbequemstes Teil in der persönlichen Garderobe ein Teil der Ausstellung „Bewegte Kleidung“ zu werden. Im dritten Obergeschoss des Historischen Museums können Besucher bis 16. August hinterlegen, was sie als unerträglichstes ihrer persönlichen Kleidungsstücke empfinden. Und warum sie es, vielleicht, doch tragen: die knallenge Jeans, in der man die Luft anhalten muss, oder Plateauschuhe, in denen man weder stehen noch gehen kann – aber sie sehen halt schön aus.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Die Leiterin des Jungen Museums und der Vermittlung, Susanne Gesser, die auch die interaktiven Ausstellungen im Stadtlabor verantwortet, ist zuversichtlich, dass trotz der zahlreichen Auflagen, die nun zu erfüllen sind, die Kollektion der unbequemsten Kleidungsstücke weiter wachsen wird – samt kleinen begründenden Texten ihrer Besitzer. Und obwohl aufgrund der siebenwöchigen Pause und von Lieferschwierigkeiten wegen Kurzarbeit so manches Detail noch fehlt im „modischen Stadtlabor“: Die Kabinettausstellung mit Modellen der Maßschneider-Absolventen der Schule für Bekleidung und Mode hingegen ist fertig. Zehn Kleider in unterschiedlichen Blautönen, die aus einer freien kreativen Arbeit zum Thema „Bewegung“ entstanden sind, aus Satinbändern, Tüll, Netz, Chiffon drehen sich leise im Wind der Ventilatoren.

          Etwas für die gehobene Gesellschaft

          Dass viele von ihnen den Stil der zwanziger Jahre aufnehmen, kniekurz, fließend und mit Fransen, kommt nicht von ungefähr. Die Epoche, in der auch die Frankfurter Modeschule vor 100 Jahren gegründet worden ist, vollendet vier Stockwerke tiefer einen Rundgang, der von 1850 an durch die Geschichte der Frauenbekleidung führt.

          Damals, endlich, waren Frauen von einer „raschelnden Rüschenmasse zur Frau mit Armen und Beinen“ geworden, wie es Kerstin Kraft, Paderborner Professorin für Kulturwissenschaft der Mode, beschreibt. Dass solch ein perlenbestickter, ärmelloser Hauch von einem Kleid, wie sie nun in der Ausstellung zu bewundern sind, erst einmal etwas für die gehobene Gesellschaft war, ist die eine Seite: Dass die Industrialisierung der Textilherstellung und die Massenvergnügen in Tanzpalästen es auch einem neuen Typ junger, berufstätiger Frauen ermöglicht haben, sich freier zu bewegen, weiß man nicht erst seit der Fernsehserie „Berlin Babylon“.

          Kulturgeschichte auf verschiedenen Ebenen

          So erzählt die Ausstellung „Kleider in Bewegung“ Kulturgeschichte auf verschiedenen Ebenen – Mode spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen und Umbrüche. Vor allem aber geht es um eine sehr ungewöhnliche Fragestellung: Wie hängen Bewegung und Bekleidung, Körper und Kleid zusammen? Frauen in engen Korsetts, die Hände voll mit riesigen Stoffmengen, um nicht zu stolpern, hatten buchstäblich keinen Handlungsraum. Zwischen 1850 und 1920, einem besonders gut dokumentierten Zeitraum in der Textilsammlung des Museums, hat die Mode der Männer sich kaum, die der Frauen sich ungeheuer rasch verändert.

          Was das für ihre Rolle in der Gesellschaft bedeutet und wie sich der in Form gezwungene weibliche Körper neben dem des Mannes ausnimmt, zeigen die Kleider an Figurinen, die typische Bewegungen inszenieren, in elf Kapiteln. Diese Art der Präsentation, noch dazu ohne Vitrinen, ist ungewöhnlich und eigens entwickelt worden. Denn die Ausstellung beruht auf einem langjährigen Forschungsprojekt, für das die Universität Paderborn, federführend die Wissenschaftlerinnen Kerstin Kraft und Regina Lösel, mit dem Museum zusammenarbeitet. Für „Kleidung in Bewegung versetzen.

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