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Künstler in Frankfurt : Zusammen ist man weniger allein

Räume der Kunst: Blick in die Ausstellung von Claus Richter mit dem Werk „Rats, 2009“ Bild: Wonge Bergmann

Gehen wirklich alle Künstler nach Berlin? Das hat man lange befürchtet. Frankfurt und die Region bieten nicht gerade günstige Bedingungen für Ateliers. Doch es hat sich einiges getan.

          Die Künstler“, pflegte Jean-Christophe Ammann zu sagen, „die Künstler sind das Salz in der Suppe.“ Und wollte damit keineswegs nur ein wenig jene streicheln, die Frankfurts Kulturszene vielleicht mehr als alles andere ausmachen. Für Ammann, den 2015 verstorbenen langjährigen Direktor des Museums für Moderne Kunst, war es vielmehr Ausdruck einer Haltung. Und ein Appell in einer Zeit des großen Klagens. „Arm, aber sexy“, hieß es über das Berlin der Nullerjahre, und da war ganz offensichtlich etwas dran.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die neue Hauptstadt war hip und bunt und international, vor allem aber war das Leben hier, waren Wohnungen und Ateliers, Brachen und leerstehende Fabriketagen nicht nur reichlich vorhanden, sondern auch für kaum die Hälfte der Frankfurter Preise zu bekommen. Scharenweise, hieß es damals, zögen etwa die Absolventen der Frankfurter Städelschule und der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) nach Berlin, und nirgends, so schien es, war man darauf vorbereitet. Mehr noch, man sah darin lange kein Problem. Sicher, Frankfurt hat schon seit 1990 ein städtisches Atelierprogramm. Und heute fördert die Stadt 48 Arbeitsräume an unterschiedlichen Standorten, etwa in der Paradiesgasse oder der Schmickstraße, für die das Kulturamt rund 280.000 Euro im Jahr aufwendet.

          Atelierhaus im alten Polizeipräsidium

          Es unterhält Gastateliers und ein Austauschprogramm, richtet jetzt im Atelierhaus Ostparkstraße eine allen Künstlern offenstehende Druckwerkstatt ein und hat nicht zuletzt vor neun Jahren die äußerst erfolgreichen „Open Doors“ initiiert. Ein Event, mag sein. Aber die mittlerweile als „Frankfurter Ateliertage“ firmierende Veranstaltung mit mehr als 300 offenen Studiotüren, die durch den „FAT-Award“ zusätzlich aufgewertet wurde, ist auch ein Indiz für ein gewachsenes Interesse daran, was Künstler überhaupt den lieben langen Tag so machen. Es ist noch gar nicht allzu lange her, da war das offenbar noch anders. Das nächste Mal finden die Ateliertage im Sommer 2017 statt.

          Im Grunde, sagt etwa Susanne Kujer, seit zehn Jahren Referentin für Bildende Kunst im Frankfurter Kulturamt, habe das Thema einfach lange nicht so im Fokus gestanden. Bis auf die Künstler selbst interessierte es womöglich auch nicht wirklich. Und umgekehrt wurde auch nicht sonderlich gewürdigt, was die Stadt schon damals leistete. Bis sich allenthalben Runde Tische, Diskussionen und Symposien häuften, wie denn die Kreativen in der Stadt zu halten seien. Allein, das dauerte. Und also nahm die Szene die Dinge in die eigenen Hände. Es war der - mittlerweile selbst nach Berlin verschwundene - Architekt Jörg Siedel, der 2004 mit dem Atelierfrankfurt (www.atelierfrankfurt.de) als Erster ein „Zentrum für zeitgenössische künstlerische Prozesse“ ins Leben rief.

          Ein offenes, von einem Verein getragenes Haus im alten Polizeipräsidium sollte das neue Atelierhaus werden, das nicht nur 45 Arbeitsräume bot, sondern auch ein Ort des Austauschs sein wollte für Künstler aller Disziplinen und nicht zuletzt als Raum für Wechselausstellungen, für Vorträge, Party und Musik, ein öffentlicher Ort. Auch die Freitagsküche war hier an der Hohenstaufenstraße eine Weile zu Hause. Bis das Haus verkauft und abgerissen wurde. Unterdessen hatte die im Umfeld der Offenbacher Hochschule für Gestaltung entstandene Initiative Raumpool ein Konzept für Zwischennutzungen entwickelt, wie es in der Off-Szene damals gang und gäbe war.

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