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Ausstellung „2-gather“ : Mehr als die Summe seiner Teile

Zwischen Abstraktion und Figur: „Zelt“, ein Pastell von Zandra Harms Bild: Neuer Kunstverein Aschaffenburg e.V.

Experiment mit offenem Ausgang: Die Ausstellung „2-gather“ im Neuen Kunstverein stellt die Arbeiten von fünf Künstlerinnen nebeneinander. Die Kontraste sorgen für ungeahnte Überraschung.

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          Glaubt man den beiden Künstlerinnen, ist alles ganz einfach. „Zeichnung beginnen, sammeln, in einen Umschlag stecken, abschicken, Brief empfangen, öffnen, sichten, weiterzeichnen.“ So beschreiben es Zandra Harms und Gunilla Jähnichen. Auf dem Postweg hin und her zwischen Köln und Berlin, also jenen Städten, in denen die Künstlerinnen jeweils ihr Atelier haben. Blatt für Blatt, bis die – mal sehenden Auges, mal durch das Umschlagen des Papiers gleichsam blind – weiter und weiter entwickelte Grafik irgendwann fertig ist. Ein Experiment mit offenem Ausgang, möchte man das nennen. Doch gerade das macht den sehr eigenen Charakter nicht nur der dialogisch entwickelten Papierarbeiten, sondern der „2-gather“ überschriebenen Ausstellung im Neuen Kunstverein Aschaffenburg insgesamt am Ende aus.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar lassen sich Motive und Handschrift, Technik oder Materialien meist scheinbar leicht der einen oder anderen Künstlerin zuordnen. Schließlich sind Jähnichen und Harms auch mit ihrem je eigenen Werk – die eine mit vor allem malerischen Arbeiten, die andere mit Aquarellen, Zeichnungen und mit bezaubernden Pastellen – in der Schau vertreten. Für die gemeinsame, „Ping-Pong“ überschriebene Werkgruppe aber spielt das nicht die entscheidende Rolle. Was zählt, ist der Prozess, an dessen Ende mit Bleistift und Marker, Tusche, Buntstift oder Aquarell, aus figurativen genauso wie aus abstrahierenden Formen, zärtlich versponnenen und vergleichsweise strengen Elementen etwas Eigenes, stets auch für die Künstlerinnen Unerwartetes erwächst, das mehr und auch etwas gänzlich anderes ist als die Summe seiner Teile.

          Schade nur, dass die von Tanja Walter und Lena Giegerich kuratierte Ausstellung das Konzept, verschiedene Kooperationen von je zwei Künstlerinnen vorzustellen, nicht ganz durchhalten kann. Hätte man doch wirklich gern gesehen, wie die vor allem für ihre Interieurs und Textilobjekte bekannte Anne Janoschka, die ihre Teilnahme Corona-bedingt absagen musste, auf die Arbeiten von Sandra Heinz reagiert. Arbeiten, die, trotz unterschiedlicher Techniken, im Wesentlichen Fotografien vorstellen.

          Die Idee geht glänzend auf

          Aufnahmen von Stoffen etwa, von Kleidungsstücken, Scans von Spitzendeckchen oder ein wenig arg dicht an das Werk Annegret Soltaus anknüpfende Collagen, die sich mit Strukturen, Oberflächen und Bewegung beschäftigen. Und die doch, bei aller Abstraktion, vor allem Zeitbilder vorstellen, die von Erinnerung, von Alltag und gelebtem Leben zu erzählen wissen, ohne sich im bloß hübsch Anekdotischen zu verlieren.

          Schichtungen: Aquarelle von Edda Jachens
          Schichtungen: Aquarelle von Edda Jachens : Bild: Neuer Kunstverein Aschaffenburg e.V.

          Indessen geht die Idee von „2-gather“ im Zusammenspiel des zweiten vorgestellten Teams fast ein wenig überraschend glänzend auf. Dabei verbindet die in Stuttgart lebende Edda Jachens und Gaby Terhuven aus Düsseldorf keine vergleichbar enge künstlerische Zusammenarbeit, wie sie Harms und Jähnichen mit „Ping-Pong“ vorführen. Beide aber stellen schon seit Jahren immer wieder gemeinsam aus. Und in Aschaffenburg versteht man als Besucher auch sogleich, warum.

          Zwar unterscheidet sich beider im Kern malerisches Werk hinsichtlich der je bevorzugten Techniken und der gewählten Materialien auf den ersten Blick gewaltig. Die 1960 in Oberhausen geborene Terhuven arbeitet in Öl auf hintereinander gestaffelten Glasplatten, während Jachens’ „Kreuzungen“ und „Kreise“ vornehmlich in Farbstift und Paraffin auf Bütten entstehen. In ihren Themen aber, Farbe, Licht und Raum etwa, in ihrem spielerischen Rückgriff auch auf ein vergleichsweise strenges, auf Raster, Rhythmus, Wiederholung gründendes konstruktiv-konkretes Vokabular, erweisen sie sich als durchaus geschwisterlich verbunden. Und verstehen sich, so zeigen nicht zuletzt ihre Papierarbeiten, trotz ihres ausgeprägten, je eigenen Charakters ganz offensichtlich blind.

          2-GATHER Die Ausstellung im Neuen Kunstverein Aschaffenburg, Landingstraße 16, ist bis 13. September dienstags von 14 bis 19 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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