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Anke Sevenich als Regisseurin : Sterben geht uns alle an

Regisseurin Anke Sevenich beim Dreh ihres Erstlings „Klabautermann“ Bild: Daniel Dornhöfer

Rollenwechsel mit Abstand: Die Frankfurter Schauspielerin Anke Sevenich dreht in Schmitten im Taunus ihren ersten Kurzspielfilm. Das Thema ist „schön sperrig“, wie sie sagt.

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          Nur eines bedauert Anke Sevenich dann doch ein bisschen: „Mir tut es weh, dass ich nicht selbst vor der Kamera bin!“ Aber für sie selbst gibt es nun mal keine Rolle in dem kurzen Spielfilm, in dem es um einen alten Mann am Lebensende und seine blutjunge Pflegerin geht. Oder doch: Sevenich, bekannt aus unzähligen Film- und Theaterrollen, hat diesmal eine ganz neue Rolle. Sie ist, zum ersten Mal, als Regisseurin tätig. Und das in ihrem ersten eigenen Kurzfilm „Klabautermann“.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Drehbuch hat sie selbst geschrieben, und gleichzeitig ist sie auch die Produzentin des Unternehmens, das noch wachsen könnte, wenn es nach ihr und dem ausführenden Produzenten Tonio Kellner von der Frankfurter Neopol Film geht. „Die Geschichte, wie ich sie mir ausgedacht habe, ist viel länger“, sagt Sevenich, das Konzept für eine sechsteilige Miniserie sei fertig. „Klabautermann“ handelt vom „Leben am Lebensende“, so der Untertitel des Projekts – allerdings nicht nur. Denn mit Miranda, der jungen Pflegerin, rückt auch das Dilemma eines Berufsstands in den Blick, dessen Entlohnung in der Corona-Krise für Diskussionen gesorgt hat. Miranda, gespielt von Emma Bading, Sevenichs Wunschbesetzung, bedient sich hier und da selbst, um überhaupt über die Runden zu kommen. Gleichzeitig aber widmet sie sich höchst engagiert ihren Patienten, vor allem dem alten Eugen (Hans-Heinrich Hardt), dessen Tod heranrückt.

          „Ein Thema, das schön sperrig ist und an keinem von uns vorbeigeht“, sagt Sevenich. „Wir denken so oft darüber nach, wie wir leben – dazu gehört auch zu fragen, wie wir sterben wollen.“ Dass ein solches Thema es im Mainstream schwerhat, ist Sevenich klar. Aber ihr Ziel sei es „Stoffe zu entwickeln und umzusetzen, die mich interessieren. Auf einem Niveau, auf dem man nicht fragt, ob das Quote bringt“, sagt Sevenich, die seit den achtziger Jahren höchst erfolgreich auch im Fernsehgeschäft ist.

          Die Crew um die Hauptdarsteller Emma Bading (vorne links) und Hans-Heinrich Hardt (vorne rechts)

          Gedreht wird möglichst nachhaltig

          Zum Schreiben ist sie schon vor fünf Jahren gekommen: 2016 hat sie zusammen mit ihrem Ko-Autor Stefan Falk das erste Mal ein Drehbuch geschrieben – „Sayonara Rüdesheim“ hat prompt die Goldene Lola, den Drehbuchpreis des Deutschen Filmpreises, gewonnen. Über das Schreiben sei dann auch der Wunsch entstanden, Stoffe zu entwickeln, die gesellschaftliche Relevanz haben, sagt Sevenich. Schließlich ist ein Drehbuch kein Roman: Es muss als Film realisiert werden. Eine Erweiterung ihres Portfolios ist die neue Rolle auch. Denn der von der Hessen Film und Medien geförderte und von der Stiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unterstützte Kurzfilm ist zwar eine Produktion mit kleinem Budget, ganz klar ein „Kulturprojekt“, aber eben auch ein Anfang in einem weiteren Filmberuf.

          Eigentlich hätte Sevenich, regelmäßig Gast am Schauspiel Frankfurt, in der Regie von Anselm Weber jetzt einen Monolog von Martin Mosebach spielen sollen, die Uraufführung ist nun in den September verschoben. Geprobt worden ist zwar seit Juni wieder, doch wegen Corona hatte nicht nur Sevenich unerwartet Lücken im Kalender: Durch die jetzigen Lockerungen sah Produzent Tonio Kellner die Chance, Orte, Darsteller und eine Crew zu finden, die während Corona mehr Zeit hatte als sonst und empfahl, den Dreh schnell durchzuziehen.

          Das ging, weil Sevenich als ihre eigene Produzentin und Castingagentur die Finanzierung beisammenhatte und schnell die sieben Darsteller gewinnen konnte, während Kellner die Crew rund um Kameramann Knut Adass zusammengestellt hat: eine Mischung aus „alten Hasen“, die derzeit aufgrund von Corona Vakanzen haben, und Nachwuchskräften aus der Region. Gedreht wird möglichst nachhaltig, versichert Kellner, auch was die faire Entlohnung des Teams betreffe. Mit den Mustern, die sie bisher gesehen habe, sagt Sevenich, sei sie „sehr glücklich“. Im Herbst geht es in den Schnitt, dann soll der Film auf Festivaltour gehen.

          „Ich verlasse mich auf mein Gefühl, und das geht“

          Viel anstrengender als Spielen sei die neue Rolle, sagt Sevenich. Als Regisseurin ist sie am Ende eines langen Drehtags „todmüde“. Denn wo Schauspieler immer wieder Auszeiten hätten, sei sie als Regisseurin immer anwesend und habe dauernd Entscheidungen zu treffen. Vieles davon tut sie aus ihrer langen Erfahrung als Schauspielerin heraus – „ich verlasse mich auf mein Gefühl, und das geht“, sagt sie mit Blick auf die ersten Arbeitsergebnisse. Es habe in jüngster Zeit doch einige Schauspielerinnen gegeben, die erfolgreich ins Regiefach gewechselt seien, sagt Sevenich.

          Sie selbst ist da wiederum Vorbild für Nachwuchsstar Emma Bading, die auch mit dem Regiefach liebäugelt. Und dank Bading, die ihn schon kannte, kam spontan Hans-Heinrich „Heiner“ Hardt als Eugen zum Team. Denn der Stoff ist zwar seit fast vier Jahren in Planung, die Finanzierung seit einem Jahr erarbeitet – Corona hat aber doch einiges durcheinandergebracht. Einen hochbetagten Darsteller, wie Sevenich es sich eigentlich gewünscht hatte, konnte sie derzeit nicht engagieren.

          Jetzt ist „Klabautermann“ fast im Kasten: Am heutigen Samstag enden die Dreharbeiten in der Ferienstätte Dorfweil in Schmitten. Dort konnte das Team, Corona-getestet und fernab der anderen Gäste, unter den derzeitigen Bedingungen Dreh und Übernachtung bestens kombinieren. Und der Gebäudekomplex in Schmitten-Dorfweil mit seinen schneeweißen Wohnwürfeln am Hang passe perfekt zum Thema, findet Sevenich: Es habe etwas Schwebendes, Leichtes, nicht das Düstere, das man oft im Kopf habe, wenn man an ein Pflegeheim denke. So soll auch ihr Film sein.

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