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Augustausstellung : Magische Erlebnisse

  • -Aktualisiert am

Ausstellungsort: die Darmstädter Mathildenhöhe Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

Unter dem Titel „The Killing Machine und andere Geschichten“ präsentiert das Institut Mathildenhöhe Darmstadt die bisher international umfassendste Retrospektive von Janet Cardiff und George Bures Miller.

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          Kunsterlebnisse ganz ungewöhnlicher Art werden derzeit in Darmstadt geboten: Unter dem Titel „The Killing Machine und andere Geschichten“ präsentiert das Institut Mathildenhöhe Darmstadt die bisher international umfassendste Retrospektive von Janet Cardiff und George Bures Miller.

          Mit seinen suggestiven Gesamtkunstwerken aus Bildern, Stimmen, Geräuschen und Musik wurde das kanadische Künstlerpaar international bekannt: Auf geht’s also ins „The Paradise Institute“, das 2001 bei der Biennale in Venedig zu Recht mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde.

          Verwischte Grenzen zwischen Realität und Fiktion

          Kein Wunder: Wer das „Institut“ betritt, das wie ein Kino aussieht, und sich auf einen der roten Samtsessel im perspektivisch verkürzten Trompe-l’œil-Kino setzt, kommt aus dem Staunen kaum heraus. Was jedoch nicht daran liegt, dass Kopfhörer Pflicht sind und auf der Leinwand ein rätselhafter Film im Stil des italienischen Neorealismus läuft. Nein, als sehr seltsam erweist sich der Kinobesuch aus einem anderen Grund. „Hab’ ich auch den Herd ausgemacht?“, hört man eine Frau irgendwo in der Nähe fragen. Ein Handy klingelt. Ein unsichtbarer Zeitgenosse isst reichlich geräuschvoll Popcorn.

          „Excellent nursing“ kommentiert ein genauso wenig sichtbarer Kinobesucher die heftige Liebesszene zwischen der Krankenschwester und dem Patienten im Film. Nichts von diesen magischen Zwischenfällen im Zuschauerraum trägt sich in der Realität zu, das wird den Betrachtern des „Paradise Institute“ schnell klar. Die Illusion, man sitze nicht als unbeteiligter Zuschauer in der Loge, sondern als Teil eines – nur akustisch vorhandenen, im Übrigen aber völlig fiktiven – Kinopublikums, ist jedoch perfekt; die dreidimensionale Tonspur macht es möglich.

          Seine ersten Auftritt in der Rhein-Main-Region hatten Cardiff und Miller im Jahr 2003 in Frankfurt. Eine ähnlich vielschichtige Installation wie „Paradise Institute“ hatten sie damals eigens für den Portikus entwickelt und zeigen sie jetzt auch auf der Mathildenhöhe Darmstadt. „The Berlin Files“ wirken wie ein Imaginationstheater, wie ein faszinierender Ort, der beim Betrachter uralte Erinnerungen oder überraschende neue Assoziationen auslösen kann – und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion unsichtbar zu machen scheint. Genau dies sind die zentralen Themen, die das kanadische Künstlerpaar immer wieder beschäftigt und sich dabei souverän der unterschiedlichsten visuellen und akustischen Medien bedienen.

          Autobiographische Eindrücke

          „Berlin Files“ enthält auch autobiographische Eindrücke: Cardiff, 1957 geboren, kam mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin, eine Stadt, die für sie und den 1960 geborenen Miller wichtig wurde. In den „Files“ sind Minutengeschichten, fragmentarisch und immer mit völlig offenem Ausgang, lose aneinandergereiht, unterbrochen von völliger Dunkelheit und Gesprächen der Künstler – man erlebt den Prozess des Filmemachens scheinbar mit.

          Ihr Berliner Atelier wird gezeigt, auch trostlose Straßen der Stadt. „You are not alone“ singt ein Sänger im völlig übertriebenen Glitzerdress an der Holztheke einer spießigen Berliner Kneipe. Und in einer Ecke hört eine junge blonde Frau gerade auf zu telefonieren, sie weint, die Tränen lösen ihre schwarze Wimperntusche auf, das Lied hilft nicht. Ein Mann rennt durch eine weite Winterlandschaft, bis er nicht mehr zu sehen ist. Die Leinwand wird dunkel, zuerst ist Hundegebell zu hören, dann ein knatternder Hubschrauber, so drohend und laut, als sei er ganz nah.

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