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Eswe Verkehr : Geschäftsführer soll gehen

  • -Aktualisiert am

In Wiesbaden omnipräsent: die Busse der Eswe Verkehrsgesellschaft Bild: Cornelia Sick

Günstlingswirtschaft bei Eswe Verkehr. Betriebsräte wurden „gekauft“, CDU-Mitarbeitern wurden hochdotierte Posten zugeschanzt. Nun muss der Geschäftsführer wohl gehen.

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          Die Krise ist eskaliert. Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen), der Aufsichtsratsvorsitzender von Eswe Verkehr ist, hat dem Magistrat einen Beschlussvorschlag unterbreitet, wonach Co-Geschäftsführer Jörg Gerhard wegen der Vorwürfe gegen ihn und wegen der laufenden internen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abberufen, ordentlich gekündigt und sofort freigestellt werden soll.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach der Sitzung äußerte sich der Magistrat erschüttert und entsetzt über die Zustände bei Eswe und spricht von „schwerwiegendem Fehlverhalten“. Vom Aufsichtsrat wird nun die Abberufung von Geschäftsführer Gerhard erwartet. Diesem und seinem früherem Mitgeschäftsführer Hermann Zemlin wird vorgeworfen, Betriebsräte unrechtmäßig begünstigt zu haben.

          Märchenhafter Aufstieg

          Dabei geht es um Zulagen, Prämien und die Eingruppierung in nicht gerechtfertigte Gehaltsstufen. Zudem soll ein ehemaliger Beschäftigter der CDU-Rathausfraktion ohne ausreichende Qualifikation bei Eswe „untergebracht“ worden sein. Er soll binnen eines Jahres einen märchenhaften Aufstieg vom Projektmitarbeiter zu einem außertariflich bezahlten Büroleiter mit einem Gehalt von monatlich 9100 Euro erfahren haben. In dieser Funktion soll er zwei weitere frühere CDU-Beschäftigte mit guten Gehalt angestellt haben.

          Die Aufklärung der tatsächlichen Sachverhalte sollen Gerhard und der Büroleiter behindert haben. Sogar von Datenmanipulationen und der Rückdatierung wichtiger Unterlagen ist die Rede. Schließlich wird der Geschäftsführung vorgeworfen, „Minusstunden“ der Fahrer durch während der Pandemie nicht geleistete Arbeit im Wert von 540 000 Euro gestrichen zu haben.

          Der 2014 geschlossene Geschäftsführervertrag für den 55 Jahre alten Gerhard war erst Ende 2020 mit Wirkung zum Jahresbeginn 2022 um fünf Jahre verlängert worden.

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