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Frankfurter Kulturszene : Die Kunstsurfer

Plattform für regionale Kunst: Anne und Olaf Kaestner, die Gründer von „artsite.tv” Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Jede Woche Neues aus der Frankfurter Kunstszene: Anne und Olaf Kaestner haben mit dem Frankfurter Verein Mirrors das Internetfernsehen „artsite.tv“ gegründet.

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          Das Strichmännchen-Porträt im Portikus ruckelt nur, weil es die wacklige Kameraführung so will. Kein Krusseln wie bei „youtube“, keine verschwommenen Filmchen. Gestochen scharf sind die Bilder, die „artsite.tv“ ins Netz stellt. „Das erste aktuelle Kunstfernsehen im Internet“ nennen die Macher von „artsite.tv“, ein Produktionsteam um die Kunstgeschichtlerin Anne und den Journalisten Olaf Kaestner, ihr Programm.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie bilden wöchentlich das Neue und Interessante aus der Frankfurter Kunstszene ab. Interviews mit Künstlern, Ankündigungen neuer Ausstellungen, ein Blick auf das „Thema der Woche“ und in die Galerien der Stadt. Manche Beiträge sprengen den regionalen Rahmen – etwa Hintergrundstücke zur Documenta. Vor einem halben Jahr ist „artsite.tv“ von Frankfurt aus auf Sendung gegangen.

          Schräg und kurzweilig

          Was an Videoblogs im Internet auftaucht, gibt häufig Anlass zum Fremdschämen: Eitle Selbstinzenierungen und narzisstische Nabelschauen gibt es übergenug. Das Kunstfernsehen ist anders, es kreist nicht um den Redakteur, sondern um Kunst und ihre Produzenten. „artsite.tv“ ist ein ambitioniertes Experiment. Denn das Internetfernsehen muss sich in der schier unüberschaubaren Masse an Kunst-Homepages erst einen Namen machen und gegen reine Veranstaltungsseiten behaupten.

          Das Format „Ehrensenf“, das täglich die Kuriositäten aus der anarchischen Welt des Internets zusammenträgt, zeigt, wie ein „Fernsehprogramm“ im Internet wohl sein muss, um Zuschauer zu finden: schräg und kurzweilig. „artsite.tv“ präsentiert seine Themen ähnlich. Man hat den Eindruck, dass hier kreative Köpfe mit Kunstverstand geradezu enthusiastisch bei der Sache sind.

          Wer sich etwa den Beitrag über die Sammlung Rausch des Hausmeisterehepaars der Städelschule anschaut, die noch bis zum 9. September im Portikus zu sehen ist, erkennt, warum sich das Medium zur Kunstvermittlung eignet. Das Internet vermag die Bilderfluten der Sammlung Rausch aufzufangen, der Speicher läuft sozusagen nie voll. Die bewegten Bilder zeigen die Hängung in der Ausstellung, die derjenigen in der Hausmeisterwohnung folgt. Und der Betrachter bekommt zumindest eine Ahnung von der Atmosphäre, in der die Bilder wirken. Die Anekdoten, die der Hausmeister und Kunstsammler Hartmut Rausch bei der Vernissage erzählte, sind abrufbar. Stimme, Gestus, Blick kann die ruckelige Handkamera vermitteln. Und wie will man die Bewegung des Automaten „Bang“ von Thomas Bayrle beschreiben? Auf „artsite.tv“ wird sie einfach gezeigt.

          Berichte zur Documenta 12

          Was in einer ganz normalen Woche in Frankfurts Kunstszene los ist, fasst die Wochenvorschau in zwei bis drei dreiminütigen Trailern zusammen. Etwa Gardar Eide Einarssons Ausstellung „Südlich des Himmels“ im Frankfurter Kunstverein: Flaggen und Symbole, Wandmalereien mit schwarzem Edding und Graffitis. Die Ankündigungen sind mitunter Rezensionen. Von Einarssons „klarer und stilisierter Bildsprache von nüchterner Eleganz“ ist die Rede. Allerdings findet sich in dieser Bündelung von Vernissagen und Ausstellungen kaum ein negatives Wort.

          Eine „multimediale Plattform für Bildende Kunst“ schwebte Olaf und Anne Kaestner vor. Gemeinsam gründeten sie den Verein Mirrors, der auf Sponsoren angewiesen ist. Sieben Kunstbegeisterte produzieren die Beiträge von „artsite.tv“ – darunter eine Studentin an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung und ein ehemaliger Redakteur des Hessischen Rundfunks. Ein Reporter in der „artsite.tv“-Mannschaft war zuvor in Afghanistan tätig und wollte nun „etwas Schönes“ machen.

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