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Alpenländische Volksmusik : Folkloristische Popsongs ohne Worte

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Erneuerer der Volksmusik: Herbert Pixner an der diatonischen Harmonika Bild: Michael Kretzer

Alpenländische Volksmusik aufgemischt: Das Herbert Pixner Projekt triumphiert in der Alten Oper Frankfurt. Das Quartett aus Tirol überzeugte im ausverkauften Mozartsaal.

          Ein Blick auf den Tourneeplan zeigt: Das Herbert Pixner Projekt kommt an. Etliche der vielen Konzerte in keineswegs kleinen Sälen sind bereits einige Zeit im Voraus ausverkauft, so auch der Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt. Das Quartett aus Tirol lockt zwar eher gesetztere als junge Generationen, gleichwohl wird das Ensemble schon beim Erklimmen der Bühne gefeiert wie Popstars. Die Begeisterung nach dem ersten Stück überwältigt die Akteure beinahe und zaubert ihnen ein noch breiteres Lächeln ins Gesicht. Die Euphorie des Publikums beruhigt sich im Lauf des Konzerts nur graduell, jedes Solo wird frenetisch bejubelt, sei es noch so kurz oder unbedeutend. Wer solche Fans hat, muss sich erst mal keine Sorgen machen.

          Bemerkenswert an der Erfolgsgeschichte ist die recht ungewöhnliche Besetzung des 2005 gegründeten Projekts. Herbert Pixner, 1975 in Meran geboren, ist ein Meister der steirischen diatonischen Harmonika, die wie ein Bandoneon oder eine Mundharmonika je nach Luftfluss verschiedene Töne erzeugt. Darüber hinaus setzt Pixner gefühlvoll Klarinette und Saxophon, Flügelhorn und Trompete ein, Letztere im Konzert nur mit Dämpfer. Den rund zwei Jahre jüngeren Kontrabassisten Werner Unterlercher lernte Pixner in Osttirol kennen, später begegneten sie sich am Innsbrucker Konservatorium wieder. Seitdem bildet Unterlercher das souverän-variable Fundament des Projekts, sorgt für Groove, befeuert mit Slap-Andeutungen oder streicht mit dem Bogen. Pixners Schwester Heidi steuert an der Harfe rhythmische oder romantische Kaskaden bei, Perkussion oder gar Schlagzeug gibt es nicht. Lediglich bei einigen Stücken des jüngsten Studioalbums „Summer“ verstärkt Michael Kurina am Cimbalon rhythmische Facetten des Projekts.

          Leichtigkeit trifft mitunter auf filmische Züge

          Seit rund sechs Jahren agiert Gitarrist Manuel Randi als Pixners Gegenpol, live noch entschiedener als im Studio. Im Lauf des Abends lässt Randi von Flamenco bis Rock eine Menge populäre Traditionen anklingen und trifft damit vermutlich noch mehr Hörgewohnheiten als Bandleader Pixner. Auf der klassischen Gitarre zeigt Randi neben spanischen Eskapaden auch rasante Jazzrock-Phrasierungen; mit der ebenfalls akustischen Sintigitarre nähert sich der Südtiroler französischem Manouche-Swing. Ebenso versiert wechselt Randi auf der E-Gitarre Sound und Spielweisen. Mal klar wie der spätere Eric Clapton, mal verzerrt und langtönig in der Ästhetik David Gilmours breitet Randi einen beachtlichen Zitatenkatalog aus. Auf die Spitze treibt er es mit einer Hardrock-Hommage in der augenzwinkernden Fusion von einem bayerischen Zwiefachen und Michael Jacksons „Dirty Diana“.

          Geschmackvoll intonieren Herbert Pixner und seine Partner folkloristische Popsongs ohne Worte. Die Melodien sind eingängig und werden bisweilen etwas zu oft wiederholt; Leichtigkeit trifft mitunter auf filmische Züge. Soli und ostentative Steigerungen bleiben knapp bemessen, perfekt eingespielte Dialoge und Improvisationen behaupten Emphase, gehen aber nie über ein sorgsam kontrolliertes Maß hinaus. Abstraktionen gehören nicht zum Konzept, hingegen schwelgerische Balladen, effektvolle Kabinettstückchen und suggestive Klänge. Etwa in „Breaking Bad“, das einen langen Marsch zur nächsten Tankstelle entlang einer süditalienischen Autobahn imaginiert. Wer mag, kann da in Pixners gedehnten Akkordeon-Tönen für Momente Verweise auf Piazzollas „Sur“ hören. Viel wichtiger für die Stimmung im Saal ist indes, dass Pixner zwischen den Stücken als charmanter Plauderer und Geschichtenerzähler unterhält. Ob wirklich witzig oder nur naheliegend, jeder Scherz wird belacht und beklatscht. Erwartungsgemäß feiert das dankbare Publikum das Quartett am Ende mit langem Applaus, Pfeifen und Johlen im Stehen.

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