https://www.faz.net/-gzg-9b0i8

Ermittlungen : Behördenversagen im Mordfall Susanna?

Behördenversagen im Mordfall Susanna? Die Polizei weist die Kritik zurück. Bild: dpa

Nach der Festnahme von Ali Bashar im Irak warten deutsche Ermittler auf seine Auslieferung. Doch wie konnte der mutmaßliche Mörder von Susanna F. so weit kommen? Die zuständige Polizei muss sich vielen unbequemen Fragen stellen.

          2 Min.

          Nach der schnellen Festnahme von Ali Bashar im Nordirak hoffen Polizei und Staatsanwaltschaft in Wiesbaden auf schnelle Auslieferung des mutmaßlichen Mörders von Susanna F. Die auch von einigen Politikern geübte Kritik, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der durch Gewalt- und Eigentumsdelikte zuvor schon der Polizei bekannte junge Mann nicht in Untersuchungshaft gekommen sei, lässt die Staatsanwaltschaft nicht gelten. Ein dafür nötiger Haftgrund wie Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr habe nicht vorgelegen. Zwei Verfahren wegen Körperverletzung hätten eingestellt werden müssen, im Bundeszentralregister zu Verurteilungen habe es keine Einträge zu ihm gegeben. Die Inhaftierung eines Heranwachsenden, der zudem über einen festen Wohnsitz verfüge, sei unter diesen Umständen rechtlich nicht möglich. Die Hinweise, der Verdächtige könne ein elfjähriges Mädchen in der Unterkunft vergewaltigt haben, waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch zu vage und noch nicht von der Polizei überprüft.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Dennoch bleiben Zweifel am Vorgehen der Polizei, die die Behörden nun versuchen, zu entkräften. Den von der Familie des Opfers sowie auch in sozialen Netzwerken erhobene Vorwurf, die Vermisstenmeldung sei zu lange nicht ernst genug genommen worden, ließen die Polizeipräsidien in Mainz und Wiesbaden gestern ebenso wenig gelten wie jenen, ihre Zusammenarbeit sei schlecht koordiniert gewesen. Da sich die Vierzehnjährige aus Mainz zuletzt überwiegend in Wiesbaden aufgehalten habe, sei das Verfahren von dort aus geführt worden, sagte gestern ein Sprecher des Mainzer Präsidiums auf Anfrage. Zunächst allerdings müssten sich die Kollegen in solchen Fällen ein Bild von den Lebensumständen und Freundeskreisen der Gesuchten machen: Gab es Konflikte, wie ist das Verhältnis zu den Eltern, wird die Schule regelmäßig besucht? Das sei ein großes Puzzle.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die Ästhetik von rechtsextremen Influencerinnen passt in die heile Instagram-Welt aus modisch gekleideten Menschen, Tierjungen und Traumstränden. (Symbolfoto)

          Rechtsextreme Influencerinnen : Das nette Nazi-Mädchen von nebenan

          Rechtsextreme Influencerinnen suchen in den sozialen Medien nach Anhängern. Mit Frisurentipps, Backrezepten und Aufnahmen vor grünen Landschaften wirken sie zunächst unverfänglich – doch der Schein trügt. Eine Recherche.
          Bloß nicht zu lange aufbewahren: Hier warten Geldscheine noch auf ihren richtigen Einsatz.

          Geldanlage : So trotzen Sie den Strafzinsen Ihrer Bank

          Negativzinsen auf Bankguthaben sind in der Mitte des Volkes angekommen. Sollten auch Sie nicht wissen, was Sie mit Ihrem schönen Geld stattdessen machen sollen, beflügeln Sie vielleicht diese Anregungen.

          Besuch in Flutgebieten : Laschet erlebt die Wut

          Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen besucht Orte, die hart von der Flut getroffen wurden. Da entlädt sich der Ärger von Betroffenen.