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Künstler in der Krise : Theater ist gut fürs Gemüt

Bessere Zeiten: die Burgspielschar Burgholzhausen bei einer Aufführung aus der vergangenen Saison Bild: Burgspielschar Burgholzhausen

Künstler hoffen derzeit auf finanzielle Unterstützung seitens der Politiker. Dabei gilt es zu verhindern, dass das kulturelle Angebot nicht unter der Last der Corona-Krise zusammenbricht.

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          Statt Sitzproben, Leseproben und Bühnenproben gibt es neuerdings auch Computerproben – nicht nur bei den „hannemanns“ in Kronberg. Allein 15.000 Laien spielen in den hessischen Amateurtheatern, die im Verband organisiert sind. Insgesamt dürften es noch deutlich mehr sein. So wenig wie die professionellen Künstler werden die Amateure derzeit in Beschlüssen und Verordnungen als „systemrelevant“ betrachtet: Wo die freischaffenden professionellen Künstler weiterhin beklagen, dass außer Spendenprojekten und der sogenannten Grundsicherung selbst für die erfolgreichen Entrepreneure unter den Künstlern keine Hilfsgelder aus Sofortmaßnahmen zur Verfügung stehen, hoffen auch die Laien darauf, dass die Politik ihnen zur Seite springt.

          Schließlich werden auch in diesem Segment beträchtliche Summen durch Eintrittsgelder, Saalmieten und Technik umgesetzt, in vielen, gerade kleineren und ländlichen Kommunen sind die Amateurtheater feste Größen in Kultur und Freizeitgestaltung. Und oft sind die Grenzen zwischen Amateur- und Profiarbeit fließend, fangen spätere professionelle Künstler in Amateurgruppen an, und die Regie-, Dramaturgie- und Stückaufträge dort sind für viele freischaffende Künstler eines der Standbeine für ihre Existenz. Dass derzeit noch völlig unklar ist, ob und wie, selbst in Freiluftbühnen, in diesem Sommer noch gespielt werden kann, legt ein Stück kulturellen Basisangebots lahm.

          Der Austausch am Bildschirm bei den Computerproben sei wichtig fürs Gemüt, sagt die Regisseurin der „hannemanns“. Lebendiges Theater spielen und sehen ist erst recht gut fürs Gemüt. Es gilt zu verhindern, dass das Angebot, der Laien wie der Profis, nicht unter der Last der Corona-Krise zusammengebrochen ist, wenn die Gemüter nach der sozialen Distanz wieder dringend der Theater bedürfen.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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