https://www.faz.net/-gzg-9qfxj

40 Jahre English Theatre : Solch ein Theater

Unter dem Namen Café Theater startete vor 40 Jahren die Geschichte des English Theatre. Bild: Lucas Bäuml

Vom Hinterhof zur größten englischsprachigen Bühne auf dem europäischen Festland, zwischenzeitlich Insolvenz und Umtaufe: Das English Theatre Frankfurt wird 40. Und die neue Spielzeit beginnt.

          3 Min.

          Der Vorhang erhebt sich, die Bühne belebt sich, und der Blick fällt auf – Clowns. Die Cardboard Clowns. Diesen Namen hatte sich ein kleines Schauspieler-Ensemble gegeben, das Mitte der siebziger Jahre unter Leitung des Südafrikaners Kevin Oakes in Frankfurt begann, Theaterstücke in englischer Sprache aufzuführen. Oakes und die Amerikaner Jon Johnson, Mary Jackson und Ken Elrod hatten damit aber nicht die damals noch zahlreich in der Stadt ansässigen amerikanischen Militärangehörigen als Publikum im Visier, zumal die Army mit dem Frankfurt Playhouse ohnehin ein eigenes Theater unterhielt. Die Cardboard Clowns wollten vielmehr jeden ansprechen, der sich für englischsprachige Autoren interessierte. Sie lockten damit nicht nur neugierige deutsche Besucher, sondern auch einige Muttersprachler, die sich gleich zum Mittun entschlossen. So stieß etwa die aus New York stammende Schauspielerin Judith Rosenbauer zu der Truppe, die in ihren Anfangstagen in einem Café in der Brückenstraße in Sachsenhausen aufspielte und statt Eintritt zu erheben den sprichwörtlichen Hut herumgehen ließ.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Sommer 1979 löste sich das ursprüngliche Ensemble zwar auf, doch setzten einige Schauspieler unter Leitung von Rosenbauer, Keith LeFevre und Darryl Lockwood im September desselben Jahres die Arbeit fort, nun eingedenk des Auftrittsorts unter dem Namen Café Theater. Schon im Oktober stand die erste Premiere an, Sam Shepards „Angel City“, eine deutsche Erstaufführung. „Es war eine sehr reduzierte Inszenierung. Wir hatten ja nur wenige Requisiten und in dem Café ohnehin kaum Platz“, erinnert sich Keith LeFevre heute an die Anfangstage, die vom Enthusiasmus der Beteiligten getragen waren. Außer Shepard bot das Ensemble in seiner ersten Spielzeit unter anderem noch „Zoo Story“ von Edward Albee und „The Dumbwaiter“ von Harold Pinter.

          „Wir lebten stets am Existenzminimum“

          Eine Mischung aus „Avantgarde und Klassiker“ nennt LeFevre als Kriterium für die Stückeauswahl, die stets von wilden Diskussionen innerhalb des Ensembles begleitet war. „Wir hatten immer Streitereien über das Programm“, sagt LeFevre im Gespräch und muss dann lachen: „Weil ich meistens der Regisseur war, konnte ich schon ein bisschen bestimmen.“ Zum Lachen war LeFevre und dem Café Theater aber nicht immer zumute.

          „Wir lebten stets am Existenzminimum, jeder hatte noch andere Jobs, um überhaupt durchzukommen“, erzählt der Amerikaner, der einst als Soldat nach Deutschland gekommen war. 1982 zog LeFevre erschöpft die Konsequenz und verließ das Ensemble. Dem Theaterleben schwor er aber nicht ganz ab. Seit 1990 leitet er die Theaterprojekte an der renommierten Privatschule Schloss Salem in Überlingen. Den Werdegang seines alten Ensembles hat er gleichwohl nie aus den Augen verloren.

          Judith Rosenbauers amerikanischer Heimat folgend

          Einen ersten Umzug des Theaters hatte er sogar noch selbst miterlebt. In Bockenheim, in der Hamburger Allee, hatte das Ensemble 1981 größere Räumlichkeiten gefunden und mit dem Wegzug von Sachsenhausen auch seinen Namen zurückgelassen. Fortan nannte es sich English Theater Frankfurt, in der Schreibweise jener in Judith Rosenbauers amerikanischer Heimat folgend.

          Weitere Themen

          Blut will fließen

          English Theatre : Blut will fließen

          Gründlich rasiert: Das English Theatre Frankfurt zeigt das Musical „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ von Stephen Sondheim.

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Topmeldungen

          Bevölkerungswachstum : „Ein politisch heikles Thema“

          Die Demographie-Forscherin Alisa Kaps über die Weltbevölkerungskonferenz, schwierige Gespräche mit afrikanischen Regierungschefs, Gegenwind von Abtreibungsgegnern und darüber, wie Rechtspopulisten das Thema Bevölkerungswachstum besetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.