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60 Jahre Fluxus : Ohne Worte

  • -Aktualisiert am

Netzwerk vor dem Netz: Karten und Shiomis Lageplan Bild: Bernd Fickert

Schreib etwas auf eine Karte, und sag mir, wo sie liegt: Mit Mieko Shiomis poetischer Mail Art feiert das Museum Wiesbaden das sechzigjähre Jubiläum der Kunstströmung Fluxus.

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          An Entfernung darf ein Dialog nicht scheitern, fand Mieko Shiomi schon lange, bevor die Welt das Internet kannte. Über ihre „Spatial Poems“ knüpfte die 1938 im japanischen Okayama geborene Komponistin Mitte der Sechzigerjahre Kontakt zu ihr teilweise wildfremden Menschen in aller Herren Länder. Dafür verschickte sie Handlungsanweisungen, die kurz und klar waren, ihren Empfängern bei der Ausführung aber größtmöglichen Spielraum ließen. Beispielsweise bat sie darum, ein Wort auf eine Karte zu schreiben, die Karte danach an einem beliebigen Ort zu deponieren und ihr den Ort zu nennen. Verbunden war die Aufforderung mit ihrem Versprechen, den Punkt auf einer Weltkarte zu markieren.

          In neun solcher Aktionen vernetzte Shiomi sich zwischen 1965 und 1975 mit der Welt und zementierte damit zugleich ihre Bedeutung für die Fluxus-Bewegung, die gängige Genredefinitionen ignorierte und den Fokus weniger auf ein fertiges Objekt, sondern auf das Prozesshafte, buchstäblich Flüchtige richtete. Mit der avantgardistischen Kunstströmung war sie Anfang der Sechzigerjahre in Berührung gekommen, als sie in Tokio Nam June Paik getroffen hatte und von George Maciunas nach New York, ins Auge des Fluxus-Orkans, eingeladen worden war.

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