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Krise am MMK in Frankfurt : Der Leidensdruck war groß

MMK-Chefin Susanne Pfeffer sucht den Dialog mit ihren Mitarbeitenden. Bild: Alexander Paul Englert

Susanne Pfeffer, Direktorin des MMK in Frankfurt, will mit den Mitarbeitern Lösungen suchen. Das Ende ist das nicht: Das Bild vom Genie an der Spitze, das mit Mimosen arbeiten muss, ist von gestern. Vor allem die Kulturpolitik muss sich davon verabschieden.

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          Es ist den städtischen Angestellten im Dienst des MMK, des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, wohl nicht leicht gefallen, sich mit den Beschwerden über den Umgang im Haus an die Öffentlichkeit zu wenden. Der Leidensdruck aber scheint zu groß geworden zu sein. Und das Vertrauen, von der Direktion und der Politik ernst genommen zu werden, ist offenbar im gleichen Maße geschwunden. Der Brief an die Direktorin Susanne Pfeffer war nicht der erste Versuch, die Lage zu ändern.

          Dem Vernehmen nach war das Betriebsklima bis hin zu Krankheitsfällen dem Kulturdezernat bekannt, es hat zahlreiche Abgänge gegeben. Unternommen worden ist offenkundig nichts.Museumsdirektoren und Intendanten werden nicht geboren. Wer als Regisseur oder Kurator große Erfolge feiert, wird früher oder später eine Managementposition mit Personalverantwortung bekleiden. Eine Ausbildung dafür gibt es nicht.

          Mimosen, Genies und Nestbeschmutzer

          Es gibt immer noch viele Kunstbetriebe, deren bisweilen herausragende künstlerische Leistung mit einem hohen Preis bezahlt wird. Wer in dem harten Markt aufsteigen will, schweigt lieber, um sich nicht für den nächsthöheren Job als Nestbeschmutzer zu verbrennen. Ein schlechtes Betriebsklima als Kavaliersdelikt, gar als Ausweis des Genies an der Spitze, das gezwungen ist, mit Mimosen auszukommen, das sind Bilder und Selbstbilder von gestern.

          An Theatern tut sich schon etwas, um in kleinen Schritten neue Strukturen und offenere Kommunikation zu etablieren. Im MMK will Susanne Pfeffer nun im Dialog mit der Belegschaft die Situation verändern. Die Politik ist damit noch lange nicht aus der Verantwortung. Jenseits des MMK müssen Instrumente und Strukturen aufgebaut werden, um hohe künstlerische Qualität und eine gute Führungskultur zu vereinen.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

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