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Frankfurter Kunstverein : Zwischen Naturnähe und Zukunftsvisionen

  • -Aktualisiert am

Mensch und Robomensch: Die Installation „Selfoid“ von Gintaré Sokelyté im Frankfurter Kunstverein Bild: Norbert Miguletz

Im Frankfurt Kunstverein ist die Ausstellung „And This is Us“ mit Werken von jungen Künstlern aus der Stadt und der Region zu sehen. Dabei geht es um Erinnerungen, den Körper sowie die Natur und unser Verhältnis zu ihr.

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          Die Räume könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine in Schwarzweiß gehalten, der andere knallbunt. Hier eine große elegisch-poetische Installation mit drei Bewegtbildflächen und elf Körperskulpturen, dort die Innenwelt einer Außenwelt, das Zimmer nämlich einer Influencerin, von wo aus sie ihr von lustig bis lasziv changierendes Selbstbild ins digitale Nirgendwo schickt. Und doch sind die Positionen der beiden jungen Künstlerinnen gar nicht so weit voneinander entfernt, wie es auf den ersten Blick wirken mag.

          In ihrer Kunst geht es um das Künstliche, um konstruierte Wirklichkeiten, um den schönen oder auch ins Gruselige abdriftenden Schein. Und um die Frage, wie die Individuen, wie unsere Körper sich darin behaupten können. Eine Antwort wäre: Indem es nicht nur bei der Selbstbespiegelung bleibt, bei Posen und Propaganda in eigener Sache, sondern zu einer Selbstreflexion kommt. Dafür ist, einem alten Gerücht zufolge, die Kunst schließlich da.

          Die Arbeiten „#SugerMacht“ von Faina Yunusova und „Selfnoid“ von Gintaré Sokelyté sind Teil einer Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, die in den vergangenen Wochen unter verschärften Pandemie-Bedingungen und Hygiene-Vorschriften zustande gekommen und nun, ein kleines Wunder in diesen Tagen, für das Publikum zugänglich ist. Neun Arbeiten von Studierenden der Frankfurter Städelschule und der Offenbacher Hochschule für Gestaltung werden in der dritten Ausgabe der von der Dr. Marschner Stiftung ermöglichten, alle zwei Jahre stattfindenden Schau mit junger Kunst aus Frankfurt und der Region präsentiert.

          Selfie: Faina Yusunova in ihrer Installation „#SugarMacht“
          Selfie: Faina Yusunova in ihrer Installation „#SugarMacht“ : Bild: Frankfurter Kunstverein

          Nach zahlreichen Atelierbesuchen hatte Kunstvereinsleiterin Franziska Nori die Auswahl getroffen, darunter Saya Schulzen, Isabell Ratzinger, Agnese Galiotto und Michelle Harder. Zudem bekommt die Initiative „Magma Maria“, die sich darum kümmert, die Sichtbarkeit von Künstlern unter 30 Jahren zu erhöhen, eine Plattform. So werden im Lauf der Ausstellung sukzessive Bilder und Objekte von 220 künstlerisch tätigen jungen Menschen vorgestellt. Die Arbeiten sind durchs Schaufenster des Kunstvereins zu sehen. An dieser Stelle, wo vor Corona das Café zum Verweilen lud, wird nun auch „Kreislauf“ von Max Brück gezeigt: Ein endloses Förderband transportiert Bauschutt nicht an ein Ziel, sondern gleichsam in unser Bewusstsein. Es sind Überreste des einstigen Technischen Rathauses, die der junge Künstler auf einer Deponie zusammengelesen hat, um sie wieder dorthin zu bringen, wo sie einst in einem ungeliebten Gebäude steckten. Erinnerung: ein zentrales Thema in einer Zeit, in der die Furie des Verschwindens tobt wie nie.

          Berauschend schöne Bilder

          Ein anderes: der Körper. Ein drittes: die Natur und unser Verhältnis zu ihr. Manche Arbeiten kombinieren all dies. Andere lenken den Fokus auf die Zukunft. Valentina Knežević entwickelt auf eine eindringliche visuelle Weise ihre These, dass die Menschen der Zukunft die Außerirdischen sind, nach denen wir in der Gegenwart suchen. Berauschend schöne Bilder von fernen Welten setzt sie in ihrem Video in Szene, und doch schwebt über allem eine Vergangenheit, in der die Menschen sich selbst und ihre Lebensgrundlagen miserabel behandelt haben.

          Die vielleicht merkwürdigste Arbeit hat freilich Matt Welch geliefert, der in das der Ausstellungszone angeschlossene, sonst nicht allgemein zugängliche Wohn- und Schlafambiente für Gastkünstler eine Videoarbeit integriert hat, in der neben einer Autobahnfahrt nach Berlin lange Fahrten durch Magen und Speiseröhre zu sehen sind, wohl auch eine Art Selbstvergewisserung der leiblichen Existenz: Die Innereien sind Großplastiken, sechs und zehn Meter lang, die er in seinem Atelier gefertigt und auf Film gebannt hat.

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