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Klimaschutz und Kapitalismus : Auf der sicheren Seite

„Die-in“ vor den hohen Türmen: Aktion der Bewegung „Fridays For Future“ Bild: Michael Kretzer

Die Bewegung „Fridays for Future“ hat die ökologische Ausrichtung der Deutschen Bank angeprangert. Doch ohne Kapitalismus wird der Klimawandel nicht gelingen.

          Wer sich gegen die Deutsche Bank wendet, scheint immer auf der sicheren Seite zu stehen. Zu viel ist in diesem Kreditinstitut schiefgegangen. So war es naheliegend, dass die trotz der Ferien noch tätigen Demonstranten der Bewegung „Fridays for Future“ vor die Doppeltürme der Deutschen Bank zogen.

          Aber standen die jungen Leute dort richtig? Schon längst haben sich viele Konzerne auf den Klimaschutz ausgerichtet. Die Commerzbank hat ihre Kohlendioxid-Emissionen seit 2007 um 70 Prozent reduziert, Fraport hat bekanntgegeben, bis 2050 CO2-neutral sein zu wollen, und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wies während der Hauptversammlung im Mai darauf hin, dass das Institut sein 2017 ausgegebenes Ziel, sich aus der Finanzierung neuer Kohlekraftwerke zurückzuziehen, längst erreicht habe.

          Klimaschutz bekommt Konkurrenz

          Natürlich kann immer noch mehr geschehen, und Sewing hat auch weitere Anstrengungen versprochen. Die „Friday for Future“-Bewegung hat aber glücklicherweise längst begriffen, dass Klimaschutz in Konkurrenz zu anderen Zielen steht, mit denen vernünftigerweise ein Ausgleich zu suchen ist. So heißt es ausdrücklich, die Verwirklichung eigener Forderungen müssen „sozial verträglich“ gestaltet werden.

          Von wirtschaftlicher Verträglichkeit ist dagegen keine Rede. Dabei erfordert gerade der Klimawandel eine freiheitliche Ordnung, in der kluge Ingenieure in großen und kleinen Betrieben im Wettbewerb miteinander nach optimalen Lösungen suchen können und zudem beachtliches Kapital einsetzen, um diese Ideen dann zu verwirklichen. Insofern verdient eine zweite Bemerkung Sewings Beachtung: Ziel der Bank sei es, den Wandlungsprozess ihrer Kunden zu begleiten, heißt also: zum Beispiel mit Krediten zu unterstützen.

          Man kann gegen einen Konzern zu Felde ziehen, weil er den Demonstranten noch nicht ökologisch genug ausgerichtet ist. Doch ohne Kapital und ohne Kapitalismus wird der Klimawandel nicht gelingen. Kreditinstitute wie jenes, vor der gestern die Frankfurter Protestierer standen, mögen ihnen als geeignete Gegner erscheinen. Aber Banken sind in ihrer Funktion, die sie in der Marktwirtschaft haben, auch Verbündete.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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