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Türkische Nationalisten : Warten auf die Kronzeugen im Osmanen-Prozess

  • Aktualisiert am

Mitglieder der verbotenen Gruppierung „Osmanen Germania“ steht wegen zahlreicher Delikte vor Gericht. Bild: dpa

Seit sieben Monaten stehen führende Vertreter der verbotenen Osmanen Germania in Stuttgart vor Gericht. Die Aussagen von Kronzeugen könnten den nötigen Schwung geben.

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          Der Prozess gegen mutmaßliche Führer der verbotenen türkisch-nationalistischen Straßengang „Osmanen Germania BC“ vor dem Landgericht Stuttgart zieht sich. Erst im Februar kommt voraussichtlich wieder Bewegung in das Verfahren. Dann soll ein Hauptzeuge und zugleich Hauptbeschuldigter aus der Türkei zur Aussage nach Stuttgart eingeflogen werden. Dem Kronzeugen im Fall der blutigen Folter eines abtrünnigen Osmanen in Herrenberg bei Stuttgart sei freies Geleit zugesichert worden, hieß es bei Gericht, wenn er im Prozess gegen seine acht ehemaligen Brüder aussagt. Unter den Angeklagten sind auch der selbst ernannte „Weltpräsident“ und sein „Vizepräsident“, die von Südhessen aus agierten.

          Die Vorwürfe reichen von versuchtem Mord über versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Zuhälterei bis zu räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung sowie Waffen- und Drogendelikten. Die rockerähnliche Gang war im Juli wegen Gefährdung der Allgemeinheit bundesweit verboten worden.

          Schwerste Vorwürfe vor dem Landgericht sind ein Überfall auf einen Kurden in Ludwigsburg und das brutale Vorgehen gegen ein abtrünniges Mitglied in Herrenberg 2017. Dem einstigen Chef der Osmanen im hessischen Gießen wurden dabei laut Anklage Zähne ausgeschlagen. Ihm wurde in den Oberschenkel geschossen und er wurde bis zur Bewusstlosigkeit getreten. Die Patrone sei ohne Betäubung aus dem Bein geholt worden. Das Bestrafungskommando hielt ihn tagelang gefesselt fest. Vor allem zu diesem Fall könnte der Kronzeuge Ende Februar als mutmaßlicher Mittäter aussagen.

          Ermittlung gegen 25 „Osmanen“

          Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt - davon unabhängig - gegen 25 Osmanen. Es geht um den Verdacht der Verabredung zu einem Verbrechen, um räuberische Erpressung und Raub sowie um Verstöße gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz, wie Oberstaatsanwalt Robert Hartmann am Donnerstag in Darmstadt sagte. Der Komplex werde voraussichtlich Anfang 2019 abgeschlossen sein. Derzeit würden noch Zeugen vernommen und Beschlagnahmtes ausgewertet. Im November 2016 und im Juni 2017 hatte es bundesweite Durchsuchungen bei den Osmanen gegeben, darunter auch in Hessen.

          Der ehemalige „Weltpräsident“ sitzt inzwischen nicht mehr in Stuttgart, sondern in Darmstadt in U-Haft. Dem 47 Jahre alten Türken werde zusammen mit acht Mittätern Diebstahl von Paletten und Gitterboxen in 67 Fällen vorgeworfen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Dies habe allerdings nicht direkt etwas mit den Osmanen zu tun, nicht alle Angeklagten hätten einen Bezug zu der Gruppe. Das Landgericht hat die Anklage noch nicht zugelassen, mit einem Prozess ist erst 2019 zu rechnen.

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