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Kriminalität in Frankfurt : Rekord bei Aufklärung

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Ziel einer großangelegten Razzia Anfang Januar war es, im Frankfurter Bahnhofviertel gegen Straßenkriminalität vorzugehen. Bild: dpa

Als „Hauptstadt des Verbrechens“ wird Frankfurt gerne bezeichnet - sehr zum Ärger von Polizeipräsident Bereswill. Er meint: „Das ist Humbug.“ Die registrierte Kriminalität ist in der Stadt nicht gewachsen.

          Anders als im landesweiten Trend ist hat die Frankfurter Polizei 2015 nicht mehr Straftaten registriert als im Jahr zuvor. Die Zahl der Fälle sei vielmehr leicht um 30 Fälle auf 118.766 gesunken, berichtete Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Donnerstag. Die Aufklärungsquote sei auf 61 Prozent gestiegen und habe den höchsten Stand seit 1971 erreicht. Landesweit hatte es ein leichtes Plus von 1,6 Prozent auf 403.188 Straftaten gegeben, die Aufklärungsquote lag bei 59,9 Prozent.

          Die enorme Zuwanderung habe auch die Kriminalität unter Flüchtlingen wachsen lassen, aber „die Statistik lässt keine klare Aussage zu“, sagte Bereswill. Vermutlich sei in Frankfurt wie in ganz Hessen die registrierte Kriminalität dieser Bevölkerungsgruppe nicht in gleichem Maß gestiegen wie die Zahl der Personen. Als Trend lasse sich feststellen, dass Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak und Syrien eher unauffällig seien - anders als Menschen aus Algerien, Marokko oder Albanien. Mit Informationen zur Herkunft von Verdächtigen gehe die Polizei „sensibel“ um.

          Gut 44.000 Diebstähle

          Derzeit lebten rund 6000 Flüchtlinge in der Stadt. Bereswill hob hervor, dass es dennoch kaum Probleme gebe. „Wir haben keinerlei Angriffe auf Unterkünfte und auch keine Angriffe auf die Flüchtlinge selbst.“ Es habe jedoch im vergangenen Jahr 15 Anwerbeversuche von Salafisten an Flüchtlingseinrichtungen gegeben.

          Diebstahl ist das am meisten verbreitete Delikt in der Mainmetropole - mit gut 44.000 Fällen (416 mehr als 2014) machte es im vergangenen Jahr 37 Prozent aller registrierten Straftaten aus. Weniger als jeder vierte Fall (23,7 Prozent) wurde aufgeklärt. Darunter fallen unter anderem Wohnungseinbrüche, deren Zahl um 59 auf 2111 sank - die Aufklärungsquote ging auf gut 10 Prozent zurück. Fast jeder zweite Einbruchsversuch scheitert nach Angaben der Polizei vermutlich wegen der intensiven Beratung der Bürger an gut gesicherten Türen und Fenstern.

          Polizeipräsident zeigt sich verärgert

          Informationskampagnen haben auch die Zahl der Trickdiebstähle mit dem Enkeltrick sinken lassen - zwei von drei Versuchen scheiterten an aufmerksamen Bürgern und Mitarbeitern von Banken. 275 Fälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr, 58 Prozent weniger als im Jahr zuvor. In der Stadt gab es 2015 außerdem 35 Fälle von Totschlag, 14 mehr als im Jahr zuvor, und sechs Morde, zwei weniger.

          Dass Frankfurt regelmäßig als „Hauptstadt des Verbrechens“ bezeichnet wird, ärgert Polizeipräsident Bereswill: „Das ist Humbug“. Dabei würden die vielen Pendler, Touristen oder Messebesucher nicht berücksichtigt, die nicht in Frankfurt wohnten. Die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner sei nach der Statistik um 388 auf 16.550 gesunken, teilte er mit. Rechne man jedoch ausländerrechtliche Verstöße heraus - ihre Zahl stieg wegen der starken Zuwanderung um fast 4000 auf rund 20.600 - liege die Zahl bei 13.677. Dies sei der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Verglichen mit anderen deutschen Großstädten „liegen wir im Mittelfeld.“

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