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Wasserversorgung Frankfurt : Wasser – Protest – Marsch

Angezapft: Bundestagsabgeordnete Bettina Müller, Bürgermeister Heiko Stock aus Lauterbach, Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab und Unternehmer Wolfgang Schleich aus Gedern (von links) demonstrieren am Römer. Bild: Helmut Fricke

Frankfurt bezieht ein Drittel seines Trinkwassers aus dem Vogelsberg und aus Mittelhessen. Mit einer ungewöhnlichen Aktion machen Politiker auf die Folgen aufmerksam.

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          Frisches Quellwasser für alle. Auf dem Lastwagen, der am Römerberg die Passanten versorgt, prangen Plakate mit idyllischen Naturaufnahmen. Eines trägt die Aufschrift: „Heile Welt im Vogelsberg“. Doch so heil ist die Welt dort nicht mehr. Die Region, die seit rund 100Jahren zu den großen Wasserlieferanten Frankfurts und des gesamten Rhein-Main-Gebiets zählt, fürchtet, dass Frankfurt weiter wächst, während die Kommunen im Vogelsberg und in der Wetterau die Lasten tragen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir machen uns Sorgen um unseren Naturraum“, sagt Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD), die für die Aktion gestern nach Frankfurt gekommen ist. Sie sei besorgt, weil Frankfurt gleich an mehreren Stellen Verkehrswege und Gewerbegebiete plane, wo sich eigentlich Brunnen und Trinkwasserschutzgebiete befänden. Das sei an mehreren Stellen im Stadtwald der Fall, aber auch in Praunheim kollidiere ein Trinkwasserbrunnen mit den Plänen der Stadt zur Regionaltangente West und zum geplanten Gewerbegebiet Nördliche Heerstraße.

          Wasser in Vogelsberg teurer als in Frankfurt

          Für Schaab zeichnet sich wegen dieser Pläne der Stadt ab, dass vermutlich schon bald städtische Brunnen geschlossen werden. Die Bürgermeisterin hat errechnet, dass auf diese Weise fast die Hälfte des Anteils auf dem Spiel stehe, den Frankfurt aus eigenen Quellen gewinne. Ersatz für das dann fehlende Trinkwasser müsste aus dem Vogelsberg oder sogar aus Mittelhessen kommen. Dabei zeigten sich selbst dort schon die ersten Folgen des Klimawandels. Auch im Vogelsberg leide die Grundwasserversorgung unter den langen und trockenen Sommern.

          Die Kommunalpolitikerin aus dem Vogelsberg ärgert sich zudem darüber, dass ihre Bürger für den Kubikmeter Trinkwasser mehr zahlen müssen als die Frankfurter. In Schotten zahle man doppelt so viel wie in der Metropole. Darüber hinaus seien die Kommunen durch die vielen Schutzgebiete in ihrer Entwicklung stark eingeschränkt. Schaab und mit ihr die gesamte Schutzgemeinschaft Vogelsberg fordern deshalb einen finanziellen Ausgleich für die Lieferungen in die Großstadt.

          „Wir haben einfach Angst“

          Auch der Bürgermeister der Wetterau-Stadt Nidda, Hans-Peter Seum, verfolgt skeptisch die Frankfurter Stadtplanung. Seine Stadt habe in den siebziger Jahren stark unter den zu großen Trinkwasserentnahmen gelitten, sagt der parteilose Politiker. Das damals neugebaute Hallenbad habe sofort Risse bekommen.

          Ihm sei erst kürzlich attestiert worden, dass eine Sanierung unrentabel sei. Gleichzeitig fehle der Kommune aber das Geld für ein neues Bad. „Wir haben einfach Angst“, sagt Seum, dass künftig noch mehr Wasser entnommen werde und dass dann die Probleme alle wieder auftreten könnten. „Die Trinkwasserentnahme muss nachhaltig sein“, fordert er und kritisiert, in Frankfurt würden mit gutem Trinkwasser Autos gewaschen, statt dafür Brauchwasser zu nutzen.

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