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Kunst und Erfahrungslust : Der Mann mit dem Licht

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Wohnsitze am Main und in Bremen: Lambrette in seinem Frankfurter Haus Bild: Lucas Bäuml

Vom Roadie bei Fritz Rau zur bunten Frankfurter Skyline: Roland Lambrette und das Atelier Markgraph haben viel Erfahrung. Dabei sind sie ebenso weit herumgekommen.

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          Es ist ein kleines großartiges Paradies, in dem Roland Lambrette und seine Partnerin Katrin Hahnemann mit einem opulenten Frühstück aufwarten. In der Stadt und doch abseits des Metropolen-Getöses. Mit Blick durch die großen Fensterfronten auf die Nidda und einen kleinen Garten, durch den der arthrosegeplagte Kater des Hauses streunt. Überall steht und hängt Kunst, stehen Bücher und Schallplatten. Vieles aus dem Besitz seiner Mutter, die hier ihre letzten Jahre verbrachte, bevor sie mit 93 starb, erzählt der 67 Jahre alte Lambrette. „Ich habe das als Dreigenerationenhaus gebaut, für sie, für uns, auch für mich, weil ich bis dahin viel aus dem Koffer gelebt habe. Ich wollte mal irgendwo einen Nagel einschlagen.“ Ein plausibler Wunsch in einem Lebensweg, an dessen Drehbuch die Götter lange getüftelt haben müssen.

          Lambrette, ein Frankfurter qua Geburt und aus Leidenschaft, ist Kommunikationsdesigner, Szenograph, Professor für Temporäre Architektur und Rektor der Hochschule für Künste Bremen und Mitbegründer des legendären Frankfurter Ateliers Markgraph, das sich Büro für Kommunikation im Raum nennt. Seine Biographie bestätigt, dass auch im Schweren irgendetwas Gutes stecken kann. Sogar, wenn man als einziges Kind einer Alleinerziehenden im Nachkriegs-Frankfurt groß wird. „Meine Mutter, eine Kriegerwitwe, hatte hier ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann“, erzählt Lambrette. Erst nach dessen Tod habe er erfahren, dass der Mann, der gelegentlich vorbeischaute und überhaupt nicht zu seiner Mutter zu passen schien, sein Vater war. „Aber ich bedaure das nicht. Spätestens als die Grundschule losging, war ich heilfroh, dass es bei mir zu Hause keinen dieser autoritären Tyrannen gab, diese Altlasten aus der Nazizeit, die andere Kinder zu Hause hatten.“

          Zu Hause, das ist die Wohnung im Westend, über der Werkstatt seiner Mutter, bei der die Frankfurter Kunstwelt ihre Bilder rahmen lässt. Nicht mehr pompös und opulent, sondern schlicht und dem den Vortritt lassend, um das es geht: das Bild. Hanna Lambrette rahmt auf ihre Weise zum Beispiel die 14 Skizzen zur Commedia dell’Arte, die Chagall Ende der Fünfziger für das Frankfurter Schauspiel gemalt hat, später eröffnet sie auch eine Galerie. Die Mutter, die energisch und gleichzeitig sehr einfühlsam gewesen sei, habe ihren Status als Alleinerziehende nie als beschämend empfunden, sagt Lambrette. Sie war 1974 Mitbegründerin des damaligen Verbandes für ledige Mütter und erhielt 1994 für ihr jahrzehntelanges Engagement den Tony-Sender-Preis der Stadt Frankfurt.

          „So packt nur eine Mutter“

          Stoisch, so der Sohn, habe sie während seiner Zeit auf dem Gymnasium die regelmäßigen Termine absolviert, bei denen die Lehrer ihr nahelegten, ihren Sohn doch von der Schule zu nehmen. Weil er nicht zwischen all die Kinder ordentlicher Familien gehöre. „Weil ich keinen Vater hatte, musste ich immer in der letzten Reihe sitzen. Ich musste Rasen mähen im Religionsunterricht, weil ich ,aussehe wie ein Teppichhändler‘.“ Es habe Zeiten gegeben, in denen er sterben wollte, wird die Mutter ihm später erzählen. Er selbst erinnert sich nicht. Die Erlebnisse sind überschrieben. Auch von den großen Freiheiten, die ihm die Mutter gewährte. Noch als Schüler fährt Roland Lambrette allein mit dem Rad nach Großbritannien und weiter. „Edinburgh, Glasgow, Lake District, Cornwall, London. Vorn am Lenker hatte ich ein Transistorradio mit Tape festgeklebt und während der ganzen Fahrt Beatles gehört.“

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