https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/ausstellung-aus-heutiger-sicht-im-museum-angewandte-kunst-17307403.html

Museum Angewandte Kunst : Zwischen allen Räumen

  • -Aktualisiert am

Verbindungen, Abbrüche: „Aus heutiger Sicht“ Bild: Wolfgang Gu?nzel

In der HfG-Ausstellung „Aus heutiger Sicht. Diskurse über Zukunft“ im Museum Angewandte Kunst purzeln die Wirklichkeitsebenen durcheinander. Dabei überschneiden sich digitale und analoge Räume.

          2 Min.

          Es ist nicht weiter überraschend, dass angesichts der allgemeinen Situation statt optimistischer Zukunftsszenarien voller menschenfreundlicher Technik und moralischer Fortschritte derzeit düstere Vorstellungen von dem, was einmal sein wird, das Bild beherrschen. Wimmelte es im 19. und 20. Jahrhundert nur so von Utopien, ist das dystopische Denken, einst die Ausnahme, nunmehr seit geraumer Zeit die gängige Form, wenn sich der Blick nach vorn richtet.

          Dass die Zukunft, besser: die Zukünfte von der Gegenwart abhängen, lässt sich leicht an vergangenen Zukunftsvisionen ablesen. Es ist noch immer anders gekommen. An den Spekulationen über die zeitliche Ferne hat sich die Kunst stets mit Vorliebe beteiligt. Gerade auch die angewandte. Da lag es nahe, die Jubiläumsausstellung der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) im Frankfurter Museum Angewandte Kunst „Aus heutiger Sicht“ zu nennen und sich darin „Diskursen über die Zukunft“ zu widmen.

          Dass in ihr alles nebulös werden könnte und herkömmliche Unterscheidungen womöglich obsolet werden, entspricht schon der Gefühlslage, in der sich derzeit viele befinden. Die Wirklichkeitsebenen purzeln durcheinander, das Reale ist das Virtuelle, digitale und analoge Räume überschneiden sich, und weder lässt sich überprüfen, was an den Emotionen des elektronisch gefilterten Gegenübers authentisch ist, noch welchem Grad an Illusion man momentan unterliegt, wenn man sich online dieser oder jener Wahrheit vergewissern möchte. Auch Designer haben es heute nicht nur mit Dingen zu tun, die sich in die Hand nehmen lassen, sondern auch mit solchen, die allein in der Imagination existieren. Und was vermittelt sich tatsächlich von einer Schau, die vorerst nicht in musealen Sälen zu erleben ist, sondern allein im Internet?

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Digitale Eröffnung am Freitag

          An diesem Freitag wird sie im Cyberspace eröffnet, auf der digitalen Plattform aussicht.space kann, wer ernsthaft daran interessiert ist, die üblichen Grußworte abrufen. Eine Videoführung lädt zur Teilnahme ein, und um 16.20 Uhr beginnt die Live-Performance „crank the disc down“ von Julia Hainz und Veronika Haller. Der digitale Ausstellungsraum aussicht.space geht um 19 Uhr online, und was es dort dann zu tun gibt, muss wohl jede und jeder selbst ausprobieren. Jedenfalls versteht sich dieses Angebot als autonomer Teil einer Schau, die auch und gerade auf die Veränderung unserer Beziehung zueinander und zur Welt in Pandemiezeiten eingeht.

          Das kuratorische Team besteht aus elf Mitgliedern. Lehrende und Lehrkräfte der HfG haben die Objekte, Versuchsanordnungen, Installationen, Ding- und Denkzusammenhänge geschaffen, die nun anlässlich der 2020 gefeierten Übernahme der einstigen Werkkunstschule in die Trägerschaft des Landes Hessen präsentiert werden. Dass es dabei vor allem auch um die Frage geht, wie die Zukunft konkret gestaltet wird, nämlich mit nützlichen und nachhaltigen Gegenständen, versteht sich von selbst. Da ziehen Museum und Hochschule am selben Strang. Dass es auch im Morgen ein Bedürfnis nach formaler Schönheit und einer ästhetischen Einrichtung der Lebenswelt geben wird, nehmen wir einfach einmal an. Wer aber weiß, in welchen Räumen wir uns dann auf welche Weise bewegen werden? Ob diese Schau eine Antwort darauf gibt, das entzieht sich dem Publikum augenblicklich noch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Welle : Muss sich Nordkorea jetzt öffnen?

          Kim Jong-un hatte gehofft, das Coronavirus werde sein Land nie erreichen. Jetzt ist es da – und Impfstoff fehlt. Der Machthaber weist die Schuld von sich.
          Weizen wird knapp: Familien in Jemens Provinz Lahdsch erhalten Mehl-Rationen. Die Versorgung wird wegen des Ukrainekrieges immer schwieriger.

          Getreidekrise durch den Krieg : Putin setzt auf Hunger

          Russland beschuldigt die Ukraine, ihre Häfen zu blockieren und damit schuld an der globalen Getreideknappheit zu sein. Gleichzeitig intensiviert Moskau die Propaganda in Afrika.

          Sturm „Emmelinde“ : Nach Unwetter allein in Paderborn über 40 Verletzte

          Sturm „Emmelinde“ ist am Freitagnachmittag über Teile von Deutschland hinweggefegt. In Paderborn und Lippstadt sorgten Orkanböen für Verwüstung. In Mittelfranken fuhr die Feuerwehr Hunderte Einsätze. Die Aufräumarbeiten sollen bis Samstagmittag dauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis