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125 Jahre S. Fischer : Der Traum vom guten Buch für jedermann

Auf der Terrasse: Samuel Fischer (links) mit Familie und Freunden in seinem Berliner Haus, um 1909. Bild: Archiv S. Fischer Verlag

Heute erinnert ein Festakt im Kaisersaal an den 125. Jahrestag der Gründung des S. Fischer Verlags. Die Geschichte des Unternehmens, das seit mehr als sechzig Jahren in Frankfurt ansässig ist, war bewegt.

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          Hätte Samuel Fischer nicht den Staub der Kleinstadtheimat von den Füßen schütteln wollen, gäbe es heute im Römer nichts zu feiern. Aus dem heute slowakischen Sankt Nikolaus in der Liptau hatte sich der Sohn deutschsprachiger Juden erst nach Wien, dann nach Berlin aufgemacht. Dort arbeitete sich der junge Mann aus der österreichisch-ungarischen Provinz über kaufmännische Abendkurse zum Verlagsangestellten hoch. 1886 machte er sich in der wirtschaftlich prosperierenden Hauptstadt des Deutschen Reiches selbständig. Anfang September jenes Jahres gab er im „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“ die Gründung des nach ihm benannten Verlags bekannt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1934 machte er das Unternehmen zur ersten Adresse für deutschsprachige Schriftsteller.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Thomas Mann war Samuel Fischer in der Rückschau der Mann, der Wünsche wahr macht: „Ich war ein elfjähriges Kind, als er in Berlin seinen Verlag gründete. Zehn Jahre später war es der Traum jedes jungen Literaten, ein Buch bei S. Fischer zu haben, und meiner auch.“ Manns erstes Buch bei Fischer erschien 1898, seine „Buddenbrooks“ gehörten später zu den größten Erfolgen des Verlags, an dessen 125. Gründungstag heute in Frankfurt mit einem Festakt im Kaisersaal erinnert wird.

          Als Exilverlag Bücher veröffentlicht

          Auch das „Börsenblatt“, in dem Fischer seine Gründung annoncierte, gibt es, wie den Verlag, noch heute. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erscheint es in Frankfurt. Dorthin verschlug es in der Nachkriegszeit auch Samuel Fischers Erben, seine Tochter Brigitte und ihren Mann Gottfried Bermann Fischer. Sie hatten, wie zahlreiche Autoren des Verlags, vor den Nationalsozialisten fliehen müssen und waren 1936 mit Teilen des Verlags ins Exil gegangen. Mit sich nahmen sie die Rechte an den Titeln der in Deutschland verbotenen Autoren Mann, Hugo von Hofmannsthal, Carl Zuckmayer, Alfred Döblin und anderen. In Wien gründeten sie den Bermann Fischer Verlag, flohen 1938 weiter nach Italien, von dort aus in die Schweiz, nach Schweden und in die Vereinigten Staaten. Als Exilverlag, der in Deutschland keine Bücher mehr auf den Markt bringen konnte, veröffentlichte Bermann Fischer von Stockholm und Amsterdam aus Stefan Zweig und Franz Werfel sowie 1947, schon nach dem Krieg, Thomas Manns „Doktor Faustus“.

          Um Autoren wie Hermann Hesse, die in Deutschland noch gedruckt werden durften, hatte sich von Berlin aus unterdessen Peter Suhrkamp gekümmert, der seit 1933 dem Verlagsvorstand angehörte. Ihm hatten die Bermann Fischers die Geschäfte übergeben, er musste den Verlag auf Druck des Propagandaministeriums in „Suhrkamp Verlag vormals S. Fischer“ umbenennen, später hatte auch der auf den Gründer und seine Familie hinweisende Zusatz zu entfallen.

          Noch im ersten Frankfurter Jahr begann der Verlag mit der Herausgabe der Werke Franz Kafkas

          Nach dem Krieg gehörten die Bermann Fischers zu den Exilanten, die es nach Deutschland zurückkehrten. Dort standen sie und Suhrkamp, der gegen Kriegsende mehrere Monate in Konzentrationslagern gefangen gehalten worden war, vor einer komplizierten Rechtslage. In Berlin hatte Suhrkamp 1945 mit Lizenz der Besatzungsmächte den „Suhrkamp-Verlag“ gegründet, ein Jahr später in Frankfurt den „Suhrkamp Verlag vormals S. Fischer“. Für den Exil-Teil des alten Fischer-Verlags waren derweil noch immer Stockholm und Amsterdam Verlagssitz. Erst 1950 machten Suhrkamp und Gottfried Bermann Fischer reinen Tisch. Suhrkamp zog sich aus seinen Nachkriegsgründungen zurück und fing in Frankfurt als Verleger des Suhrkamp-Verlags neu an. Die von ihm seit Jahren betreuten Autoren konnten wählen, ob sie zu Fischer oder Suhrkamp gehören wollten, mit ihm gingen neben anderen Hermann Hesse und Bertolt Brecht.

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