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Künstlerpaar : Heute Mozart, morgen Wagner

  • -Aktualisiert am

Mit einigen Künstlern des Opernhauses sind die Kinder mittlerweile sehr vertraut, weil sich die Ensemblemitglieder untereinander immer mal wieder bei der Kinderbetreuung aushelfen. Auch die Tochter des Sängerkollegen Peter Marsh verbringt gelegentlich als Babysitterin einen Abend bei den beiden Jungs. Unterstützung erhalten Ryberg und Bailey außerdem von der eigenen Familie. Erst kürzlich sind Baileys Eltern von einer englischen Kleinstadt in die ehemalige Wohnung des Paares nach Sachsenhausen gezogen. „Wir wollten raus aus der Großstadt“, sagt er, „und sie wollten das Gegenteil.“ So können auch die Großeltern mal bei den Kindern sein, während das Paar gemeinsam auf der Bühne steht.

Die prägendste Rolle

Für die Oper „L’Étoile“ ist das im März wieder der Fall. In der Rolle des trinkfreudigen Astrologen Siroco in Emmanuel Chabriers Opera comique habe er sich selbst von einer ganz neuen Seite kennengelernt, erzählt Bailey: „Endlich weiß ich, wie mir ein Gesicht aus Latex, lange Locken und die riesigen Füße eines Trolls stehen.“ Neben sieben kleineren und titelgebenden Rollen in Frankfurt, darunter die Hauptfigur in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, absolviert Bailey in dieser Saison auch Gastauftritte an unterschiedlichen Häusern. Diese Möglichkeit verdankt er dem Einsatz des zum Opernhaus gehörenden Künstlerbetriebsbüros. „Wir sind fest angestellt, aber wir werden nicht festgehalten.“

Für Ryberg, die Erfahrung mit vielen Mozart-Partien gesammelt und Figaros Verlobte schon an mehreren Häusern gegeben hat, ist die Rolle der Susanna die wohl prägendste ihrer bisherigen Karriere. Interessant sei diese Figur, stark, pfiffig und vergebend. „Sie ist mir sehr ähnlich“, sagt Ryberg und schaut in Richtung ihres Mannes. Privat schlüpfe er manchmal auch in die Bühnenrolle und bringe ihr das Frühstück ans Bett, sagt die Sopranistin, die in dieser Spielzeit auch in Händels „Teseo“ auf der Frankfurter Bühne stehen wird.

Das darstellerische Können werde immer wichtiger

So verlockend einzelne Charaktere seien - die Vielfalt der Rollen sei ihm wichtiger, sagt Bailey. „Heute Mozart, dann Wagner, dazwischen Händel, Rossini oder Strawinsky, das ist für mich das Größte.“ Unerwartet viel Vergnügen habe es ihm bereitet, den Teufel zu verkörpern, sagt er, etwa als Méphistophélès in Berlioz’ „Fausts Verdammnis“. „Das Publikum mag diese ,bad guys‘ einfach.“ Der Part des Hans Sachs in den „Meistersingern von Nürnberg“steht unterdessen noch auf seiner Wunschliste.

Für den Beruf des Opernsängers werde das darstellerische Können immer wichtiger, sagt Ryberg, die ursprünglich Schauspielerin werden wollte und auf der Bühne heute beide Disziplinen, Gesang und Charakterspiel, vereint. Ob sie als Schauspiellehrerin ihrem Mann kritisch zur Seite steht? Er räuspert sich. Dann legt sie ihm eine Hand auf die Schulter und sagt: „Ach, an dir gibt es doch gar nichts zu kritisieren.„

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