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Horst-Schmidt-Kliniken : „Weniger Hände, weniger Hygiene“

Die „eklatanten Missstände“ seien hier auf fehlendes Personal zurückzuführen: die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden Bild: dpa

Die Horst-Schmidt-Kliniken stehen weiter in der Kritik, nachdem sich Frühchen mit Krankenhauskeimen angesteckt haben. Das Gesundheitsamt und die Gewerkschaft haben für die Missstände eine Erklärung.

          3 Min.

          „Allen Kindern geht es gut.“ Das haben die Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) gestern mitgeteilt. Wie berichtet, war auf der Haut von neun Frühgeborenen bei Routinetests der multiresistente Erreger MRSA entdeckt worden. Nach den Angaben der Geschäftsführung zeigt nach wie vor keiner der Säuglinge Krankheitssymptome. Weitere Frühgeborene nimmt die Klinik derzeit nicht auf.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Woher der Keim kommt, ist nach wie vor unklar. Die Eltern und alle Mitarbeiter wurden mit einem Mund-Rachen-Abstrich getestet. Auch medizinische Geräte und die Umgebung wurden untersucht. „Auf die Ergebnisse müssen wir noch einige Tage warten“, hieß es gestern.

          MRSA ist ein Hautkeim, der im Falle einer Infektion schwer zu behandeln ist, weil er auf viele Antibiotika nicht reagiert. Er wird im Wesentlichen durch Hände und Flächen übertragen. „Die Händehygiene ist die wichtigste Maßnahme, um die Weiterverbreitung zu verhindern“, sagt Ursel Heudorf.

          Die Antwort der Klinik auf die Kritik

          Die stellvertretende Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamtes steht gleichzeitig an der Spitze eines Netzwerkes, das gegen multiresistente Erreger vorgeht. Heudorf sagte, dass die HSK dem Netzwerk zwar angehöre, sie die Lage in Wiesbaden aber aus der Ferne nicht einschätzen könne.

          In der Literatur werde ein Zusammenhang zwischen der Personaldichte und der Händehygiene nur sehr selten in Zweifel gezogen. Wenn wenige Mitarbeiter unter Zeitdruck stünden, vernachlässigten sie die Reinigung, äußerte Heudorf. Die Kurzformel dafür laute: „Weniger Hände, weniger Hygiene.“ In ihrer Pressemeldung stellt die HSK die Frage selbst: „Kann es sein, dass die Übertragung aufgrund der personellen Unterbesetzung stattfand?“ Die Antwort der Klinik lautet: „Wir wissen noch nicht, wie es zu der Übertragung kam. Daher halten wir solche Aussagen für spekulativ. Unsere Personalbesetzung auf der Station war in dem Zeitraum, in dem es zu der Übertragung kam, angemessen.“

          Gesundheitsamt habe Maßnahmen nicht beanstandet

          Im Rahmen des von dem Minderheitsgesellschafter Helios eingeleiteten Stellenabbaus sei auf der Station kein Arbeitsplatz gestrichen worden. Es habe aber Perioden gegeben, in denen das Stammpersonal vor allem aufgrund von Schwangerschaften nicht vollständig zur Verfügung gestanden habe. Dann habe man die Bettenzahl entsprechend reduziert. Die HSK stellt fest, dass das Wiesbadener Gesundheitsamt die getroffenen Maßnahmen kontrolliert und in keinem Punkt beanstandet habe.

          Heudorf sagte, dass die multiresistenten Erreger grundsätzlich in jedem deutschen Krankenhaus auftreten könnten. Bis zu fünf Prozent der eintreffenden Patienten trügen ihn in sich. Die besondere Brisanz des aktuellen Wiesbadener Falls besteht in der Tatsache, dass er exakt auf dem Höhepunkt einer öffentlichen Debatte über eine Reihe von gravierenden Missständen in den HSK auftritt.

          Gesundheitsamt führt Mängel auf fehlendes Personal zurück

          Nach einer Reportage des Fernsehsenders RTL hatte Geschäftsführer Kristian Gäbler zugegeben, dass in der Zentralen Notaufnahme fünf von 31,5 Planstellen für Pfleger nicht besetzt seien. Zu den Missständen, die er bestätigte, zählte auch die Tatsache, dass der im Zuge eines massiven Abbaus von Stellen engagierte externe Reinigungsdienst bislang nicht die erwünschten Leistungen erbringe.

          „Der RTL-Bericht überrascht uns nicht“, hatte Michael Forßbohm, der kommissarische Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, festgestellt. Seine Behörde habe das Krankenhaus im vergangenen Jahr achtmal kontrolliert, davon siebenmal unangekündigt. Die festgestellten Hygienemängel im ganzen Haus seien vor allem auf einen Mangel an Personal zurückzuführen.

          Auch Arbeitszeitverstöße bemängelt

          Der städtische Gesundheitsdezernent Axel Imholz (SPD) sagte, dass die Klinik die Mängellisten nachweislich abgearbeitet habe. Auch in dem aktuellen Fall habe das Krankenhaus aus der Sicht des Gesundheitsamts „angemessen gehandelt“. Den anderen Kritikpunkten, die in der öffentlichen Debatte genannt worden seien, müsse man nun „mit aller Sorgfalt nachgehen“. Imholz wies darauf hin, dass in der Fernsehreportage auch der massive Stellenabbau eines Münchener Klinikums kritisiert worden sei.

          Dabei handele es sich aber nicht um ein privates, sondern um ein kommunales Haus. „Wenn wir uns nicht von 49 Prozent unserer hochverschuldeten Klinik getrennt hätten, würden wir heute dieselbe Diskussion führen.“ Aus Imholz’ Sicht wäre auch die Stadt nicht um einen massiven Abbau von Stellen herumgekommen. Nachdem die Sprecher des Betriebsrates der HSK sich am Dienstag in einem von der Geschäftsführung initiierten Pressegespräch bedeckt gehalten hatten, übten die Vertrauensleute der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und ihre Sekretärin Saskia Jensch scharfe Kritik an ihrem Arbeitgeber.

          Überstunden und Arbeitszeitverstöße seien in den HSK schon unter dem früheren Minderheitsgesellschafter Rhön üblich gewesen. Aber Helios habe darüber hinaus im großen Stil Stellen abgebaut. Die nun festgestellten Hygienemängel seien vor allem dadurch verursacht worden, dass zum Teil jahrelang beschäftigte Reinigungskräfte unter Androhung betriebsbedingter Kündigungen von ihren Arbeitsplätzen verdrängt worden seien. Anschließend seien die Mitarbeiter tarifloser Tochtergesellschaften gezwungen worden, die gleiche Leistung billiger zu erbringen.

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