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Architektur : Willemer-Häuschen in altem Glanz

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Atmosphärisch gelungene Rekonstruktion: das Willemer-Häuschen Bild: F.A.Z. - Bergmann

„Allerschönste Zeit“ hat Johann-Wolfgang Goethe seinen letzten Aufenthalt in Frankfurt in den Herbstwochen der Jahre 1814 und 1815 genannt. Am liebsten hielt er sich wohl im Willemer-Häuschen auf, dessen Möbel nun restauriert worden sind.

          Die anmutigen Möbel aus dem frühen 19. Jahrhundert, darunter der originale Toilettentisch der Marianne von Willemer, sind nach umfassender Restaurierung in der Werkstatt des Historischen Museum wieder in den beiden achteckigen Räumen des kleinen Gartenhauses auf dem Sachsenhäuser Mühlberg zu sehen. Die hübsche Einrichtung hatte im idyllischen Sommerhaus der Willemers, das nicht beheizbar ist, im Winter immer ziemlich gelitten und soll in Zukunft, wie Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff und Anne Bohnenkamp vom Deutschen Hochstift / Goethemuseum bei der Präsentation des aufgearbeiteten Mobiliars mitteilten, künftig in der Kälteperiode ausgelagert werden.

          Als weitere Verbesserung stellten sie den generalüberholten Garten vor, der mit dem Ginkgobaum, einem ovalen Blumenrondell, mit Rosen und Buchsbaum eine für die Ära Goethes charakteristische Gestaltung erfahren hat. „Allerschönste Zeit“ hat er seinen letzten Aufenthalt in Frankfurt in den Herbstwochen der Jahre 1814 und 1815 genannt. In späteren Jahren erinnerte er sich voller Glück an die Begegnungen mit Marianne von Willemer, seiner späten großen Liebe, die im poetischen Dialog zwischen Hatem und Suleika im „Westöstlichen Diwan“ unsterblich werden sollte.

          Romantisches Sommerdomizil

          Goethe hielt sich damals im Stadthaus der Willemers oder in der Gerbermühle auf, doch am liebsten wohl im schieferverkleideten kleinen Gartenhaus der Familie. Dort, von der kleinen Terrasse aus, schaute er sich auch zusammen mit den Willemers am Abend des 18. Oktober 1814 die Freudenfeuer an, die zur Feier des ersten Jahrestags der Völkerschlacht von Leipzig ringsum hell loderten: Die Aussicht von diesem idyllischen Sommerdomizil aus, das einst inmitten von Weinbergen gelegen war, muß besonders eindrucksvoll gewesen sein, zumal im gemeinsamen Erleben mit Marianne. Am 26. Oktober 1815 schreibt er aus Weimar: „. . . Da vergegenwärtigte ich mir die Freunde und die über Frankfurts Panorame so zierlich aufpunktierten Flämmchen, und zwar um so mehr, als es gerade Vollmond war, vor dessen Angesicht Liebende sich jedesmal in unverbrüchlicher Neigung gestärkt fühlen sollen.“

          Das zweistöckige Gebäude, das in seiner achteckigen Form vermutlich einst als Wach- und Aussichtsturm für den Wächter des Weinbergs diente, war im Jahr 1809 von Mariannes Mann, dem Bankier und Geheimrat Johann Jacob Willemer, zusammen mit den Rebflächen erworben und zu einem romantischen Sommerdomizil umgebaut worden. Heute zeigt sich das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte, in den frühen sechziger Jahren wieder aufgebaute und vom Hochstift mit Bildern und Briefkopien eingerichtete Willemer-Häuschen als eines der raren Beispiele für eine auch atmosphärisch gelungene Rekonstruktion. „Eine der beiden wichtigsten Goethe-Gedenkstätten in Frankfurt“, wie Bohnenkamp sagt.

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