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Kritik am Flüchtlingsheim : Die Angst ist geblieben

Zuhause: Viele geflüchtete Familien leben seit Jahren in der Unterkunft am Alten Flugplatz. Bild: Weiß

Krätze, undichte Dächer, Brandgefahr: Die Flüchtlingsunterkunft in Bonames steht in der Kritik. Die Bewohner fühlen sich im Stich gelassen.

          4 Min.

          Ein massiger Mann mit medizinischer Schutzmaske und der weißen Aufschrift „Sicherheitsdienst“ auf dem Rücken zückt Handschellen. „Nicht so, nicht so. Du bist nicht Polizei“, ruft ein dunkelhaariger Mann. Er lebt dort. Neben ihm steht ein anderer Bewohner mit schwarzem Schnurrbart in einem eleganten blauen Hemd, hebt den Finger, um etwas zu erklären. Doch der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die von der Diakonie für Dienste in ihrer Flüchtlingsunterkunft in Bonames beauftragt wurde, sagt: „Ich mach, was ich will hier.“

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Szene hat eine Bewohnerin mit ihrem Handy gefilmt. Wir wissen nicht, welcher Streit der Situation vorausging. Doch klar ist: Die Lage am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames ist angespannt. Die Geflüchteten fühlen sich schlecht behandelt und nicht gehört. In ihrem Zuhause kursiert die Krätze, Dächer sind undicht, viele haben Angst vor Gewalt. Wie ein Bewohner erzählt, hat es vor zwei Jahren einen Fall von sexuellem Missbrauch gegeben, daher trauten sich die Bewohner nicht, ihre Kinder allein in der Unterkunft zu lassen. Ein zwölfjähriger Bewohner soll sich an einem Achtjährigen vergangen haben, wie Sabine Kalinock von der Diakonie erzählt. Die Staatsanwaltschaft sagt auf Anfrage, dass in einem solchen Fall kein Verfahren eingeleitet werde, da der Junge nicht strafmündig gewesen sei. Beide Familien wohnen mittlerweile nicht mehr im Heim. Die Angst ist geblieben.

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