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Kritik von Pädagogen : Rechtsextremismus fehlt in Lehrplänen

  • -Aktualisiert am

Sollten in Lehrveranstaltungen besser geschult werden: angehende Sozialarbeiter (Symbolbild) Bild: Helmut Fricke

Der Studientag „Rechtextremismus“ an der Frankfurter University of Applied Sciences will über die Prävention und den Umgang mit rechter Hetze aufklären. Dabei wird auch Kritik an der Ausbildung von Sozialarbeitern laut.

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          Jugendhelfer sollten sich deutlich stärker mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigen und dafür ausgebildet werden. Das ist eine der zentralen Forderungen von Experten beim ersten Studientag zum Thema „Rechtsextremismus“ an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS). „Es gibt deutschlandweit keine feste Verankerung in den Lehrplänen“, sagte Professor Nikolaus Meyer von der privaten Hochschule IUBH, der den Studientag mit organisiert hatte. Zudem seien rechte Akteure vermehrt an politischen und finanziellen Entscheidungen beteiligt, die die Arbeit von Pädagogen und Sozialarbeitern unmittelbar beträfen. Der Bedarf, sich stärker mit Rechtsextremismus zu beschäftigen, war offenbar groß: Mehr als 400 Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit aus ganz Deutschland nahmen an der zweitägigen Tagung in der vergangenen Woche teil.

          „Die Neue Rechte, das sind keine Dummköpfe, sondern wir haben es mit einer neuen historischen Figur zu tun, dem Rechtsintellektuellen“, sagte der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zur Eröffnung der Veranstaltung. Es sei wichtig, sich früh mit den Lebenswelten von Rechtsextremen auseinanderzusetzen. Die Identitäre Bewegung, die Brumlik als Beispiel nannte, wolle den Nationalstaat ethnisch schließen, Migration verhindern und den Islam bekämpfen.

          „Dass Auschwitz sich nicht wiederholt“

          Die Bewegung sei einzigartig, da sie im Vergleich zu den Nationalsozialisten der dreißiger Jahre eine Politik des gelassenen Widerstandes verfolge. Denn ihr oberstes Gebot sei nicht, das eigene Volk als wertvoller zu erachten als andere, sondern es in seiner Reinheit zu bewahren. „Es geht den Identitären nicht um einen expansiven, sondern um einen defensiven Ethnonationalismus“, sagte der Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität. Aufmärsche und charismatische Führungspersönlichkeiten spielten dabei eine geringere Rolle.

          Um ihre Ziele zu erreichen, nehme die Neue Rechte auch die Ablehnung der Menschenrechte in Kauf. Hier müsse die Pädagogik in der Tradition von Theodor Adorno anknüpfen: Ziel aller Pädagogik müsse es demnach sein, „dass Auschwitz sich nicht wiederholt“. Wer dies infrage stelle, verstärke die Bedrohung, der man sich entgegenstellen müsse, sagte Brumlik.

          Konzepte für den Umgang mit Rechtsextremismus

          Für die Macher des Studientags heißt das: Aufklärung über und Prävention von Rechtsextremismus sollten feste Bestandteile der Aus- und Fortbildung von Akteuren in der Sozialen Arbeit sein. Der Studientag sei als Aufforderung an Lehrende zu verstehen, entsprechende Inhalte in ihre Vorlesungen zu integrieren. „Sonst müssen Studierende das einfordern“, sagte Professorin Marie-Elenora Karsten von der Leuphana-Universität Lüneburg während einer Podiumsdiskussion.

          Zuvor hatten die teilnehmenden Studenten in Workshops und Arbeitsgruppen konkrete Konzepte für den Umgang mit Rechtsextremismus erarbeitet. Dazu gehörten Workshops zur Selbstdarstellung der Neuen Rechten, da diese sich oft als junge Bewegung präsentiere und mit Hilfe von Nachwuchsorganisationen versuche, junge Menschen für völkische und nationalistische Perspektiven zu gewinnen. Dieses neofaschistische Angebot müsse mit digital sichtbaren Gegenangeboten begegnet werden, sagte ein Student, der die Ergebnisse eines Workshops präsentierte.

          Werde ein Jugendlicher betreut, der aus der rechten Szene aussteigen wolle, müsse dies als Distanzierungsprozess verstanden und behandelt werden. Die Arbeit setze Langfristigkeit und Kontinuität voraus, um Erfolge zu erzielen. Berührungspunkte mit rechten Positionierungen gebe es auch innerhalb von professionellen Teams der Sozialen Arbeit. Das Feld brauche Haltung, Wissen und eine gute Vernetzung von Kollegen, um mit rechten Tendenzen – auch innerhalb des eigenen Feldes – umzugehen.

          Während der Tagung gab die Band „Strom und Wasser“ am Donnerstagabend eins von 100 Konzerten in 100 Städten, mit denen die Musiker eine Million Euro zur Unterstützung von Jugendzentren in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sammeln wollen. Mit der Tagung „Rechtsextremismus“ sei es nicht getan, sagte Organisator Meyer. „Zwei Tage reichen nicht.“ Er wünsche sich eine ähnliche Veranstaltung im Abstand von ein oder zwei Jahren, und das immer in einer anderen Stadt.

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