https://www.faz.net/-gzg-rz03

: "Alles Prallerey von den Reichsstädten"

  • Aktualisiert am

Wieviele verschiedene Klänge sich dem zierlichen Tasteninstrument entlocken lassen, ist faszinierend: Mit fünf Hebelzügen kann der Spieler etwa einstellen, ob es einer Harfe, einem ungarischen Hackbrett oder ein Laute ähnlich klingen soll.

          2 Min.

          Wieviele verschiedene Klänge sich dem zierlichen Tasteninstrument entlocken lassen, ist faszinierend: Mit fünf Hebelzügen kann der Spieler etwa einstellen, ob es einer Harfe, einem ungarischen Hackbrett oder ein Laute ähnlich klingen soll. Sogar verschiedene Kombinationsmöglichkeiten dieser Varianten bieten sich. Und die Vorstellung, daß Wolfgang Amadeus Mozart ebendieses "Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe" gekannt haben muß, erhöht den Reiz noch. Denn das zwischen 1770 und 1780 vermutlich in Ulm gebaute Wunderinstrument befand sich ursprünglich im Besitz der Familie Morawitzky in München, mit der Mozart vor allem 1780/81 in engstem Kontakt stand.

          Zu sehen ist das Tafelklavier als eines von zahlreichen, nicht weniger interessanten und kostbaren Exponaten in der Ausstellung "Drei Generationen Mozart in Frankfurt", die morgen um 12.30 Uhr im Holzhausenschlößchen als gewichtiger Beitrag zum Mozart-Jahr eröffnet wird. Wie alle anderen Instrumente in der bis zum 24. Februar geöffneten Schau ist das aus der Sammlung von Michael Günther (Schloß Homburg am Main) stammende Tafelklavier auch bespielbar. Kennenlernen kann man der Klang verschiedener historischer Tasteninstrumente im Rahmenprogramm der Frankfurter Bürgerstiftung zum 250. Geburtsjahr des Komponisten in Gesprächskonzerten: Der Sammler und ausgebildete Musiker Michael Günther interpretiert am 24. Januar, am 7. Februar im Duo mit Ella Sevskaya und am 14. Februar mit Monika Frimmer (Sopran) und Peter Kooy (Bariton) jeweils um 19.30 Uhr unter anderem Werke des großen Jubilars.

          Gegliedert ist die Ausstellung, die von der an der Universität Frankfurt als Privatdozentin lehrenden Musikwissenschaftlerin Ulrike Kienzle im Auftrag der Bürgerstiftung konzipiert wurde, chronologisch in drei Teile: Es geht um die "Wunderkindreise", im Zuge derer Vater Leopold mit Wolfgang und seiner Schwester Nannerl 1763 zum ersten Mal nach Frankfurt kam, dann um Mozarts Aktivitäten zu den Krönungsfeierlichkeiten für Leopold II. im Jahr 1790 und schließlich um die dritte Generation, um Mozarts Sohn Franz Xaver, den 1820 eine Konzertreise hierher führte. Gezeigt werden Ansichten von alten, längst verschwundenen Frankfurter Häusern, Porträts der Familie Mozart, Bilder von Frankfurtern, mit denen sie in Kontakt stand, Reisenotizen, Handschriften, Erstdrucke und vieles mehr.

          Ein amüsantes Highlight darunter ist als Leihgabe des Historischen Museums die Inschrift, die Leopold Mozart als "Maitre de la Musique de la chapelle de Salzbourg" 1763 vermutlich mit einem Brillantring in das Fensterglas seines Domizils an der Bendergasse ritzte. Wenngleich er sich hier also verewigte, war der Maestro allerdings offenbar nicht besonders angetan von der Stadt: "Franckfurt ist eine altväterischer Ort", schrieb er in einem Brief nach Salzburg und zeigte sich überdies besonders vom Römer-Platz enttäuscht. Bei den Frankfurtern sorgten die Wunderkinder-Konzerte allerdings für Aufsehen: Auch der damals 14 Jahre Goethe war unter den Zuhörern und erinnerte sich noch in hohem Alter in einem Gespräch mit Eckermann an das Ereignis.

          Die zweite Frankfurt-Reise von Wolfgang Amadeus Mozart verlief zur Kaiserkrönung, ein Jahr vor seinem Tod, aus finanzieller Sicht unbefriedigender. Die erhofften Einnahmen aus den Aufführungen der Krönungskonzerte, von denen im Holzhausenschlößchen Erstdrucke zu sehen, blieben aus. Und in der Nähe des Komödienhauses am heutigen Ratenauplatz wohnte er, nach eigenem Zeugnis, in ein "Loch von einer Stube". Sein Fazit lautete daher: "Alles Prallerey was man von den Reichsstädten macht". GUIDO HOLZE

          Geöffnet bis 24. Februar: Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr, Sonntag von 11 bis 15 Uhr.

          Weitere Themen

          „Derzeit planen alle nur auf Sicht“

          Abschied von Stephan Pauly : „Derzeit planen alle nur auf Sicht“

          Stephan Pauly, der zum 1. Juli nach Wien wechselt, blickt auf achteinhalb erfolgreiche Jahre als Intendant der Alten Oper in Frankfurt zurück. Nicht nur Großprojekte wie „One Day in Life“ werden in Erinnerung bleiben.

          Topmeldungen

          Unruhen wegen George Floyd : Ausgangssperre in Los Angeles

          Die Gewalt in Amerika eskaliert. In Detroit wird ein Demonstrant erschossen, in Oakland ein Polizist. Minnesotas Gouverneur entschließt sich zu einem einmaligen Schritt – und Trump gießt weiter Öl ins Feuer. Er beschuldigt linke Gruppen, hinter den Unruhen zu stecken.
          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.