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Kristina Schröder : „Inzwischen ziemlich abgebrüht“

Auf einer Bank im Grünen redet es sich leichter: Schröder findet die große Koalition „gruselig“. Bild: Marcus Kaufhold

Sie spricht über Integration und ficht für freie Sonntage: Was macht eigentlich die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder?

          Das Treffen mit der Bundestagsabgeordneten Kristina Schröder kann nicht wie geplant stattfinden, das Lokal im Wiesbadener Stadtteil Schierstein ist geschlossen. Die Achtunddreißigjährige schlägt vor, eine Bank ausfindig zu machen. „Die Sonne scheint doch noch“, sagt sie. Tatsächlich findet sich im Park des Söhnlein-Palais’ eine so schöne Sitzgelegenheit, dass der herbstliche Schatten stillschweigend ignoriert wird. Ist die frühere Bundesfamilienministerin zwei Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Regierungsamt entspannter als früher?

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          „Ich bin zumindest inzwischen ziemlich abgebrüht“, sagt die CDU-Politikerin. Aber war sie das nicht schon, als sie noch unter ihrem Mädchennamen Köhler von sich reden machte? Eine 24 Jahre alte blonde Bundestagskandidatin aus Wiesbaden präsentierte sich damals in der „Bild am Sonntag“ braun gebrannt und im Bikini am Sandstrand von Formentera. Der Parteivorsitzenden Angela Merkel passte der Auftritt gar nicht. Sie war schnippisch, als sie im Sommer 2002 alle neuen Kandidaten zu einem gemeinsamen Fototermin begrüßte: „Wie Frau Köhler aussieht, wissen wir ja schon.“

          Mit Angela Merkel per du

          Schröder, die Tochter eines Oberamtsanwaltes und einer Maklerin, hatte gerade ihr Soziologiestudium an der Universität Mainz abgeschlossen und damit die Mindestvoraussetzung für den Kampf um das Wiesbadener Direktmandat erfüllt. Um für ihren Wahlprospekt eine Aufnahme mit dem Kanzler der Einheit zu bekommen, wandte sie sich an einem Brief an Helmut Kohl. Dessen Sekretärin Juliane Weber verkündete ein paar Tage später telefonisch mit rauchiger Stimme die frohe Botschaft: „Ja Engelchen, wir machen das.“

          Heute hat Schröder zu ihrer politischen Leitfigur von einst keinen Kontakt mehr. Sie ist zwar seit fünf Jahren Präsidentin der ZNS-Hannelore-Kohl-Stiftung, aber der Altkanzler hatte sich schon vor ihrem Amtsantritt mit der Hilfsorganisation für schädelhirnverletzte Menschen überworfen und sein Amt als Ehrenvorsitzender aufgegeben. Dafür duzt Schröder sich inzwischen mit der amtierenden Kanzlerin. Das Verhältnis Schröders zu Angela Merkel kommt in einem vertraulichen Dokument zur Sprache, das die Enthüllungsplattform Wikileaks kürzlich veröffentlichte.

          „Kristina Who“

          Am 19. Dezember 2009 wurde die amerikanische Regierung mit einem Dossier über die neue deutsche Ministerin ins Bild gesetzt. Dazu zählt natürlich die Information, dass die junge CDU-Politikerin schon wenige Wochen später ihren Parteifreund, den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium Ole Schröder, heiraten werde.

          Auch ihre kritische Auseinandersetzung mit den Themen Islamismus und Integration wird erwähnt. Sie machte sich damit schon in jungen Jahren einen Namen - und Feinde. Die Polizei ordnete Personenschutz an. Dem dreiseitigen Papier zufolge bestand der entscheidende Grund für ihre Berufung darin, dass Merkel als Ersatz für den ausscheidenden, aus Hessen stammenden Verteidigungsminister Franz Josef Jung eine Persönlichkeit aus demselben CDU-Landesverband gebraucht habe.

          Das Dokument trägt keine Unterschrift, aber den Vermerk, dass der Text mit der amerikanischen Botschaft in Berlin abgestimmt sei. Es wurde von Frankfurt aus an das Außenministerium in Washington D.C. gekabelt. Das Spannendste daran: Unter der Überschrift „Kristina Who“ erfährt der Leser, was ein „enger Berater“ des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch Vertretern des amerikanischen Generalkonsulates erzählt habe.

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