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Leben unter dem Hakenkreuz : Widerstand und Wegsehen

  • -Aktualisiert am

Selbstbewusste Ärztin: Lilly Curtius (1912 bis 2010) Bild: Privat Nikolaus Münster

Nikolaus Münster hat Licht ins Dunkel seiner Familiengeschichte gebracht. Das Buch „Acht Jahre Haft unter dem Hakenkreuz“ zeigt exemplarisch, wie die Nationalsozialisten ihre Gegner zu brechen versuchten.

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          Am erstaunlichsten in der an Wendungen überreichen Lebensgeschichte von Arnold Münster ist wohl die Grundlegung seiner wissenschaftlichen Laufbahn unter widrigsten Haftbedingungen. Acht Jahre lang hatten ihn die Nationalsozialisten eingesperrt, er litt unter Mangelernährung, die hygienischen Zustände spotteten jeglicher Beschreibung, seine Epilepsie verschlimmerte sich im Zuchthaus, ein sadistischer Anstaltsleiter tat alles, um ihn körperlich dermaßen zu erschöpfen, dass es ihm die Kraft für seine Studien der theoretischen Chemie und Physik nehmen sollte. Er brachte sie trotzdem auf. Und entwickelte in der letzten Phase seiner Gefangenschaft sogar eine Theorie, die in der Fachwelt sofort für Aufmerksamkeit sorgte. Und dafür, dass er vor noch Schlimmerem, womöglich einer Einweisung ins KZ bewahrt wurde, weil Heinrich Himmler höchstselbst ihn begnadigte.

          Der als Staatsfeind Verfemte wurde als Mitarbeiter eines Tuberkulose-Forschungsinstituts dringend gebraucht. Das war aber nicht das Ende seiner Pein. Ein Dreivierteljahr später, im Januar 1944, wurde er ins „Bewährungsbataillon 999“ eingezogen, zusammen mit anderen „Wehrunwürdigen“, wie das hieß. Vorher aber hat er Lilly Curtius, eine lebenslustige Medizinerin, Nichte des weithin berühmten Archäologen Ludwig Curtius, gefragt, ob sie ihn heiraten wolle. Sie war noch nicht ganz über ihre Beziehung zu einem durch und durch nationalsozialistischen Heidelberger Gynäkologen hinweggekommen, mit dem sie einen Sohn hatte. Ihre politische Unbekümmertheit bildet einen scharfen Kontrast zu Haltung und Leiden des Ex-Widerständlers. Und dass ihr Geliebter federführend in der „Eugenik“ und verantwortlich für zahlreiche Sterilisierungen vermeintlich „erbkranker“ Menschen war, während Arnold über viele Jahre die „Unfruchtbarmachung“ drohte, ist nur einer von etlichen Aspekten, die den Leser seltsam berühren. Lilly und Arnold wurden ein Paar.

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