https://www.faz.net/-gzg-qwrz

Ausstellung : Albträume Afrikas

Mystique Congolaise von Cheri Cherin Bild: Museum für Weltkultur

Die Ausstellung „Africa Screams“ im Frankfurter Museum der Weltkulturen zeigt, wie sich die Künstler des Kontinents heutzutage mit dem Bösen, dem Ekel, dem Häßlichen und der Angst auseinandersetzen.

          2 Min.

          In Benin werden die Märkte noch heute durch Zangbeto geschützt: verborgen hinter einer blutroten Maske und unter einem Kostüm aus Stroh wirbeln die männlichen jungen Mitglieder dieses Voodoo-Geheimbundes durch die Straßen, um Diebe zu fangen. Wer auf einem Markt beim Klauen erwischt wird, kommt meist nicht mit dem Leben davon; im besten Fall muß er nur gewaltige Prügel einstecken. Kein Wunder, daß die Maske bei den Einheimischen einen gehörigen Schrecken erzeugt, auch wenn sie eigentlich für die Erhaltung der Ordnung eingesetzt wird.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gleich einen ganzen Raum voller traditioneller Straf- und Wächtermasken präsentiert die Ausstellung „Africa Screams“ im Frankfurter Museum der Weltkulturen, die morgen eröffnet und bis 12.März zu sehen sein wird. „Das Böse in Kino, Kunst und Kult“ will die im Iwalwa-Haus in Bayreuth konzipierte Schau zeigen, die zuvor im Kunstverein Aalen und in der Wiener Kunsthalle gastierte.

          Reichtum nur durch Hexerei

          Nicht Schreckensbilder aus Afrika sollen gezeigt werden, so betonen es die Ausstellungsmacher ausdrücklich, sondern wie sich afrikanische Künstler heutezutage mit dem Bösen, dem Ekel, dem Häßlichen und der Angst auseinandersetzen. Trotzdem stellen rund 250 Exponate vor allem aus Ghana, Benin, Nigeria und Kamerun vor allem dar, daß man auf dem afrikanischen Kontinent vielerorts ganz offensichtlich an die Macht okkulter Riten glaubt.

          Reichtum etwa läßt sich dort für die meisten Menschen nur durch Hexerei erklären: in Horror-Videofilmen geht es stets um Geldgier, für die Frauen von Hexenmeistern in Gestalt von Schlangen vergewaltigt werden, bis sie Geld aus ihrem Mund würgen. Die Kalenderblätter wiederum, von ihren Herstellern als „Bildjournalismus“ bezeichnete Einblatt-Drucke, verbreiten besonders gruselige Geschichten. Es wird von geopferten Kindern berichtet, deren Köpfe abgeschlagen wurden, von Zombies, Vampiren und Kannibalen. In Comics werden ebenfalls jede Menge abgetrennte Gliedmaßen und Blutlachen gezeigt. Für zartere Gemüter ist es daher Warnung und Hinweis, daß die Ausstellung erst für Jugendliche von 16 Jahren an empfohlen wird.

          Satirische Alltagskommentare

          Daneben wird nun allerdings zeitgenössische Kunst präsentiert, die den Besuch lohnt: Dominique Zinkpes Installation „Malgre tout“ beispielsweise, die den afrikanischen Patienten ausgemergelt im Bett zeigt, den Dutzende von Infusionen der Hilfsorganisationen nicht wieder auf die Beine bringen. Oder Candice Breitz' „Ghost Series“, für die sie „eingeborene Stammesfrauen“ auf Postkarten mit Tipp-Ex übermalt hat, so daß nur die Augen sichtbar blieben.

          Phantastische Erzählungen und satirische Alltagskommentare hingegen verknüpft Cheri Cherin, einer der populärsten Gegenwartskünstler des Kongo, in seinen Bildern, um die Mechanismen einer Gesellschaft im Zerfall zu analysieren und die Schreckensherrschaft Mobutus darzustellen. Sein Gemälde „Mystique Congolaise“ zeigt, wer in Wahrheit die kongolesische Politik beeinflußt: der Teufel und blutige mystische Rituale.

          Fernando Alvim wiederum verarbeitet die Traumata des Brügerkriegs in Angola mit furchteinflößenden Installationen. Geburtsliegen, aus denen Messerklingen sprießen, zeigen, daß trotz aller Greuel das Leben weitergehen wird. Aber unter welchen Voraussetzungen? Der Südafrikaner Conrad Botes jedenfalls beschreibt in seiner Installation „Voodoo“, wie die Zukunft der Buren in seinem Land aussehen wird: Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich von den Hochhäusern zu stürzen.

          Weitere Themen

          Vitrinen für den Pharao

          Glasbau Hahn aus Frankfurt : Vitrinen für den Pharao

          Wenn es etwas gibt, was viele Museen gern aus Frankfurt hätten, dann sind es Vitrinen von Glasbau Hahn. Der Mittelständler bestückt Ausstellungen in der ganzen Welt.

          Topmeldungen

          Haben verschiedene Vorstellungen vom „Wiederaufbau“: Angela Merkel und Sebastian Kurz

          Österreichischer Bankchef : Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          „Einen wirklich großartigen Plan“ nennt der Chef der größten österreichischen Bank den Vorschlag, die EU solle gemeinsame Schulden machen und das Geld als Zuschüsse an Krisenstaaten vergeben. Bernhard Spalt geht damit auf Konfrontation zu Kanzler Kurz.
          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.

          Sieg im Bundesliga-Topspiel : Der FC Bayern beendet den BVB-Traum

          Dortmund wollte gegen den deutschen Rekordmeister mithalten, verliert aber nach einem packenden Duell samt Traumtor. Damit zieht der FC Bayern im Kampf um die Meisterschaft weiter davon. Und dem BVB droht nun eine weitere herbe Enttäuschung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.