https://www.faz.net/-gzg-rqcj

Architektur : Die gebauten Träume des Friedensreich Hundertwasser

  • Aktualisiert am

Ronald McDonald-Haus von Hundertwasser in Essen Bild: F.A.Z.

Ein Muntermacher, ein Behübscher, ein Kitschier sei Friedensreich Hundertwasser, heißt es. Das Deutsche Architektur Museum widmet dem unstrittenen Österreicher nun eine Ausstellung.

          Ein Taxifahrer in Wien, hörbar erstaunt, daß jemand noch nie das berühmte Hundertwasser-Haus in der Kegelgasse gesehen hat, bietet seinem Fahrgast an, auf dem Weg zum Flugplatz noch kurz an jenem Bauwerk vorbei zu fahren. Der Tourist lehnt freundlich ab, aber der Fahrer läßt sich nicht beirren: „Das müssen Sie einfach gesehen haben“, er schalte für den Umweg auch den Taxameter ab.

          Schon mit dem Titel „Friedensreich Hundertwasser - Ein Sonntagsarchitekt - Gebaute Träume und Sehnsüchte“ macht Ingeborg Flagge deutlich, worum es ihr mit dieser Ausstellung, ihrer letzten im Deutschen Architektur Museum (DAM) eigentlich geht (wie berichtet, verabschiedet sich die Direktorin des DAM Mitte Dezember in den Ruhestand). Ihre Absicht ist es, zur Aufklärung des Rezeptionsphänomens Hundertwasser beizutragen. Seine kunterbunten phantastischen Bauwerke mit den goldenen Zwiebeltürmchen und den absurd gekurvten Formen genießen einerseits beim größten Teil der Bevölkerung enorme Popularität, werden andererseits aber von fast allen renommierten Architekten vehement abgelehnt.

          Katalog mit Standardwerk-Potential

          Ein Muntermacher, ein Behübscher, ein Kitschier sei er, heißt es, und für Rob Krier haben Hundertwassers Bauten nur „Wald- und Wiesen-, wenn nicht Schrebergartenqualität“, so nett und heimelig sie auch sein mögen. Verbrecherisch sei die Benutzung des Lineals in der Architektur, befand der Maler Friedensreich Hundertwasser (1928 bis 2000) in seinem ersten, 1958 veröffentlichten „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“. Die gerade Linie sei gottlos und unmoralisch, sei keine schöpferische, sondern eine reproduktive Linie. „In ihr wohnt weniger Gott und menschlicher Geist, als vielmehr die bequemheitslüsterne, gehirnlose Massenameise“.

          Hundertwassers Markenzeichen: Der Zwiebelturm

          Mit ihrer Ausstellung und dem hervorragenden Katalog, der ein Standardwerk zur Hundertwasser-Rezeption werden könnte, fördert Flagge die offene Diskussion eines spektakulären architektonischen OEuvres. Die farbenfrohen und formenreichen Märchenschlösser, die Hundertwasser als Gegenentwürfe zur weißen Moderne gebaut hat, sind im DAM in ungewöhnlich großen und detailgetreuen Modellen, auch in zahlreichen Farbaufnahmen präsentiert: Die St. Barbara-Kirche in Bärnbach etwa, Die Hedderheimer Kindertagesstätte, die Waldspirale Darmstadt, das Fernwärmewerk Spittelau und das Ronald McDonald Haus in Essen.

          Ein besonders überzeugendes Angebot zur eigenen Meinungsbildung der Besucher sind die Videoaufnahmen von elf namhaften deutschen Architekten. In 55 Minuten äußern sie sich zu Fragen wie „Warum hat es die moderne Architektur im Verhältnis zu den populären Hundertwasser-Bauten so schwer?“ oder „Müssen sich zeitgenössische Architekten nicht vielleicht doch um eine populärere Gestaltung bemühen und die Sehnsüchte des Menschen ernst nehmen?“ Oder auch: „Können 90 Prozent aller Menschen irren, die von Hundertwassers Architektur begeistert sind oder ist moderne Architektur nur etwas für wenige Auserwählte?“

          Weitere Themen

          Wenn die Arznei nicht mehr zu haben ist

          Engpass bei Medikamenten : Wenn die Arznei nicht mehr zu haben ist

          Patienten im Rhein-Main-Gebiet bekommen immer häufiger nicht ihre benötigten Medikamente. Apotheker müssen manche Kunden aufgrund von Lieferengpässen wegschicken. Doch das Problem ist längst nicht mehr nur regional.

          Topmeldungen

          Engpass bei Medikamenten : Wenn die Arznei nicht mehr zu haben ist

          Patienten im Rhein-Main-Gebiet bekommen immer häufiger nicht ihre benötigten Medikamente. Apotheker müssen manche Kunden aufgrund von Lieferengpässen wegschicken. Doch das Problem ist längst nicht mehr nur regional.
          Des einen Freud’: Der Bund gibt viel Geld für Pensionen aus.

          Beamte im Ruhestand : Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Den Bund kommen die Gehälter und Beihilfen für seine Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Inzwischen rechnet er mit einem Betrag von deutlich mehr als 700 Milliarden Euro. Darunter leiden vor allem die Länder.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.