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Amy Macdonald in Frankfurt : Abend der traurigen Ode

  • -Aktualisiert am

Neuerdings erblondet: Amy MacDonald Bild: Carlos Bafile

Mancher Zuhörer muss zwar mit ihrem heftigen schottischen Zungenschlag erst einmal warm werden. Aber ihr Witz mit Tiefgang kommt beim Publikum gut an, die Musik sowieso: Amy Macdonald plaudert und singt in Frankfurt.

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          Amy McDonald ist definitiv in Erzähllaune. Eindrücke, Geschichten und Anekdoten sprudeln nur so heraus aus der 31 Jahre alten schottischen Sängerin und Komponistin. Mancher Zuhörer muss zwar mit ihrem heftigen schottischen Zungenschlag erst einmal warm werden, und an die neue Haarfarbe – neuerdings ist McDonald nicht mehr dunkelhaarig, sondern blond – muss man sich auch erst gewöhnen. Aber der mit Witz und Tiefgang gepaarte Plauderton kommt enorm an beim Publikum.

          Plastisch schildert die Künstlerin aus dem Provinzkaff Bishopbriggs in East Dunbartonshire, wie großartig es sich anfühlte, als sie das erste Mal bei ihrer Plattenfirma in London vorsang und den Vertrag unterzeichnete. 2007 war das – wenig später eilte sie mit ihrem Debüt „This Is The Life“ im Turbogang erst in Großbritannien, wenig später auch im restlichen Europa die Karriereleiter hinauf. Eben noch Vorprogramm von Modfather Paul Weller, füllte sie selbst die europäischen Großhallen.

          Dabei blieb der Künstlerin kaum Zeit zum Atmen, geschweige denn, um zur Besinnung zu kommen und den eigenen Über-Nacht-Erfolg zu reflektieren. Und so denkt die mit dem schottische Fußballspieler Richard Foster verheiratete Macdonald laut darüber nach, wie oberflächlich und künstlich der ganze Starrummel doch sei. Heute noch hochgejubelt, morgen schon vergessen: Es wirkt authentisch, wenn sie über den falschen Glanz spricht.

          Viel Intimität

          Small Talk beherrscht Amy Macdonald auch. Aufgefallen seien ihr beim Spaziergang durch die Frankfurter City die zahllosen schicken Sportwagen auf den Straßen. Sie bekennt, dass sie sich heute zwar etwas abgespannt und müde fühle, aber die Besucherschar in der ausverkauften Alten Oper sie ja bestimmt anfeuern wird.

          „Woman Of The World“: Amy MacDonald in der Alten Oper

          Bei so viel Intimität gerät die dazu ausschließlich akustisch dargebotene Werkschau mit Material der vergangenen 12 Jahre fast schon zur Nebensache. Nachdem sie zu Beginn den neuen Song „Woman Of The World“, der auch der aktuellen Best-Of-Sammlung den Titel verlieh mit den gut abgehangenen Fanfavoriten „Spark“ und „Pride“ zusammengespannt hat, lässt sich schon einmal konstatieren: „Unplugged“ kann als Konzept auch ganz ohne den Musikfernsehsender MTV als Sponsor funktionieren.

          Denn ganz genauso wie das Marketinginstrument des Senders geht es in MacDonalds Show: Musiker an Cello, Violine, Gitarre und Kontrabass liefern Kammermusikalisches, ein Multiinstrumentalist wechselt zwischen Cajon, Mini-Schlagzeug, Mandoline und Klavier. Zum Teil komplett umgemodelte Arrangements vertrauter Lieder sorgen immer wieder für Überraschungen. Regelmäßig greift Amy MacDonald, deren Stimmtimbre nach wie vor klingt, als wäre sie in der künstlerischen Prägungsphase maßgeblich sowohl von Sinead O’Connor als auch von Dolores O’Riordan (The Cranberries) inspiriert worden, selbst zur Akustikgitarre. Perfekt mehrstimmige Gesangspassagen akzentuieren die hohe Professionalität ihres ohnehin ausgereiften Talents als Texterin und Komponistin zwischen Pop, Folk und Rock.

          Hit reiht sie an Hit

          Vor allem Balladeskes gibt den Ton an, rar sind dazwischen Muntermacher wie „Automatic“, „Mr. Rock And Roll“ und „This Is The Life“ gestreut. Dann erhebt sich jedes Mal das Publikum freudig erregt von den Sitzplätzen, klatscht im Takt und singt textsicher mit, in Erwartung von mehr – um gleich darauf mit einer weiteren traurigen Ode ausgebremst zu werden. „Prepare To Fall“ widmet sich der fatalistischen Mutter, „Left That Body Long Ago“ der einst so fröhlich-selbstlosen, in ihren letzten Lebensjahren dahinsiechenden Großmutter. Geradezu übermütig fröhlich gerät da zum Finale das sarkastische Märchen über den „Poison Prince“.

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